Unicef-Skandal Heidi Simonis wird weiter heftig kritisiert


Die Vertrauenskrise ist groß, jetzt soll das Image gerettet werden. Wegen der Untreue-Vorwürfe räumte die Unicef-Führung zwar eigene Versäumnisse ein, erklärte aber gleichzeitig die zurückgetretene Vorsitzende Heide Simonis zum "Problem". In Zukunft soll jedoch mehr Transparenz herrschen.

Fehlverhalten in der Krise um Untreue-Vorwürfe schrieb die Spitze von Unicef-Deutschland am Mittwoch in Berlin vor allem der Ex-Vorsitzenden Heide Simonis zu. Sogar vom "Problem Simonis" sprach Reinhard Schlagintweit, langjähriger Vorgänger und nun auch Nachfolger von Simonis. Als prominente Fürsprecherin neben dem 79-jährigen Ex-Diplomaten Schlagintweit war auch Unicef- Botschafterin Sabine Christiansen zur überfüllten Pressekonferenz geladen. "Trotz Fehlern und Krise hat Unicef diesen Vertrauensverlust nicht verdient", verteidigte sie die Organisation.

Das Motto der Pressekonferenz zur Schadensbegrenzung hieß: "Blick nach vorn". Natürlich habe man "Fehler begegangen", betonte auch Unifef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs, mit dem Simonis gar nicht zurechtgekommen war. Man verstehe, dass viele Spender jetzt verunsichert seien, doch man könne auch aus "Krisen lernen". Ja, die Krise treibe sogar die Reformen innerhalb der Organisation voran. Ein Sechs-Punkte-Programm wurde aufgestellt, das für mehr Transparenz sorgen soll.

Simonis wird mangelnder Willen vorgeworfen

Damit soll die Krise bewältigt werden. Schließlich hatte Schlagintweit vor allem zwei große Konflikte ausgemacht: erstens das "Problem Simonis", zweitens "das Problem der Vertrauenskrise". Der früheren Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein warf die derzeitige Unicef-Spitze "mangelnden Willen" vor, dem Kinderhilfswerk in der Krise zur Seite zu stehen. Man sei enttäuscht, dass die Krise nicht gemeinsam bewältigt wurde, bedauerte auch Sabine Christiansen.

Simonis teilte von Kiel aus mit: "Ich habe die Äußerungen des derzeitigen Vorsitzenden und des Geschäftsführers zur Kenntnis genommen, möchte darauf aber nicht antworten." In der "Frankfurter Rundschau" setzte sie sich dann doch zur Wehr. "Das Problem von Unicef ist auf jeden Fall nicht Simonis", sagte sie und setzte den Anschuldigungen entgegen: "Jetzt sollte sich jedes Vorstandsmitglied fragen, ob es auch persönliche Konsequenzen zieht." Geschäftsführer Garlichs hielt sie vor, er sei zwar "sehr engagiert", aber seine Arbeit sei "vielleicht doch von Sorglosigkeit, Unbekümmertheit, Großzügigkeit und Schlamperei gekennzeichnet".

Sabine Christiansen hatte zuvor auf Fragen, ob die Krise etwa von persönlichen Animositäten bestimmt sei, geantwortet: "Es geht hier nicht um ein Tribunal um Heide Simonis." Auch Schlagintweit bemühte sich um Glättung der Wogen. "Wir waren alle glücklich, Frau Simonis zu bekommen", sagte er. Unermüdlich sei ihr Engagement seit ihrer Wahl vor gut zwei Jahren gewesen. Selbst an ihrem Geburtstag habe sie gearbeitet, sagte Schlagintweit und erinnerte an Simonis' gemeinsame Reise mit Sabine Christiansen nach Afghanistan.

Christiansen will sich stärker engagieren

Christiansen versprach, sie wolle sich in Zukunft noch stärker engagieren. "Hier sind keine Spenden veruntreut worden", wies sie Verdächtigungen ab. An die Spender direkt gerichtet, sagte sie: "Ihr Geld hat zielgenau die Kinder und notleidenden Familien erreicht, die es erreichen soll." Unicef sei die "stärkste Stimme für Kinder". "Jetzt erst Recht", bekräftigte sie.

Der deutsche Spendenmarkt sei "so umkämpft wie kaum einer", betonte Schlagintweit. "Da geben alle mehr Geld aus, als sie sagen", fügte er hinzu. Da hatte er zusammen mit Garlichs bereits fast eine Stunde Auskunft über Verwaltungskosten, Provisionen sowie Fehler in der Kommunikation von Unicef gegeben.

Patricia Driese/DPA DPA

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