Stimmungsmache

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Faktencheck: 9-Euro-Ticket

Stimmungsmache im Netz 9-Euro-Ticket: Fallen Sie nicht auf dieses Chaos-Foto eines verwüsteten Zuges herein

Sehen Sie im Video:  9-Euro-Ticket – fallen Sie nicht auf dieses Chaos-Foto eines verwüsteten Zuges herein.




Schmutz, Bierflaschen und ein entrüsteter Bahn-Mitarbeiter.


In den sozialen Medien verbreitet sich dieses Foto eines verwüsteten Zugabteils.


Die Aufnahme wird in Kombination mit der Behauptung verbreitet, dass das Chaos auf überfüllte Züge wegen des 9-Euro-Tickets zurückzuführen sei.


Doch was hat es mit der Behauptung auf sich? Steht die Verwüstung wirklich im Zusammenhang mit dem derzeitigen Fahrkarten-Sonderangebot?


Das Bild, das sich in den sozialen Medien verbreitet, steht in keinem Zusammenhang mit dem 9-Euro-Ticket.


Das Foto ist im Angebot der Bildagentur Picture Alliance vorhanden.


Die Aufnahme entsteht laut Beschreibungstext bereits 2015 – und somit Jahre vor der Einführung der Sonderfahrkarte.


Randalierende Fans des Fußball-Vereins Eintracht Braunschweig hatten nach einem Auswärtsspiel mehrere Wagons eines Regionalzuges verwüstet.


Weitere Bilder zeigen die Zerstörung.


Der Fall macht deutlich: Alte Bilder können im Zusammenhang mit aktuellen Ereignissen dazu missbraucht werden, Stimmungsmache in den sozialen Netzwerken zu betreiben. So werden randalierende Fußballfans sieben Jahre später angeblich zu Reisenden, die das 9-Euro-Ticket nutzen.


Wie untersuchen wir in der Redaktion Videos auf Manipulation? Dabei ist ein Blick auf die Details wichtig. Die Einzelbilder eines Videos verraten oft, ob ein Video bearbeitet wurde. Wir schauen uns Bild für Bild genau an und vergrößern einzelne Ausschnitte. Indizien für einen Fake sind zum Beispiel: fehlende Bewegungsunschärfe, unnatürlicher Schattenwurf oder Schnittfehler. Beim stern gilt generell: Seriosität vor Schnelligkeit. Wir checken Fakten und Material immer gründlich gegen, bevor wir sie veröffentlichen. Dafür arbeiten wir mit dem redaktionsübergreifenden "Team Verifikation" zusammen mit RTL, NTV, RTL2, Radio NRW.
Afghanistan: Taliban-Kämpfer hängt an US-Hubschrauber

Afghanistan Keine Hinrichtung: Taliban hängen Mann an Black-Hawk-Helikopter – was es mit dem Video auf sich hat

Sehen Sie im Video: Keine Hinrichtung – Taliban hängen Mann an Black-Hawk-Hubschrauber. Das Video im Faktencheck.






Videos einer vermeintlichen Hinrichtung durch die Taliban werden in den USA für politische Stimmungsmache missbraucht.


Die Aufnahmen aus Afghanistan zeigen einen auf den ersten Blick leblosen Mann, der an einem Black-Hawk-Helikopter hängt.


Das Video wird von Republikanern verbreitet, um den amtierenden US-Präsidenten und Demokraten Joe Biden zu diskreditieren.


Der Vorwurf: Ein überstürzter Truppenabzug aus Afghanistan habe dazu geführt, dass die Taliban Menschen mit US-Militärgerät hinrichten würden.


Der Clip wird millionenfach aufgerufen.


Donald Trump Jr. nutzt die Silhouette des vermeintlich Gehängten als Banner auf Twitter.


Doch was hat es mit dem Video auf sich?


Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll das Video keinen hingerichteten Mann zeigen. (Quelle: Reuters, Indy100, Alt News)


Im Gegenteil: Bei der Person scheint es sich um einen Taliban zu handeln.


Faktenchecker Mohammed Zubair von der indischen Anti-Fake-News-Seite Alt News postet ein Video, das einen näheren Blick auf das Geschehen ermöglicht.


Der Mann, der am Black-Hawk-Helikopter hängt, bewegt in dem Video seine Arme.


Der afghanische Journalist Bilal Sarwary äußert auf Twitter, dass er den Piloten des Helikopters kenne. Er habe ihm zugetragen, dass es sich bei dem Mann am Helikopter um einen Taliban-Kämpfer handle, der erfolglos versucht habe, eine Fahne zu installieren.


Ein Video, das den Kämpfer in der Nähe eines Fahnenmastes zeigt, unterstreicht diese Behauptung. Die afghanische Nachrichtenagentur Aśvaka bestätigt diesen Hintergrund ebenfalls.


Der Fall macht deutlich: Videos, deren Inhalt auf den ersten Blick nicht klar ersichtlich ist, können in den sozialen Medien zusammen mit Falschbehauptungen verbreitet werden, um politische Stimmungsmache zu betreiben.


Doch egal mit welcher Intention ein Video im Netz verbreitet wird – an den Fakten ändert ein Social-Media-Post im Nachhinein nichts.