TV-Duell Dem Zufall keine Chance


Vor diesem Bühnenbild wäre auch eine Talkshow gut aufgehoben: Sattes Dunkelblau, neue Büromöbel und ein weinroter Teppich. Doch am 4. September um 20.30 Uhr treten dort Gerhard Schröder und Angela Merkel zur Redeschlacht um Berlin an.

Vor diesem Bühnenbild wäre auch eine Talkshow gut aufgehoben: Sattes Dunkelblau, neue Büromöbel und ein weinroter Teppich. Doch es wird eine Premiere sein, wenn sich am 4. September um 20.30 Uhr Gerhard Schröder (SPD) und Angela Merkel (CDU) zur Redeschlacht um Berlin vor den Kameras treffen. Zum ersten Mal übertragen die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF und die Privaten RTL und Sat.1 gemeinsam ein Kandidaten-Duell.

Mit Sabine Christiansen (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Thomas Kausch (Sat.1) ist die Moderatoren-Riege ebenfalls paritätisch besetzt. Seit Wochen bereitet das Quartett mit Fernsehmanagern und Redakteuren den medialen Showdown vor. Sie müssen auf Forderungen der Duellanten eingehen, die sich von der Debatte entscheidenden Einfluss auf den Wahlausgang am 18. September versprechen. Bis zur letzten Minute feilen die Fernsehleute an Rednerpulten, verhandeln über Kameraeinstellungen und Beleuchtung.

Ohne Schnickschnack

"Ganz ohne Schnickschnack" soll die Sendung ablaufen, wie Stefan Raue von der Innenpolitik-Redaktion des ZDF und zuständig für die Duell-Vorbereitung sagt. Raue war vor drei Jahren dabei, als sich vor ähnlicher Kulisse Schröder und sein Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) begegneten. Weder die Namen der Protagonisten noch eine Uhr sollen diesmal eingeblendet werden. Alle 15 Minuten wollen die Moderatoren auf das Zeitkonto hinweisen. Leicht angewinkelt werden die Pulte aufgestellt, zehn Kameras fangen die Duellanten ein. Regie führt auch diesmal Volker Weicker, der preisgekrönte Fachmann des deutschen Fernsehens für Live-Übertragungen.

Und wie damals wird auch am Sonntag rund um das Studio im einstigen Sendezentrum des DDR-Fernsehens in Berlin-Adlershof eine «rote Zone» markiert. Nur die beiden Kandidaten, Helfer und die Vertreter der Sender dürfen sich in diesem Raum bewegen. Hunderte Medienleute und Prominente, die sich in einem Nebenstudio am Buffett versammeln, werden - wie alle anderen Zuschauer auch - das Duell über Fernsehgeräte verfolgen.

Fragen zu acht bis zehn Themenkomplexen

Sollte alles nach Plan laufen, werden sich Schröder und Merkel erst im Studio vor laufender Kamera begegnen. Dann soll die erste Frage kommen, Nachfragen sind erlaubt. Insgesamt acht bis zehn Themenkomplexe sind geplant, wobei alle Beteiligten betonen, dass die Fragen den Kandidaten nicht vorher vorgelegt wurden. Am Ende soll es bei der Redezeit beider Kandidaten nicht mehr als eine Minute Unterschied geben.

Zum Abschluss haben Schröder und Merkel noch eines letztes Mal Gelegenheit zur Selbstdarstellung und können die Frage beantworten, warum die Wähler sie wählen sollen. Und noch ein Detail steht bereits fest: Schröder wird die erste Frage beantworten, Merkel hat das Recht der letzten Antwort. Das hat das Los entschieden.

Esteban Engel/DPA


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