Union Nächsten Montag ist K-Day


Eine Woche lang will die Union mit der Entscheidung warten, die längst gefallen ist. Am 30. Mai wird Angela Merkel zur Kanzlerkandidatin ausgerufen - dabei würden die Deutschen lieber jemand anders als Herausforderer von Gerhard Schröder sehen.

Mehrere führende Unionspolitiker deuteten an, dass Merkel Spitzenkandidatin wird. "Wir wollen mit Angela Merkel in den Wahlkampf ziehen, und wir werden das sehr geschlossen und gemeinsam tun", sagte Hessens Ministerpräsident Roland Koch vor einer CDU-Präsidiumssitzung. Man habe zwar verabredet, dass die Entscheidung am kommenden Montag von den Präsidien beider Unionsparteien gefällt werde, doch sei dies eine "formale Entscheidung", so Koch. Auch sein niedersächsischer Kollege Christian Wulff sagte, es werde keine Überraschung in dieser Frage geben. Eigene Ambitionen habe er aber nicht, sagte Wulff, der in Umfragen derzeit der populärste deutsche Politiker ist.

Auch nach einer so genannten Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap, die die ARD am Sonntagabend hat durchführen lassen, liegt Wulff in der Beliebtheit vor Merkel. Könnten sich die Deutschen zwischen den beiden Kandidaten entscheiden, würden 32 Prozent Wulff ins Rennen gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder schicken und nur 28 Prozent Merkel. Auch innerhalb der Union liegt nach der Umfrage Wulff vor Merkel. Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber wollen nur 22 Prozent als Unions-Kanzlerkandidaten sehen.

Die offizielle Kandidaten-Kür ist auf einer gemeinsamen Sitzung der Präsidien von CDU und CSU am Montag, den 30. Mai geplant.

CSU-Chef Edmund Stoiber, der bei der Bundestagswahl 2002 gegen Schröder angetreten war und bis vor kurzem auf eine erneute Kanzlerkandidatur spekuliert hatte, will nach Angaben seiner Partei in einer unionsgeführten Bundesregierung einen exponierten Posten übernehmen. In der Union wird er als künftiger Superminister für Wirtschaft und Finanzen gehandelt.

Einem unionsinternem Streit will vor Stoiber zudem einen Riegel vorschieben. CDU und CSU würden "sehr geschlossen und sehr gemeinsam" in den Bundestagswahlkampf gehen, sagte er. CDU-Chefin Angela Merkel und er hätten den Zeitplan für die Wahl bereits "angepasst". Stoiber wird nach Angaben von Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann wahrscheinlich auf dem ersten Platz der CSU-Liste für den Bundestag kandidieren.

Beim designierten Koalitionspartner FDP wurden unterdessen kritische Stimmen zur programmatischen Reife der Union laut, die Regierung zu übernehmen. Fraktionschef Wolfgang Gerhardt warf den Unionsparteien vor, für eine Neuwahl noch nicht ausreichend aufgestellt zu sein. Das Programm sei bei der FDP in allen wichtigen Feldern klarer als bei CDU und CSU, sagte Gerhardt. "Die Union hat nicht die breite Arbeitsmarktreform beschlossen wie wir, die Union hat sich unendlich schwer getan, eine Gesundheitsreform überhaupt nur in Anfängen zu beschließen, und die Union hat auch die Merz’sche Steuerreform am Ende nicht beschlossen", bemängelte Gerhardt.

DPA/AP AP DPA

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