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Corona-Talk bei "Maybrit Illner" Mehr GroKo geht nicht: Scholz und Söder streicheln sich gegenseitig das Ego

Und wieder ein Corona-Talk: Maybrit Illner und ihre Gäste
Und wieder ein Corona-Talk: Maybrit Illner und ihre Gäste
© Svea Pietschmann / ZDF
Eitel Sonnenschein bei Markus Söder und Olaf Scholz zu den Corona-Maßnahmen für die Wirtschaft. Statt auf Angriff setzen im Talk bei "Maybrit Illner" beide auf Einigkeit - und auf eine Drohung.
Von Andrea Zschocher

Der Zustand der deutschen Wirtschaft ist ein Gradmesser für die kommenden Bundestagswahlen. Deswegen war es wenig überraschend, dass die beiden Kanzlerkandiaten Olaf Scholz und Markus Söder zum Talk bei Maybrit Illner kamen. Denn bei ihr drehte sich alles um die Frage: "Risikopatient Wirtschaft – mit der Pandemie in die Pleite?"

Zu Gast bei "Maybritt Illner" waren:

  • Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise & Professorin für Komparative Wirtschaftsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Sandra Beckmann, Messe- und Eventplanerin
  • Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und CSU-Chef
  • Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister und Vizekanzler
  • Karl Haeusgen, Vizepräsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
  • Klaus-Dieter Zastrow, Honorarprofessor für Hygiene an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen

Mehr GroKo geht nicht

So viel Einigkeit und beinahe schon Lob füreinander sind in der Politik ja eher selten. Den Talk bei "Maybrit Illner" werden Olaf Scholz und Markus Söder aber beide mit einem guten Gefühl verlassen haben. Endlich mal wieder das Ego gestreichelt bekommen, und das auch noch vom jeweiligen politischen Gegner für das Amt des Bundeskanzlers. Mehr GroKo geht ja fast nicht.

Ministerpräsident lobte die Arbeit des Bundesfinanzministers, Deutschland hätte das mit seinem Vorgehen zur Rettung der Wirtschaft im internationalen Vergleich doch sehr gut gemacht, nun bräuchten die Programme Zeit zu wirken. Er sei jedenfalls, wie Scholz auch, davon überzeugt, dass die Maßnahmen der letzten Monate richtig seien, dass sie den Unternehmen helfen, durch die herausfordernden Zeiten zu kommen. Der Bundesfinanzminister blies selbstverständlich ins gleiche Horn. Das gemeinsame Motto der beiden politischen Kontrahenten: Einigkeit in der Krise zeigen. Das brauchen die WählerInnen jetzt, das Wissen, dass die Politiker (also die beiden im Talk) schon wissen, was sie da tun.

Drohung mit zweitem Lockdown

Auch bei der Frage Illners, wieso PolitikerInnen gern mit einem zweiten Lockdown drohen, wenn die Infektionszahlen steigen, gab es Einigkeit. Beide beantworteten sie schlicht nicht. Olaf Scholz zählte stattdessen lieber gebetsmühlenartig auf, was in den letzten Monaten alles für Maßnahmen ergriffen wurden, um diesen Lockdown, der ja schon irgendwie über uns allen schwebt, zu verhindern. Solche Aufzählungen entfachen natürlich auch neue Sorgen. Ähnlich agierte Söder, er betonte mehrfach, dass Privatpartys ein Grund für steigende Infektionszahlen sind und die Bevölkerung sich bitte an die Vorgaben halten solle.

Immer schwang die Drohung mit: Wenn das nicht geschieht, dann könnte es einen zweiten Lockdown geben. Das sei natürlich nicht gewollt, aber, so Söder: "Vorsicht ist eine kluge Strategie". Ist sie wohl auch, um sich in Position zu bringen, denn natürlich wollen die WählerInnen wissen, auf welchen Politiker sie sich in Krisenzeiten verlassen können. Während Scholz stets das ganze Land im Blick hatte, wurde Söder immer wieder regional, sprach über Maßnahmen und Erkenntnisse aus Bayern. Das muss sich dann aber ändern, wenn er der Kanzler aller Deutschen werden will.

Solo-Selbstständige selbst Schuld an der Pleite?

Nicht alle Maßnahmen helfen allen Unternehmen, das wurde bei "Maybrit Illner" auch wieder klar. Während VDMA-Vizepräsident Karl Haeusgen vor allem die Maßnahmen in seiner Branche lobte, kritisierte die Messe- und Eventplanerin Sandra Beckmann Scholz hier deutlich. Denn für sie als Solo-Selbstständige stellen die viel gelobten Hilfsmaßnahmen keine Unterstützung dar. Haeusgen übernahm da mal eben das Antworten, er warf die Frage auf, inwieweit der Staat denn für das unternehmerische Risiko von EinzelunternehmerInnen aufkommen solle, die sich seiner Meinung nach eben einfach nicht gut aufgestellt hätten.

Der Vizekanzler sprang Beckmann bei, sie sei ja unverschuldet in die Situation geraten und deswegen müsse ihr auch geholfen werden. So geht Kanzler, klar, denn er versprach, auch im weiteren Prozess der sich immer im Wandel befindlichen Maßnahmen auf die Einblicke und Erfahrungen von verschiedenen Branchen zu hören und in die Bewertung einfließen zu lassen. Es fehlte nur noch, dass er die Hand der Frau ergriffen hätte, um sich ihrer Stimme im Wahlkampf zu versichern. Hier konnte Markus Söder natürlich nicht punkten, er war aus Nürnberg ins Studio zugeschaltet. 

Weitere Themenpunkte:

Maske tragen und mit Mundspülung gurgeln: Der Hygieneprofessor Klaus-Dieter Zastrow hatte wenig mehr zur Diskussion beizutragen als den Hinweis, dass wir alle doch bitte mehr mit desinfizierender Mundspülung aus der Apotheke gurgeln sollten, um die Coronaviren bereits im Rachen abzutöten und so einer Ansteckung aktiv entgegenzuwirken.

Zukunftsfähige Unternehmen: Während Haeusgen es falsch fand, die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen bei den Corona-Maßnahmen zu überprüfen, sprachen sich sowohl Olaf Scholz als auch Monika Schnitzer unbedingt dafür aus. Denn es müssten ja Anreize geschaffen werden, dass Unternehmen dauerhaft am Markt bestehen.

Kurzarbeitergeld: Es herrschte große Einigkeit darüber, dass das Kurzarbeitergeld ein gutes Mittel war, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Fraglich ist, ob es ein gutes Mittel für die nächsten Jahre ist, oder ob es nicht auch zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen gehören sollte, weniger Kurzarbeitergeld zu zahlen, um die Weiterentwicklung der MitarbeiterInnen zu inspirieren. 

Der Bundesfinanzminister legte am Ende noch einen drauf: Er freue sich, sagte er, auf den Untersuchungsauschuss zum "Wirecard"-Skandal. Denn in ihm sehe er einen "Bündnispartner" und er erwarte keine Nachteile für die Bundestagswahl 2021 daraus.

Schauen wir mal, wie das am Ende so ausgehen wird. Erstmal aber klingen Scholz´Worte direkt wie gemacht für die ganz große Bühne. 

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