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Vor politischem Aschermittwoch: FDP kontert rachsüchtige Union

Schwarz-Gelb steht ein aufregender Aschermittwoch bevor. Nachdem CDU-Leute der FDP gedroht hatten, wehren sich die Liberalen, deren Parteichef sich seiner "Kämpfernatur" rühmt.

Der Testosteronspiegel bei Schwarz-Gelb ist hoch momentan. Am Sonntag zeigte die FDP bei der Nominierung von Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten Härte, am Montag keilten Unionsleute zurück - und am Dienstag schossen die Liberalen verbal wieder scharf. "Es ist gut, der Union gezeigt zu haben, dass wir nicht alles abnicken", sagte der Abgeordnete Frank Schäffler, der vor wenigen Monaten noch als Euro-Rebell der Parteiführung zugesetzt hatte, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Drohung mit einem Koalitionsbruch müsse man nicht ernst nehmen. "In Wahrheit ist Frau Merkel zur schwarz-gelben Koalition verdammt." Die Union habe keine wirklichen Alternativen. Auch andere Abgeordnete forderten ein klareres Profil der FDP gegenüber CDU und CSU.

FDP-Chef Philipp Rösler bescheinigte sich selbst unterdessen eine "Kämpfernatur". "Meine Art von Kämpfernatur äußert sich in Zähigkeit und Ausdauer. Wie man ja aktuell gesehen hat", sagte er dem "Straubinger Tagblatt". Seit Langem gibt es in der FDP Kritik, die Partei lasse sich zu sehr von der Union unterbuttern. Der jüngste Erfolg bei Gaucks Nominierung, die die Union zunächst abgelehnt hatte, gibt den Liberalen jetzt Aufwind. Dass einige Unionspolitiker mit Rachegelüsten am Montag unverhohlen gedroht hatten, man sehe sich immer zweimal, spornt die Liberalen offenbar noch mehr an. "Es geht nicht um eine härtere Gangart. Die FDP sollte aber wieder sie selbst sein und die eigenen Positionen in Regierungshandeln umsetzen", sagte der Abgeordnete Lars-Friedrich Lindemann. Sein Kollege Patrick Kurth ergänzte: "Die Union muss merken, dass wir nach wie vor ein ganz gewichtiger Teil der Koalition sind und nicht der Arbeitskreis Wirtschaft der CDU/CSU-Fraktion". Etliche Unionspolitiker würden wohl jetzt "einen Lernprozess" durchmachen.

Erst Seehofer, dann Rösler

Bereits am Montag hatte Schleswig-Holsteins FDP-Frontmann Wolfgang Kubicki, stets ein Freund klarer Worte, neues liberales Selbstbewusstsein demonstiert. "Die Union hat in der Bundesversammlung keine eigene Mehrheit. Und im Bundestag gibt es auch keinen anderen Partner als die FDP. Die Koalition wegen der Präsidentenfrage zerbrechen zu lassen, hätte die Union nicht überlebt. Denn ihr wäre das Thema im Wahlkampf auf die Füße gefallen", sagte Kubicki im Interview mit stern.de.

Deutschland steht also ein amüsanter und aufregender politischer Aschermittwoch bevor. Besonders nach Dingolfing gilt es zu blicken. Dort, in der bayerischen Provinz, spricht um 11 Uhr Kämpfernatur Rösler. Bereits um 10 Uhr war dann in Passau Altministerpräsident Edmund Stoiber an der Reihe. Der Konter scheint den Liberalen ja seit neuestem zu liegen - und der Aschermittwoch war schon immer der Tag der politischen Abrechnung.

Dass die FDP mit ihrem Festlegen auf Gauck in Volkes Namen handelte, wurde in einer am Montag geführten stern-Umfrage klar. Danach befürworteten rund zwei Drittel der Befragten seine Kandidatur.

ben/Reuters / Reuters