Veränderungen in Baden-Württemberg Nils Schmid zum neuen SPD-Parteichef gewählt


Nach der Urwahl von Nils Schmid zum neuen Landesparteichef hat die SPD in Baden-Württemberg ein Problem: Die Basis hat Schmids Mitbewerber Claus Schmiedel dermaßen abgemeiert, dass der 58-jährige Fraktionschef als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2011 praktisch nicht mehr in Frage kommt.

Nach der Urwahl von Nils Schmid zum neuen Landesparteichef hat die SPD in Baden-Württemberg ein Problem: Die Basis hat Schmids Mitbewerber Claus Schmiedel dermaßen abgemeiert, dass der 58-jährige Fraktionschef als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2011 praktisch nicht mehr in Frage kommt. Bisher galt der Haudegen Schmiedel immer als Ersatzbewerber, falls der in der SPD sehr populäre Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner endgültig abwinken würde. Bisher hat Gönner jegliche Ambitionen bestritten und beteuert, sein Platz bleibe in Ulm. Aber was dann?

Schmid kann sich kaum vorstellen, als Spitzenkandidat gegen den designierten Ministerpräsidenten und frischgebackenen CDU-Chef Stefan Mappus in die Wahlschlacht zu ziehen. "Den Stefan" kenne er seit langen Zeiten aus dem Landtag, sagt der 36-jährige Jurist aus Nürtingen. Mappus müsse aufpassen, dass er die CDU nicht in die "reaktionäre Ecke" führe. Eine Kampfansage hört sich anders an. Schmid fühlt sich dazu berufen, die SPD fit zu machen, damit die "Persönlichkeit, die am besten geeignet ist", auch Lust hat, in das Rennen einzusteigen. Gönner sei ein "toller Typ" aus dem "großen Talentschuppen" der SPD.

Das klare Ergebnis für den Finanzexperten wird von vielen in der SPD als Votum für Gönner als Spitzenkandidat gewertet. Auch die scheidende SPD-Vorsitzende Ute Vogt will keinen Fauxpas begehen und hält sich am Sonntag an die vereinbarte Linie, erst 2010 den Spitzenkandidaten festzulegen. Doch dann sagt sie mit Blick auf Gönner doch etwas, was viele denken: "Dass wir ihn alle sehr mögen, ist kein Geheimnis."

Die Frage ist nun, ob der Städtetagspräsident die Signale auch hört. Zuletzt konnte der 57-Jährige geradezu fuchtig werden, wenn ihn mal wieder jemand auf die Spitzenkandidatur ansprach. Möglicherweise will er die Entwicklung der SPD im Südwesten noch weiter abwarten, bevor er sich endlich entscheidet. Der über die Parteigrenzen hinaus anerkannte Ulmer Rathauschef wird in der SPD jedenfalls als "Geheimwaffe" gehandelt.

Freudig verweisen SPD-Strategen darauf, wie viele Wahlkampftermine der Oberbürgermeister wahrgenommen hat und wie stark er sich zuletzt immer wieder in landespolitische Themen eingemischt hat. Zuletzt griff er sogar in das Rennen um den Vorsitz ein, als die linke Bewerberin Hilde Mattheis das Bahnprojekt Stuttgart 21 plötzlich über Bord warf. "Das ist ein Tritt in den Hintern der Sozialdemokraten im Raum Stuttgart", polterte Gönner. Außerdem läuft sein Mandat als Städtetagspräsident Ende 2010 aus.

Mit Spannung warten nun viele Sozialdemokraten im Südwesten auf den Parteitag am 27. und 28. November in Karlsruhe und stellen sich die Frage: Wie reagiert Gönner auf Schmids Wahl? Der Fraktionsvize kostete am Sonntag noch seinen Sieg aus und ließ sich die Möglichkeit nicht entgehen, der CDU eins auszuwischen: Die habe Mappus ja eher gekrönt als gewählt, witzelte er.

DPA DPA

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