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Türkischer Ministerpräsident in Deutschland SPD-Europapolitiker Schulz kritisiert Erdogan-Rede


Martin Schulz, Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament, hat die Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan als kontraproduktiv für einen EU-Beitritt der Türkei bezeichnet.

Nach der umstrittenen Rede des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Düsseldorf reißt die Kritik nicht ab. Mit dem Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament, Martin Schulz, kritisierte erstmals auch ein ranghoher SPD-Politiker den türkischen Regierungschef für dessen Äußerungen zur Integration. "Was Erdogan macht, hat wenig mit Integration in Deutschland zu tun, aber viel mit Propaganda in der innentürkischen Debatte", sagte Schulz dem "Hamburger Abendblatt" (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. Erdogans Auftritt in Düsseldorf sei "unangemessen" gewesen. Es könne nicht sein, dass Erdogan Wahlkampf in Deutschland betreibe, betonte SPD-Vorstandsmitglied Schulz.

"Für einen EU-Beitritt der Türkei ist Erdogans Politik sicherlich kontraproduktiv", sagte der Europa-Politiker. Auch Schulz stellte sich gegen die Forderung des türkischen Ministerpräsidenten, dass die Kinder türkischer Migranten in Deutschland zuerst die türkische und dann erst die deutsche Sprache lernen sollten. "Wer türkischen Kindern nicht empfiehlt, in dem Land heimisch zu werden, in dem sie leben, schadet ihnen", sagte Schulz.

Weitere Kritik kam von FDP-Generalsekretär Christian Lindner. "Die deutsche Sprache ist die Geschäftsgrundlage für unser gemeinsames Miteinander in Deutschland", sagte Lindner der "Bild"-Zeitung laut Vorabbericht. "Es ist empörend und inakzeptabel, dass Herr Erdogan die Souveränität unseres Landes und der Menschen, die hier leben, infrage stellt."

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, distanzierte sich ebenfalls von Erdogan. "Ich finde es nicht glücklich und nicht richtig, dass Erdogan auf diese Weise Wahlkampf macht", sagte Kolat der "Bild"-Zeitung. Integrationsfragen würden in Deutschland mit den hier lebenden Türken entschieden und nicht in der Türkei.

Erdogan hatte sich am Sonntagabend vor rund 10.000 Landsleuten in Düsseldorf gegen Assimilation gewandt und betont, das Recht der Minderheiten dürfe nicht ignoriert werden. Niemand werde in der Lage sein, die Türken von ihrer Kultur loszureißen. "Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen." Zugleich rief Erdogan seine Landsleute zur Integration auf.

DPA DPA

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