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Und jetzt ... Django Asül Drachmen statt Dramen


Griechenland ist wieder flüssig. Zumindest für die nächsten vier Tage. Die Milliarden kommen von Bürgern, die die EU nie wollten, für Hilfen, die eigentlich gar keine sind. Statt dieser Dramen sollte es besser wieder die Drachme geben.

Griechenland ist wieder auf der Spur. Eine Pleite ist kein Thema. Zumindest die nächsten vier Werktage nicht. Und Geld gibt es auch wieder reichlich. Von der EU, IWF und ähnlich gelagerten Wohlfahrtsorganisationen, die nicht nur Europa und den Rest der Welt, sondern auch schon benachbarte Sonnensysteme in monetäre Geiselhaft nehmen, um Griechenland Schmerzen ohne Ende zu bescheren statt ein Ende mit Schmerzen. Und die Europäische Zentralbank mischt natürlich auch gerne mit.

Deren Chef ist Jean-Claude Trichet, seines Zeichens Finanzexperte aus Frankreich. Also eine Art Strauss-Kahn mit Anstand auf zwischenmenschlichem Gebiet. In Sachen Geld ist sein Prinzip hinlänglich bekannt: Nach mir die Sintflut. Er ist nur noch bis Ende Oktober im Amt. Bis dahin versucht er, Griechenland am Leben zu erhalten. Und ein paar Wochen später wird er stolz erzählen, dass die Pleite Griechenlands erst nach seiner Amtszeit nicht nur buchhalterisch, sondern auch formal endgültig besiegelt wurde.

Doof wäre es, Griechenland jetzt hopps gehen zu lassen

Der Name Trichet bedeutet umgangssprachlich in etwa Trichinenverkäufer. Trichinen, das sind Fadenwürmer, die sich in erster Linie parasitär betätigen und gesunden Strukturen das Leben schwer machen. Wenn das mal nicht der Wink mit dem Donnerbalken ist! Da ahnt der geneigte Beobachter schon, dass die EZB der halblegale Finanzflügel einer viertellegalen Organisation namens EU ist.

Und wer das aktuelle Treiben von EU, EZB und IWF ansieht, erkennt schon mal einen gravierenden Unterschied zwischen taktisch doof und deppert. Taktisch doof wäre es, Griechenland jetzt schon hopps gehen zu lassen. Bald sind Ferien, das Wetter passt, und Merkel hat sowieso Bock auf gar nichts mehr. Was soll da eine Aktion, die einen noch weiter runterzieht? Deppert hingegen wäre es, wenn die Verantwortlichen eigenes Geld nach Athen schicken würden. Stattdessen nimmt man das Geld von Bürgern, die diese EU nie wollten, und macht daraus Hilfen, die eigentlich gar keine sind. Im Prinzip setzen die Junckers, Trichets und Strauss-Kähne dieser Welt einem Junkie die Überdosis. Ein überschuldetes Land wird quasi überüberschuldet. Vielleicht passt in diesem Zusammenhang der Ausdruck supraschuldet noch besser.

Mit Udo Jürgens fassweise griechischen Wein gesoffen

Wenn das Geld beim griechischen Bürger ankommen würde, damit der sich was zu essen kaufen kann, wäre das eine gelungene Aktion. Um nicht zu sagen eine Segenstat. Aber das Geld verschwindet in schwarzen Löchern. Das wurmt natürlich den Griechen. Denn der soll sparen und darben, damit noch mehr Geld in noch größeren schwarzen Löchern verschwinden kann.

Damit ist eigentlich niemandem so recht geholfen. Und der Grieche denkt sich: Da hat man kein einziges Atomkraftwerk und keine einzige Killergurke auf griechischem Boden zugelassen, mit Udo Jürgens fassweise griechischen Wein gesoffen und von Demis Roussos über Nana Mouskouri sämtliche Ruhestörer vor Jahrzehnten außer Landes geschafft. Und dennoch gilt man als Übel des Jahrhunderts. Zudem haben EU, EZB und IWF sogenannte Experten nach Griechenland geschickt, um sich vor Ort ein Bild zu machen von den Sparanstrengungen. Quasi Schliemanns fiskalische Erben. Die werden keinen Stein auf dem anderen lassen und am Ende erstaunt feststellen: Als Griechenland noch nicht zur EU gehörte, konnte es zwar passieren, dass Odysseus Probleme mit dem Navigationssystem hatte und Feierabendpoeten wie Hesiod oder Homer die deutschen Pauschalurlauber mit Endlosreimen nervten. Aber ansonsten war es doch sehr kommod.

Europa war mal der Hort der Aufklärung

Es besteht also Hoffnung für Griechenland, solange nicht irgendwann die Fifa die Finanzhoheit auf diesem Planeten übernimmt. Man muss einfach nur zurück zu den Wurzeln. Drachmen statt Dramen, das ist die Losung für die Zukunft. Mit einer eigenen Währung, egal wie stark oder schwach sie sein mag, pflegt ein Land ein ganz anderes Selbstverständnis und hängt sich dementsprechend rein. Das ist zwar eher sentimental statt rational. Aber es braucht einfach mehr positive Emotionen in diesem Konstrukt namens Europa, das mehr und mehr wie eine Schnapsidee von Monty Python anmutet.

Europa war mal der Hort der Aufklärung und hält sich heute am Leben, weil die politische Führung Aufklärung weitestgehend einzudämmen versucht. Ideal scheint nur noch der Verrat an den eigenen Idealen. Allein diese Entwicklung innerhalb der EU-Politiker ist schon Stoff für eine griechische Tragödie. Und wenn griechische Finanzminister über Jahre hinweg ihre Bilanzen türken, beweist das endgültig: Aus der Erbfeindschaft Griechenland-Türkei ist längst eine Erbfreundschaft geworden. Allein für diese Leistung hat Griechenland mindestens eine Pleite gut. Ohne Schattenwirtschaft wäre dieser Sprung über den eigenen Schatten unmöglich.


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