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Und jetzt ... Django Asül Guido, bitte geh nicht!


Er war im Big-Brother-Container, er hat sich mit Kapital-Maos und Human-Rights-Putins verbrüdert - Westerwelle ist Avantgarde. Er sollte bleiben.
Ein satirisches Plädoyer von Django Asül

Westerwelle muss Parteichef bleiben. Das mag jetzt angesichts des Erscheinungsdatums dieses Textes wie ein Aprilscherz klingen. Mit seinem sympathischen Wesen mag sich Westerwelle allerhand verdient haben in seinen zehn Jahren als Bundesvorsitzender der Liberalen und paar Minuten als Außenminister. Verbale Dresche, Unverständnis, Angela Merkel als Chefin. Aber definitiv keine Abberufung.

Echte Kerle werden immer seltener in der Politik. Da muss man nicht auch noch Guido zum Sündendromedar umfunktionieren. Wenn schon keine Lanze, so sollte für ihn mal ein Zahnstocher gebrochen werden. Denn der Westerwelleschen Errungenschaften sind nicht wenige.

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So hat er Deutschland unlängst in der Libyen-Frage endlich auf Augenhöhe mit Weltmächten wie China und Russland gebracht.

Während Merkel von Tag zu Tag wankelmütiger und deshalb außenpolitisch immer mehr ignoriert wird, sehen die Kapital-Maos und Human-Rights-Putins dieser Welt in Außen-Guido einen verlässlichen Partner. Wenigstens das Außenministerium wollen ihm seine Parteifreunde deshalb lassen.

Auf dem diplomatischen Parkett hat er Deutschland deutlich nach vorne gebracht. Er verbreitet überall gute Stimmung. Und wenn es darauf ankommt, kann er auch mal die Klappe halten und die großen Entscheidungen den wirklich wichtigen Ländern überlassen. Damit straft Westerwelle all jene Lügen, die ihm Geltungssucht und rücksichtslose Egomanie unterstellen.

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Nebenbei hat er der FDP endlich ein kantiges Profil verschafft. In den letzten Jahrzehnten dachte doch jedermann beim Stichwort FDP nur an die Ohren und den gelben Pullunder von Genscher. Und vielleicht noch an Fallschirmfreaks wie Niebel und Möllemann.

Westerwelles Bemühungen, der Partei eine schlüssige Programmatik zu verpassen, war somit ein großes Novum für die Partei. Er war auch nicht um so manch philosophischen Querschläger verlegen, um die FDP zur Volkspartei umzugestalten.

Er ging in den Big-Brother-Container und hat damit dem intellektuellen Prekariat die FDP näher gebracht. Und hat als Überbau die Prinzipienlosigkeit zum Prinzip erklärt. Nebenbei hat er Merkel binnen weniger Monate beigebracht, dass Augenmaß und Vernunft in der Politik nichts verloren haben, wenn es um den Machterhalt geht.

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Die FDP war bis zuletzt sehr bestrebt, von Guido zu lernen. In Sachen Atom präsentiert die Partei nicht verkrusteten Dogmatismus a la Grüne, sondern geschmeidige Flexibilität. Wenn es um das Überleben geht, pfeift die FDP auf bestehende Verträge und Gesetze wie so manch eine Lichtgestalt auf Ehrlichkeit.

Die FDP sollte sich ganz genau überlegen, ob sie wirklich ohne Westerwelle weitermachen will. Vielleicht unterschätzt sie die Tragweite dieser Entscheidung beziehungsweise die psychosomatische Dimension. Kaum will die FDP ihren Chef in die Knie zwingen, reißt bei Merkel der Meniskus und zwingt sie an die Krücken. Dass die Regierung kopflos ist, akzeptiert der Bürger. Rumhampeln ist genehmigt. Rumhumpeln nicht.

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Ungeklärt ist vor allem auch die Nachfolgefrage. Brüderle hat sich atomisiert. Generalsekretär Lindner ist erst 14 und damit noch zu jung. Und die anderen sind entweder zu alt oder zu doppelnamig.

Rösler mag eventuell noch als pragmatische Lösung erscheinen. Wer so souverän eine Gesundheitsreform in den Sand setzt wie er, schafft es auch, die FDP dauerhaft unterhalb der 5-Prozent-Marke zu halten. Er stünde auch für Weltoffenheit in der Partei. Wird er doch gerade in den konservativeren Unionskreisen immer noch eher als chinesischer Pharmahandelsattaché denn als Minister wahrgenommen.

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Aber eine FDP ohne Guido als Boss ist irgendwie keine FDP mehr. Darum wird er hoffentlich nicht kampflos hinschmeißen. Für Westerwelle gibt es eigentlich nur noch eine Chance, um Vorsitzender bleiben zu können: Ein extremer Strategiewechsel der FDP. Nur wenn sich die FDP komplett aus der Politik zurückzieht und ihr Dasein neu justiert, hat sie einen Westerwelle als Chef verdient.

Neuesten Umfragen zufolge trauen 76 Prozent der FDP eine tragende Rolle als Eventagentur zu. Und 23 Prozent waren der Meinung, die FDP sei seit jeher ein Veranstaltungsbüro, das den Masterplan für die verstörend dadaistische Außendarstellung von Angela Merkel kreiert hat. Warum nicht die Gelegenheit nutzen und entsprechend umsatteln?

Es gibt also eine Zukunft. Sowohl für Westerwelle als auch für die FDP. Beide müssen lediglich mehr Mut beweisen, ihre Kernkompetenz Beliebigkeit offensiver zu Markte zu tragen.

Django Asül live am 5. bis 7. April in München/Lustspielhaus


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