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Wertvolles Tropenholz: Teakholz-Böden für 3,5 Millionen Euro: Die "Gorch Fock" sollte eine Sonderausstattung erhalten

Die "Gorch Fock" verschwindet nicht aus den Schlagzeilen. Ein Medienbericht legt nahe, dass auf Deck und in den Matrosenkabinen Teakholz-Böden verlegt werden sollten. Kostenpunkt: 3,5 Millionen Euro.

Gorch Fock

Ob die "Gorch Fock" auch in Zukunft noch die Weltmeere bereist, ist momentan unklar

Die schlechten Nachrichten über die "Gorch Fock" reißen nicht ab. Die Sanierungskosten für das Segelschulschiff der Deutschen Marine sind von zehn auf 135 Millionen Euro in die Höhe geschnellt. Die zuständige Werft hat Insolvenz angemeldet. Nun kommt auch noch heraus, dass der Dreimaster Decks aus Teak bekommen sollte. Das wertvolle Tropenholz sollte nicht nur auf dem Oberdeck verbaut werden, auch in den Kadettenräumen. Das berichtet die Tageszeitung "Die Welt“ unter Berufung auf interne Unterlagen.

Böden aus Teakholz statt aus Kork

Teakholz eignet sich im Schiffbau vor allem deshalb so gut, da es als langlebig gilt, nicht splittert und selbst Salzwasser und Luftfeuchtigkeit widersteht. Decks aus dem Tropenholz sind zudem fast rutschfest. Insofern ist der Verbau auf dem Oberdeck sinnvoll. "Die Welt“ zitiert nun aus Dokumenten der Elsflether Werft, die das Schiffes repariert: Eine Übersicht veranschlage die Kosten für einen Teak-Boden in einem 77 Quadratmeter großen Kadettenwohnraum auf  299.718,62 Euro. In den Werftunterlagen stehe zudem ein Buchungsposten von 584.103,21 Euro für zwei weitere Bereiche. Für 301.294,47 Euro soll ein 80 Quadratmeter großer Mehrzweckraum mit Teakholz gedielt werden.

Insgesamt belaufe sich der Kostenrahmen für die Teakholz-Planken auf 3,5 Millionen Euro. Die Böden in den Kadettenräumen verschlingen alleine schon eine Millionen Euro, will "Die Welt“ erfahren haben. Besonders pikant: Zunächst sei dort ein kostengünstiger Korkmischbelag geplant gewesen. Im Mai 2017 erfolgte dann der Auftrag, die Decks aus Teak anzulegen. Unklar bleibe allerdings, ob diese Summe an die Werft überwiesen wurde.

Das Tropenholz stammt aus dem Urwald Myanmar

Es steht allerdings nicht nur die Frage im Raum, warum das Beschaffungsamt und das Marine-Arsenal diese Ausstattung genehmigten. Auch die Herkunft des Holzes sorgt für Ärger. Bereits im September 2018 berichtete das TV-Magazin "Report Mainz", dass bei der Generalüberholung Tropenholz aus Myanmar verbaut werde.

Das Verteidigungsministerium sagte zunächst, es habe sich um nachhaltig erzeugtes Plantagenholz gehandelt. Dann räumte das Haus ein, das Teak sei 2017 wahrscheinlich illegal importiert worden: "Erst im Nachgang der Beschaffung wurde dem BMVg bekannt, dass ein Holz-Import von Myanmar-Teak vor dem Hintergrund der EU-Holzhandelsverordnung zur Zeit rechtskonform kaum möglich ist." Einen Rückzieher machte das Verteidigungsministerium nicht und hielt am Edelholz fest.

Seit 2016 liegt die "Gorch Fock" im Trockendock

Der Kosten-Skandal ist auch Thema im Bundestag. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen muss dann Rede und Antwort stehen wie es mit der "Gorch Fock“ weitergehen soll. Der Bundesrechnungshof wartet wegen der ausufernden Kosten bis April auf eine Antwort. Thema dürft dann auch die Sonderausstattung sein.

Das Schiff liegt seit 2016 in der Elsflether Werft im niedersächsischen Landkreis Wesermarsch und wird überholt. Es steht allerdings in den Sternen, ob die Niedersachsen das Schiff auf Vordermann bringen können. Am Mittwoch platzte die Nachricht hinein, dass die Elsflether Werft Insolvenz angemeldet hat. Das ARD-Hauptstadtstudio berichtete schon im Vorfeld darüber, dass die Werft Außenstände in zweistelliger Millionenhöhe habe. Mehrere Subunternehmer hätten seit mehreren Monaten kein Geld erhalten. Es steht also in den Sternen, ob die Niedersachsen das Schiff auf Vordermann bringen können.

Quellen: "Die Welt", Report Mainz, "Ostsee-Zeitung"

Jenny Böken war 2008 aus ungeklärten Gründen nachts von Bord des Segelschulschiffs gestürzt. Ihre Familie erhebt jetzt neue Vorwürfe gegen die Ermittler, die von einem Unfalltod ausgegangen waren und die Akten 2009 geschlossen hatten. 
sos