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Und jetzt ... Django Asül: Wulff macht nicht den Griechen

Was haben Christian Wulff und Griechenland gemeinsam? Sie stecken beide in der Kreditklemme. Höchste Zeit, dass die Griechen Familie Geerkens kennenlernen.

Eine satirische Rückschau von Django Asül

Was ist bloß mit unseren Politikern los? Diese Frage stellte sich neulich eine der unzähligen und überflüssigen Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Im Fokus standen zwei Flüchtige: Der eine von der FDP flieht vor seiner Partei, der andere von der CDU gleich vorm ganzen Volk. Zum Rücktritt reichte es nur bei Ersterem. Wobei ein Rücktritt des Bundespräsidenten eigentlich per se verboten werden sollte. Schließlich ist er der oberste Repräsentant des Volkes. Und da das Volk nicht zurücktreten kann, sollte dieses Privileg auch nicht einem Staatsoberhaupt zuteil werden.

Die Erkenntnis der Woche dürfte sicherlich sein: Politiker sind auch nur Menschen. Das Problem beginnt immer dann, wenn ein hoher Politiker sich in seinen Entscheidungen nicht an betriebswirtschaftlichen Grundsätzen orientieren darf. Und zwar aus moralischen Gründen. Auf gut deutsch: Wenn es hart auf hart kommt, muss ein Bundespräsident in der Lage sein, unwirtschaftliche Entscheidungen zu fällen. Wenn aber Regierungen unwirtschaftlich agieren wie in Deutschland seit knapp einem halben Jahrhundert, kommt irgendwann blankes Entsetzen auf. Da müsste eigentlich eine Talkshow die Frage mal anders stellen: Was ist bloß mit so einem ökonomisch schizophrenen Volk los?

Spare, spare, Wulffs Häusle baue

Was wollte Wulff eigentlich? Ohne großes Tamtam eine halbe Million Euro. Für ein Haus. Das ist jetzt nicht gerade hochspekulativ im Vergleich zu dem Billionenspiel, das Merkel und Schäuble seit Monaten auf dem Rücken der Steuerzahler treiben. Der Hintergrund: eine Scheidung. Da geht schnell mal einiges den Jordan runter, weil die Ex-Frau sich dort ein neues Heim zugelegt hat. Ab da wird es sehr schnell eine Vertrauensfrage. Wulff brauchte 120 Prozent des Kaufpreises als Darlehen. Am besten ohne Sicherheiten. Bei einer Bank wäre er da auf wenig Gegenliebe gestoßen. Eigenkapital von 20 oder 30 Prozent ist nämlich Bedingung bei solchen Deals. Geld, das Wulff eben nicht hatte. Zudem hätte die Bank natürlich das Haus gerne als Sicherheit eingetragen.

In unsicheren Zeiten wäre Wulff also das Risiko des Totalverlustes eingegangen. Am Schluss könnte das Haus weg sein, die neue Frau sowieso, und bei alldem immer noch Flaute im Geldbeutel. Das sind wahrlich keine Perspektiven, die einen niedersächsischen Ministerpräsidenten in Ruhe regieren lassen. Dazu kommt noch der Zins: Das Privatdarlehen war mindestens ein Prozent günstiger als ein Bankdarlehen. Bei einer halben Million Basissumme macht das also grob gerechnet einen Haufen Geld aus. Und dieses Sparpotenzial darf ein Spitzenpolitiker in Deutschland nicht ausreizen. Der kategorische Imperativ lautet: Verschulde dich teurer als möglich, um das Gesicht zu wahren. Dieses Prinzip beherrschen südeuropäische Staaten in einer verstörend akribischen Perfektion. Das findet aber auch nicht überall Anklang.

Die Lösung: der Präsident leiht beim EFSF

Von Wulff aber wird verlangt, dass er auf privater Ebene den Papandreou gibt. Eine Entschuldigung scheint nicht genug. Dabei hat er für seine Verhältnisse sozusagen extremst bedauert. Sollte der Eindruck entstanden sein, dass der Privatkredit ein privat gewährter Kredit ist, wäre das bedauerlich. Außerdem hat Wulff angesichts der Bankenkrise, die ja zum Zeitpunkt der Kreditvergabe am Toben war, weise gehandelt: Ein Darlehen von einer Bank wäre riskant gewesen. Was, wenn die Bank Pleite gegangen wäre? Dann wäre Wulff mit einem Haufen Schulden dagestanden, ohne zu wissen, wie er je den Berg abtragen könnte. Da ist ein guter Freund, der mit Schrott und Schmuck Millionen verdient hat, weil er es vorzüglich verstand, aus Schrott Schmuck zu machen, die weitaus konservativere Geldquelle.

Dass das Geld nun doch von jenem Freund und nicht von seiner Frau stammte, ist nur bürokratischer Kleinkram und offenbart grässliche Klischees, die längst überwunden schienen: Die Frau als Strohfrau bei einem Deal ihres Mannes, weil die Frau als strohdoofes Wesen ja gar nicht eigenes Geld haben und somit auch nicht verleihen könne. Billiger geht es nicht. Beziehungsweise nur mit einem Privatkredit. Und selbst wenn das Geld faktisch wirklich vom Ehemann stammt: Wie wichtig ist denn faktisch? Faktisch ist beispielsweise die EU handlungsunfähig und Griechenland pleite. Und trotzdem gibt es beide noch. Also müssen Fakten nicht automatisch die Wirklichkeit widerspiegeln. Was kann man aus diesem Pseudoskandal nun lernen? Sollte Wulff wieder mal Geld brauchen, sollte er sich an den EFSF wenden. Im Gegensatz zu Griechenland und Italien wird Wulff das Geld garantiert zurückzahlen. Und für nette Leute wie Wulff haftet der Steuerzahler gerne.

Von diesem Status kann die FDP derzeit und auch in Zukunft nur träumen. Erst flüchtet der Generalsekretär. Dann kommt raus, dass der neue Generalsekretär schon vor Dienstantritt vom Unfallort geflüchtet ist. Aber wenn die FDP kein Unfall ist, was dann? Verständnis ist für beide angebracht. Lindner hatte es satt, einen dauergrinsenden Glückskeks als Parteichef ertragen und Nichtbotschaften als epochale Einwürfe tarnen zu müssen. Es ist ihm ohnehin hoch anzurechnen, dass er es mit siebzehn Jahren zum jüngsten Parteifunktionär aller Zeiten gebracht hat. Und wenn ein Döring es nicht für nötig befindet, wegen eines abgefahrenen Außenspiegels ein Riesenbuhei zu veranstalten, macht ihn das schon wieder sympathisch. Die FDP ist ja schon länger keine Partei mehr, sondern eine Selbsthilfegruppe junger Männer, die unter der fehlenden Zuneigung der Kanzlerin leiden. Am besten wäre, die FDP engagiert Wulff als Berater. Von Wulff lernen heißt, Kredit verspielen und trotzdem zufrieden sein. Denn Geld ist nun mal nicht alles. Selbst oder gerade wenn man Schulden hat.

Der Jahresrückblick von Django Asül live am 29. Dezember in Germering/Stadthalle und am 30. Dezember in Bamberg/Hegelsaal.