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Tornado-Einsatz: "Der Krieg wird barbarisch geführt"

Weil er den Krieg in Afghanistan für völkerrechtswidrig hält, hat sich Oberstleutnant Jürgen Rose geweigert, den deutschen Tornado-Einsatz zu unterstützen. Nun wurde er versetzt.

Von Lutz Kinkel

Am Donnerstagabend hat Oberstleutnant Jürgen Rose in der ARD das Politik-Magazin "Panorama" gesehen, genauer: einen Bericht über die Lage in Afghanistan. Er zeigte Bilder, wie US-Soldaten einen toten Kameraden rächen. Sie töten zwei Taliban-Kämpfer, verbrennen ihre Leichen, fotografieren sie, und verhöhnen die geflüchteten Kämpfer, die sich verstecken. "Achtung, Taliban, ihr seid feige ... ihr seid Schwuchteln." Diese wahrlich krassen Bilder haben Rose in seiner Auffassung bestätigt, dass der Krieg in Afghanistan von Seiten der US-Armee mit "barbarischen Methoden" geführt wird. Außerdem sei er völkerrechtswidrig, weil nicht durch ein UN-Mandat gedeckt. "Bush führe einen Kreuzzug gegen den Terrorismus".

Deswegen opponierte Rose auch gegen den Tornado-Einsatz der Bundeswehr - und zog persönliche Konsequenzen. Da er bislang im Wehrbereichskommando IV in München für die logistische Unterstützung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr zuständig war, bat er um seine Versetzung. Diesem Wunsch wurde nun entsprochen: Ab kommenden Montag arbeitet Rose in der Verwaltung. "Ich kann nur sagen, dass ich mich fair und sachlich korrekt behandelt fühle", sagte Rose im Gespräch mit stern.de. Man haben ihm eine "gewissensschonende Handlungsalternative" bereitgestellt, wie es im Bundeswehrdeutsch heißt.

"Aufklärung = Kampf"

Rose und seine Mitstreiter der kritischen Soldaten-Gruppe "Darmstädter Signal" glauben nicht, dass die Tornados nur zu Aufklärungsflügen in Afghanistan eingesetzt werden. "Man kann den Aufklärungseinsatz nicht vom Kampfeinsatz trennen", sagt Rose. Deswegen hatte das Darmstädter Signal die Parlamentarier in einem offenen Brief aufgefordert, dem Einsatz nicht zuzustimmen - vergeblich.

Seine Kameraden hätten für seinen Wunsch, sich versetzen zu lassen, Verständnis geäußert, sagt Rose. "Wenn die Bundeswehr ein Spiegel der Gesellschaft ist, müssten auch hier drei Viertel gegen den Einsatz sein. Das war jedenfalls das Ergebnis der letzten Umfrage." Andererseits wisse er nicht, ob weitere Kameraden seinem Beispiel folgen wollen. Nach Informationen der Zeitung "Welt" haben in den vergangenen zwei Wochen vier Reservisten der Bundeswehr einen Antrag auf Dienstverweigerung gestellt, weil sie nicht an internationalen Bundeswehr-Einsätzen teilnehmen möchten.

"Sicherheit Deutschlands gefährdet"

Die Linksfraktion hat außerdem eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Tornado-Einsatz angekündigt. Rose, der sich daran nicht beteiligt, unterstützt sie zumindest ideell. "Für die Bundeswehr gilt das Primat der Politik - aber nur, solange sich die Politik im Rahmen von Recht und Gesetz bewegt", sagt er. Das sei bei diesem Einsatz nicht der Fall. "Die Sicherheit Deutschlands wird am Hindukusch nicht verteidigt, sondern gefährdet."

Rose hat sich auch in der Vergangenheit mehrfach kritisch zur Bundeswehr geäußert. Er opponierte gegen die Beteiligung am Jugoslawien-Krieg 1998 und sprach sich ein Jahr zuvor öffentlich für die Abschaffung der Wehrpflicht aus. Rose, 49, ist studierter Diplom-Pädagoge und publiziert unter anderem in "Freitag", einer linken Wochenzeitung.