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Geldverschwendung: Gorch-Fock-Desaster: Mitarbeiter von der Leyens verdreht entscheidende Information ins Gegenteil

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat schwerwiegende Versäumnisse bei der Sanierung der Gorch Fock eingeräumt. Sie sprach von einer "Kette von Fehlern", sogar ihr Staatssekretär habe ihr Informationen vorenthalten.

Die Kosten für die Sanierung der Gorch Fock stiegen von gepanten 9,6 Millionen auf bislang 135 Millionen Euro

Die Kosten für die Sanierung der Gorch Fock stiegen von gepanten 9,6 Millionen auf bislang 135 Millionen Euro

DPA

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat bei der Sanierung des Segelschulschiffs Gorch Fock eine "Kette an  Fehlern" in ihrem Ministerium eingeräumt. Die wahren Kosten seien Anfangs deutlich unterschätzt worden. Von der Leyen sagte, dass das Marinearsenal seinen Teil an Fehlern beigetragen habe, das Bundesamt für Ausrüstung in Koblenz und auch die verschiedenen Abteilungen im Verteidigungsministerium. "Da sind gemeinsam viele Fehler gemacht worden, in einem schwierigen Prozess", sagte die CDU-Politikerin in einem Interview mit dem NDR und dem ARD-Hauptstadtstudio.

Eine interne Untersuchung des Ministeriums hatte ergeben, dass ein leitender Mitarbeiter wichtige Aussagen aus einer zentralen Leitungsvorlage gestrichen hatte, bevor diese die Ministerin auf den Tisch bekam. Ursprünglich stand in der Vorlage die Empfehlung, die Arbeiten an der Gorch Fock abzubrechen und das Schiff neu zu bauen. Nach Streichung wurde daraus eine Empfehlung, die Sanierung fortzusetzen.

Jenny Böken war 2008 aus ungeklärten Gründen nachts von Bord des Segelschulschiffs gestürzt. Ihre Familie erhebt jetzt neue Vorwürfe gegen die Ermittler, die von einem Unfalltod ausgegangen waren und die Akten 2009 geschlossen hatten. 

Staatssekretär Zimmer hielt von der Leyen Informationen vor

Der fragliche leitende Mitarbeiter ist Benedikt Zimmer und heute Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Auf die Frage, ob sie sich getäuscht fühle und was der Staatssekretär dazu zu sagen habe, sagte von der Leyen, es sei nicht fair, so ein großes, komplexes Verfahren ausschließlich einem einzigen Menschen anzulasten. Insgesamt stellte sie sich vor ihre Mitarbeiter: "Ich habe immer die politische Verantwortung für alles, was in der Bundeswehr passiert".

Die Verteidigungsministerin bestätigte zudem weitere kritischen Aussagen des Bundesrechnungshof-Berichts zum dem Fall. "Genau so wie es dargestellt worden ist, sind die Dinge auch gewesen. Da gibt es nichts dran zu beschönigen, aber da gibt es auch nichts dran zu geheimnissen." Dem Bericht der Prüfer zufolge, fehlte es zu Beginn an einer umfassenden Untersuchung des Segelschulschiffs und einer vernünftigen Planung. Die Prüfer waren es auch, die ursprünglich das Vorenthalten von Informationen an von der Leyen scharf kritisierten. 

Die Ministerin verwies in dem Interview auf die jüngsten Maßnahmen, die einen weiteren Fall Gorch Fock künftig ausschließen sollen. Das Ministerium habe eine Abteilung eingerichtet, die verantwortlich für Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen sei: "Auf Seiten der Bundeswehr haben wir  jetzt alle Voraussetzungen geschaffen, damit die Gorch Fock auch wieder hochseetauglich werden kann", sagte von der Leyen.

Kosten stiegen von 9,6 auf 135 Millionen Euro

Ursprünglich war das Segelschulschiff Gorch Fock 2015 für kleinere Reparatur- und Inspektionsarbeiten in die Elsflether Werft gekommen. Die kalkulierten Kosten lagen damals bei 9,6 Millionen Euro. Mittlerweile liegen sie bei 135 Millionen Euro.Die Arbeiten stocken, da die Elsflether Werft Insolvenz anmelden musste. Gemeinsam mit der Werft arbeitet das Verteidigungsministerium an Plänen, die Reparaturarbeiten fortzusetzen. 

Nach Angaben der neuen Werftleitung seien insgesamt etwa 16 Millionen Euro in das Firmennetzwerk geflossen. Der heutige Generalbevollmächtigte der Elsflether Werft, Tobias Brinkmann, wirft  den ehemaligen Managern persönliche Bereicherung vor.

Quelle: NDR

tis