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Umfrage: Fast jeder fünfte Deutsche will keine Juden in der Familie

Die Kirchen in Deutschland predigen Toleranz und Weltoffenheit. Doch eine Studie zeigt, dass ablehnende Einstellungen gegenüber Einwanderern, Muslimen und Juden unter Christen in Westeuropa stärker verbreitet sind als unter Konfessionslosen.

Teilnehmer des "Kippa Tag Hamburg" demonstrieren Mitte Mai in der Hansestadt

Teilnehmer am "Kippa Tag Hamburg" demonstrierten Mitte Mai in der Hansestadt mit der jüdischen Kopfbedeckung für Frieden und gegenseitigen Respekt. Laut einer Studie haben viele Deutsche dennoch Vorbehalte gegen Juden.

DPA

Fast jeder fünfte Deutsche hätte ungern Menschen jüdischen Glaubens in seiner Familie. Das geht aus einer aktuellen Studie des Pew-Forschungsinstituts mit dem Titel "Christ sein in Westeuropa" hervor, für die im vergangenen Jahr rund 25.000 Erwachsene in 15 Ländern befragt worden waren. Demnach antworteten 19 Prozent der Befragten Menschen in Deutschland auf die Frage "Wären Sie bereit, einen Juden als Familienangehörigen zu akzeptieren?" mit "Nein". 69 Prozent sagten "Ja". Immerhin zwölf Prozent der Befragten gaben keine eindeutige Antwort.

Zum Vergleich: Nur drei Prozent der Niederländer und Norweger hätten ein Problem mit jüdischen Familienmitgliedern. Die höchsten "Nein"-Werte ermittelten die Forscher in Großbritannien (23 Prozent), Italien (25 Prozent) und Österreich (21 Prozent).

Ein Drittel würde keine Muslime akzeptieren

Noch deutlich geringer war die Akzeptanzrate allerdings, als die Meinungsforscher nach Muslimen fragten. Laut Studie würden 33 Prozent der Deutschen keine muslimischen Familienmitglieder akzeptieren.

Die Studie zeigt außerdem, dass ablehnende Einstellungen gegenüber Einwanderern, Muslimen und Juden unter Christen häufiger vorkommen als unter konfessionslosen Westeuropäern. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um praktizierende Christen handelt oder um solche, die entweder nie oder sehr selten zum Gottesdienst gehen.

Große Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Konfessionsgruppen gibt es vor allem unter deutschen Katholiken und Protestanten. Den Angaben zufolge äußern Katholiken eher als Protestanten negative Ansichten über Muslime. Etwa jeder zweite Katholik (51 Prozent) antwortete, er sei nicht bereit, Muslime als Familienmitglieder zu akzeptieren. Von den Protestanten äußerten dies dagegen nur etwa 16 Prozent.

Große Kopftuch-Vorbehalten bei Katholiken 

Anders stellt sich die Situation in der Schweiz dar, wo 41 Prozent der befragten Protestanten und 34 Prozent der Katholiken Vorbehalte gegen Muslime in der eigenen Familie äußerten. Eine ähnlich hohe Ablehnung wie unter deutschen Katholiken fanden die Forscher sonst nur noch in Italien. Den Angaben zufolge wären 48 Prozent der Katholiken in Italien nicht bereit, muslimische Familienmitglieder zu akzeptieren.

Vorbehalte gegenüber muslimischen Frauen, die Kopftücher oder andere religiös motivierte Kleidungsstücke tragen, gaben 31 Prozent der in Deutschland befragten Katholiken und 16 Prozent der Protestanten an. Nur Italiens Katholiken sehen die verschiedenen Formen der Verhüllung noch negativer. 35 Prozent von ihnen sagten, dass es muslimischen Frauen in ihrem Land nicht gestattet sein sollte, religiös begründete Kleidung zu tragen.

Immer weniger Christen in Westeuropa

Laut der Studie des US-Forschungsinstituts ist die Zahl der Menschen, die sich als einer christlichen Konfession zugehörig bezeichnen, in allen westeuropäischen Staaten seit 2002 gesunken. Der Abwärtstrend war allerdings in Deutschland, Italien, Frankreich und den Niederlanden weniger stark als etwa in Finnland, Belgien, Irland oder Portugal. 68 Prozent der Westeuropäer, die sich nicht mehr mit einer Religion identifizieren, gaben an, sie hätten sich "allmählich" davon entfernt.

Viele sagten, sie seien mit den Ansichten der Kirche zu Homosexualität und Abtreibung nicht einverstanden oder hätten einfach aufgehört, an die religiösen Inhalte zu glauben. In Spanien und Italien nannte die Mehrheit auch "Skandale im Zusammenhang mit religiösen Institutionen und Führungspersönlichkeiten" als wichtigen Grund dafür, dass sie sich nicht länger als Teil einer Kirche oder einer anderen religiösen Gruppe fühlten.

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mad