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Und jetzt ... Django Asül: Gebt RTL die Gorch Fock!

Das Dschungelcamp ist geradezu öde im Vergleich mit dem Alltag auf der Gorch Fock. Deshalb gibt es nur eine Lösung: RTL muss den Kahn übernehmen. Sonst tut es Frau Sarrazin.

Eine satirische Segelei mit Django Asül

Bevor noch mehr Halb- bis Viertelwahrheiten zu diesem heiklen Thema ins Unkraut schießen, sei zu allererst eindeutigst festgehalten: Ursula Sarrazin war zu keinem Zeitpunkt Ausbilderin auf der Gorch Fock. Und sie hat auch keinem einzigen migratiösen Kind angedroht, es auf die Gorch Fock zu schicken, falls es sich nicht von der Lehrerin anbrüllen und anpöbeln lassen will. Ebenso wenig hat es keine Versuche aus dem Verteidigungsministerium gegeben, Frau Sarrazin zur freiwilligen Beurlaubung zu überreden. Und dass die Frau des Verteidigungsministers das Vorwort für das sicherlich bald erscheinende Buch von Ursula Sarrazin schreiben will, ist bis dato zwar nicht dementiert, aber auch nicht zementiert.

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Der Marineführung nun Vorwürfe zu machen, entbehrt jeglicher moralischer und rechtlicher Grundlage. Die Gorch Fock ist ein gefechtsuntaugliches Segelschiff. Somit ist sie logischerweise für die Ausbildung von Marinesoldaten nicht geeignet. Von der Grundausstattung her ist sie eindeutig ein Partykutter. Eine Art Ballermann auf hoher See. Seit Jahrzehnten dient die Gorch Fock auch als Repräsentantin der Bundesrepublik in der großen, weiten Welt. Da wäre jedweder militärischer Bezug ohnehin verheerend für das Renommee Deutschlands. Überhaupt muss mal eine grundsätzliche Frage geklärt werden: Wieso war und ist dieses Schmuckstück von maritimer Baukunst der Marine unterstellt? Wäre die Gorch Fock bei einer Eventagentur oder bei RTL nicht besser aufgehoben? Schließlich hat sich erst dieser Tage herauskristallisiert, dass die sehr humanen und geschmacksintensiven Prüfungen im Dschungelcamp allesamt billige Kopien der üblichen Modalitäten auf der Gorch Fock sind.

Spätestens jetzt wird deutlich: Nicht der Verteidigungsminister oder der Wehrbeauftragte, sondern der Programmdirektor von RTL gerät immer mehr in die Abschusslinie. Wenn eine Ausbildung auf der Gorch Fock spektakulärer ist als jedes öde Einkasernieren von bemitleidenswerten Menschen, die ihre Zukunft längst hinter sich haben, hätte der Kultursender RTL eigentlich konsequenterweise das Original senden müssen. Damit hätte das Privat-TV nämlich dem ZDF zeigen können, was eine Harke ist. In Sachen Schiff-TV ist das Zweite der privaten Konkurrenz um mehrere Buglängen voraus. Das Traumschiff ist seit Jahrzehnten ein Anker der gehobenen Unterhaltung. Nicht von ungefähr ist ein gewisser Herr Rademann neuerdings wahrscheinlich stocksauer, weil das ZDF in ihn scheinbar größeres Vertrauen setzt als das Verteidigungsministerium. Mit Rademann als Autor wäre es nie und nimmer so exzessiv geworden auf der Gorch Fock. Aufgrund der Zuschauerstruktur des ZDF muss ein Rademann penibel darauf achten, schockierende Bilder zu vermeiden, weil ansonsten unweigerlich eine Herzinfarkt- und Empörungswelle über das Land schwappen würde.

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So sehr die soziale Kompetenz auf dem Segelschiff unterentwickelt ist, so sehr ist genau das die Stärke des ZDF-Traumschiffs. Natürlich waren zweideutige Avancen zu Zeiten von Sascha Hehn als Steward an der Tagesordnung. Aber es hatte nie diesen entwürdigenden und primitiven Touch. Nur deshalb konnte ihn ein Wussow später guten Gewissens in der Schwarzwaldklinik einsetzen. Nicht als Chefanimateur, sondern als Arzt. Und mit einer strahlenden Heide Keller verliert jede Ekelprüfung sowieso ihren Brechreiz. Aber um solche soliden Strukturen zu schaffen, müsste zunächst im Verteidigungsministerium für Ordnung gesorgt werden. Laut Gutachten gibt es im Bendler-Block nicht nur viel zu viele Leute, sondern auch noch eine Kultur des Aneinander-vorbei-Arbeitens. Wenn Guttenberg Transparenz und schnelle Fortschritte auf der Gorch Fock will, muss er allen Widerständen zum Trotz eine vernünftige Redaktion installieren und eine erfahrene Produktionsfirma engagieren. Als neuer Wehrbeauftragter kommt eigentlich nur Wolfgang Petersen in Frage. Petersen schuf nicht nur den Klassiker "Das Boot", sondern hatte auch all die Schauspieler im Griff. Diverse damalige Schwerstalkoholiker wie Semmelrogge wählten während der Dreharbeiten freiwillig die Abstinenz trotz schwerster Bombardements der Alliierten.

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Der Verteidigungsminister tut also gut daran, die Gorch Fock in Betrieb zu lassen. Und selbst wenn die negativen Tendenzen nicht zu beseitigen sein sollten, bleibt die Gorch Fock ein Botschafter des Friedens. Denn wer in bester Feierlaune bierselig um die Welt schippert, fängt auch keinen Krieg an. Sollte es die Truppe mit dem Feiern übertreiben, gibt es eben Benimmunterricht. Von Frau Sarrazin als Super-Nanny der Bundeswehr.

Django Asül live am 3. Februar in Oberstdorf, 4. Februar: Burgau, 5. Februar: Laichingen