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Treffen Schröder-Chirac: Schwerstarbeit für Dolmetscher

Mit der französischen Sprache sei das bei ihm "leider nicht so doll", erzählt Kanzler Schröder freimütig. So wie ihm geht es vielen seiner Minister. Wenn heute beide Ministerriegen erstmals im Kanzleramt beraten, steht vor den Dolmetschern Schwerstarbeit.

In Frankreich kenne er sich aus wie in keinem zweiten Land in Europa, erzählte der Kanzler vor einiger Zeit einer illustren Gesellschaft in Paris. Zehn Jahre lang sei er dorthin in Urlaub gefahren, meist auf Campingplätze. Mit der Sprache sei das allerdings bei ihm "leider nicht so doll", berichtete Gerhard Schröder: "Meine damalige Frau Anne war Französisch-Lehrerin. Die hat immer alles geregelt. Aber immerhin kann ich jede Speisekarte lesen."

So wie dem Kanzler geht es den meisten seiner Minister. "Das Gefühl der Lust, Französisch zu sprechen", so der Werbespruch, mit dem das französische Institut in Berlin derzeit für Sprachkurse wirbt, ist im Kabinett nicht besonders ausgeprägt. Vielfach reicht es zu kaum mehr als zum "Oh lá lá". Auf französischer Seite sieht es in punkto Deutschkenntnisse aber kaum besser aus. Die direkte Konversation erfolgt ohnehin meist in Englisch.

Dolmetscher sorgen für reibungslose Verständigung

Wenn am diesem Donnerstag die beiden Ministerriegen erstmals im Kanzleramt gemeinsam beraten, steht vor Schröders Französisch-Dolmetscher Werner Zimmermann und seinen Kollegen deshalb wieder Schwerstarbeit, um für eine reibungslose Verständigung zu sorgen.

Die einzig richtige Ausnahme auf deutscher Seite ist der Verteidigungsminister. Anders als der Kanzler hat Peter Struck nämlich seine regelmäßigen Lothringen-Urlaube genutzt, um sich jetzt fließend in der Sprache des engsten Verbündeten ausdrücken zu können. Nur bei kniffligen Fachfragen wird bei Treffen mit Amtskollegin Michèle Alliot-Marie, die bald auch bei Strucks zu Hause in Uelzen erwartet wird, ein Übersetzer hinzugezogen.

Entwicklungsministerin Heidi Wieczorek-Zeul fühlt sich zumindest in der Lage, sich auf Französisch zu unterhalten, wenn auch "nicht vertragssicher". Der Außenminister, der allgemein als Sprachtalent gilt, hat dagegen seine Ankündigung noch nicht wahrgemacht, sich mit der traditionellen Diplomatensprache rasch richtig vertraut zu machen. Doch immerhin verzichte Joschka Fischer bei Fragen inzwischen öfter auf die Übersetzung, heißt es in seinem Haus über die Fortschritte des Ressortchefs. Bildungs-Kollegin Edelgard Bulmahn, wie Wieczorek-Zeul gelernte Englisch-Lehrerin, kann ebenfalls nur eher passive Französisch-Schulkenntnisse vorweisen.

Durchwachsene Fähigkeiten auch im Pariser Kabinett

Ähnlich durchwachsen sind die Fähigkeiten im Pariser Kabinett, in der Sprache des Nachbarn zu parlieren. Der oberste Diplomat, Außenminister Dominique de Villepin, "spricht kein Deutsch", hält der Quai d’Orsay lapidar fest. Immerhin kommt der agile Dichter-Minister, seit der Irak-Krise wegen der aufmüpfigen Haltung gegenüber Washington bekannt, wie Fischer blendend mit dem Englischen zurecht.

Manche gehen von guten Deutsch-Kenntnissen der Franzosen aus, weil sie noch den früheren Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing vor Augen (oder seine Sprachkenntnisse im Ohr) haben. Heute ist Finanz- und Wirtschaftsminister Francis Mer wohl durchaus in der Lage, mit seinem Amtskollegen Hans Eichel in dessen Sprache über Euro und Stabilitätspakt zu reden: "Der Minister spricht gut Deutsch", sagt sein Ministerium im Pariser Osten stolz.

Bildungsminister Luc Ferry, immerhin ein gelernter Philosoph, muss die deutsche Sprache einfach kennen: Zu seinen zahlreichen Werken gehören auch mehrere Abhandlungen über die deutschen Philosophen Martin Heidegger und Friedrich Nietzsche. Mit gutem Beispiel voran ging in diesem Sommer Europa-Staatsministerin Noëlle Lenoir. Um sich mit ihrem Kollegen Hans Martin Bury auch in Deutsch austauschen zu können, opferte sie einen Teil ihres Urlaubs und machte in Tübingen beim Goethe-Institut einen Intensiv-Kurs.

Ein "gerührter" Chirac

Und auch im Kanzlerhaus in Hannover wird seit kurzem Französisch geübt. Tochter Klara lerne die Sprache fleißig, erzählte Schröder kürzlich in Berlin Staatspräsident Jacques Chirac, der selbst weit besser Japanisch als einige Deutsch-Brocken versteht. Chirac soll deswegen richtig gerührt reagiert haben.

Joachim Schucht und Jochen Kaffsack/DPA

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