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Und jetzt ... Django Asül: Als die Türken kamen

Der 50. Jahrestag des Gastarbeiterabkommens mit der Türkei fällt mit dem Jahrestag des Erscheinens des Sarrazin-Buchs zusammen. Kann das Zufall sein?

Ein satirischer Integrationsbericht von Django Asül

Manchmal korrelieren feierliche Anlässe wunderbar. So geben sich derzeit die Feiern zum 50. Jahrestag des Gastarbeiterabkommens und zum ersten Jahrestag des Sarrazin-Buchs die Klinken in die Hand. Schließlich wurden aus einer Handvoll Türken am nicht abzusehenden Ende Millionen. Und Millionen hätte Sarrazin nie verdient, wenn der Türke an sich sich nicht dermaßen überbordend vervielfältigt hätte in deutschen Landen. Es gibt sie also noch, die klassische Win-Win-Situation, wo jeder froh ist um den anderen Marktteilnehmer.

Zumal Anti-Sarrazin Wowereit das auch in seinem neuesten Buch so dargelegt hat. Da kann man nachlesen, dass Berlin ohne Türken quasi aufgeschmissen wäre. Und allein schon durch seine numerisch enorme Präsenz in der Hauptstadt sorgt der Türke dafür, dass der Prozentsatz der tatsächlichen oder potenziellen Autoabfackler nie mehr als zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Im Prinzip haben sich die Türken in ganz Deutschland zur mittigsten Randgruppe hochgearbeitet.

Das erfährt sogar der "Bild"-Leser, der seit Wochen tagtäglich auf Seite 3 mit einem türkischen Migrationsbeispiel beglückt wird. Allesamt Menschen, die in Sachen U-Bahn-Schlägerei, Familienehrenrettung oder Schulabbruch keinerlei Meriten erworben haben. Da wird sich natürlich ein Sarrazin jetzt denken: Wer ganz normal und vernünftig leben will, braucht eigentlich gar nicht erst Türke werden. Aber Identitätsprobleme können manchmal eben auch sehr merkwürdige Blüten treiben. Nicht auszudenken, wenn jetzt etliche Deutsche die türkische Staatsbürgerschaft anstrebten, weil sie a) noch nie im Polizeibericht aufgetaucht sind und b) gerade deswegen auch gerne in der "Bild"-Zeitung eine objektive Rezension ihrer Lebensleistung sehen würden.

Bananen mit Türken vergleichen

Einer der häufigsten Sätze, die in Kommentaren zum Thema 50 Jahre Türken in Deutschland zu lesen sind, lautet: Sie haben Deutschland verändert, und Deutschland hat sie verändert. Allein an diesem Satz ist zu erkennen, wie nah Pathos und Banalität einander sind. Denn gleiches lässt sich natürlich auch über Kiwis oder Bananen sagen. Wer mal eine Banane im Herkunftsland gegessen hat, wird das zugeben müssen. Und ganz frei von Pathos muss selbstverständlich festgestellt werden: Es war ein katastrophaler Fehler, die Türken überhaupt ins Land gelassen zu haben. Die Richtigkeit dieser Aussage resultiert aus dem Umstand, dass sie von Helmut Schmidt immer wieder gerne gebracht wird. Und wer, wenn nicht Altkanzler Schmidt weiß, wo der Hase im Pfeffer oder der Türke im Argen liegt? Schließlich lässt Schmidt im Gegensatz zum Vatikan permanent weißen Rauch aufsteigen, was schon sehr für eine endlose Weisheit spricht.

Was Schmidt dem Türken vor allem verübelt, ist die expansive Familiennachholerei zu Zeiten des Ölpreisschocks 1973. Statt selber heimzugehen nach ein paar Jahren, wie er es eigentlich ohnehin vorgehabt hatte, holte der Türke seine Verwandtschaft dutzendweise nach Deutschland. Folglich ergab sich eine völlig neue Bauernregel: Je weniger Öl auf dem Markt, umso mehr Türken in Deutschland. Der Umkehrschluss wiederum hat nie funktioniert. Im Gegenteil, der Türke bediente sich naiverweise der Hebelwirkung a la Merkel, um seinen Grundstock in Deutschland sauber auszuweiten.

Der Türke in der Politik und im Fußball

Die soziale Dimension wurde irgendwann schon erkannt. Irgendein bekannter Deutscher, es muss Willy Brandt oder Jupp Derwall gewesen sein, bekannte schließlich sinngemäß: Wir holten Arbeitskräfte, und es kamen Menschen. Allein daraus lässt sich schon ableiten: Der Mensch, gerade als Türke, ist vielleicht gar nicht so sehr als Arbeitskraft geeignet. Aus dieser Perspektive heraus mag man sich gar nicht mehr aufregen, dass der Anteil der Nichtarbeitenden unter den Türken deutlich höher ist als im Durchschnitt. Besonders Jupp Derwall muss es wohl so ergangen sein. Denn er wollte es dann wirklich wissen und arbeitete deshalb als Fußballtrainer in der Türkei. Was übrigens von Willy Brandt nicht behauptet werden kann.

Schon in den 70ern ließ sich relativ zielsicher vermuten: Wenn der Türke tatsächlich nur sekundär als Arbeitskraft in Frage kommt, würde es nicht allzu lange dauern, bis er es sich in der arbeitsfreien Welt bequem macht. Also im Sport oder in der Politik. Und siehe da: Wer heute mal einen Blick in diverse deutsche Parlamente und Nationalmannschaften riskiert, entdeckt Türken en masse. Die SPD hat sogar den Quotentürken zum Pflichtprogramm erklärt. Wer da nicht bei drei auf den Bäumen ist, sieht sich gleich als irgendein Vize in irgendeinem SPD-Gremium. Besonders prekär ist die Situation bei den Grünen. Die machten einen Cem Özdemir gleich zum Parteichef, um dann die nächsten fünf Hierarchiestufen weitestgehend ausländerfrei gestalten zu können.

Beim DFB ist die Lage entspannter. In der Nationalmannschaft ist das Verhältnis zwischen Deutschen und Türken ausgewogen und entspricht auch in etwa dem gefühlten Türkenanteil im Volk. Wobei auch da ein Mesut Özil ganz bewusst nicht als Arbeiter, sondern als Denker und Lenker eingesetzt wird. Die defensive Drecksarbeit aber überlässt der Bundestrainer jeweils zwei Bayern und Afrikanern.

Auf die lange Distanz gesehen ist die Bilanz zwiespältig. Zuletzt Fußballweltmeister wurde Deutschland mit einer durchwegs deutschen Mannschaft. Aber der Döner hat der Currywurst den Rang abgelaufen. Im Großen und Ganzen steht es also unentschieden. Mal schauen, was die Verlängerung bringt.