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Warnschussarrest für jugendliche Straftäter Kontaktbörse Knast


Wie ein Mann steht die Regierung hinter dem Warnschussarrest - obwohl ihn Richter, Pädagogen und Kriminologen für sinnlos halten. Was also soll der Unfug?
Ein Kommentar von Anieke Walter

In der Regierungskoalition jagt ein Streit den nächsten: Das umstrittene Betreuungsgeld, das eigentlich nur die CSU will, der Zwist zwischen FDP und Union um die Vorratsdatenspeicherung, die Endlos-Diskussion über das gerade auf den Weg gebrachte Steuerabkommen mit der Schweiz.

Aber es gibt ein Gesetzesvorhaben in der schwarz-gelben Koalition, das alle Beteiligten abnicken können - den Warnschussarrest für jugendliche Straftäter. Das ist die "Law and Order"-Keule, die Konservative gerne mal schwingen. Die Rechtfertigung dafür liefern die brutalen Übergriffe im Alltag, die Videoaufnahmen von Jugendlichen, die auf wehrlose Opfer an den Bansteigen eindreschen. Was tun mit den Tätern? Wegsperren, abschrecken, Denkzettel verpassen, sagt die Koalition. Das ist einfach - und falsch.

Keine Verhaltensänderung

Ein Jugendlicher kommt nicht als neuer Mensch aus einem Arrest. Wie auch? Im Knast sitzen die jungen Straftäter auf einem Haufen. Zu erwarten, dass sie gemeinsam über ihr Leben und ihre Verbrechen nachdenken, ist ziemlich naiv - und gefährlich, denn wahrscheinlich tun sie das Gegenteil. Das Gefängnis ist die beste Kontaktbörse für Berufskriminelle und solche, die es noch werden wollen. Kein Wunder, dass die Rückfallquote der Insassen von Jugendgefängnissen bei etwa 69 Prozent liegt. Kriminologen, Pädagogen und Richter warnen vor dieser negativen Wirkung schon seit langem. Weder dem Jugendlichen noch der Gesellschaft ist damit geholfen, wenn sich kriminelle Karrieren im Knast verfestigen. Eine abschreckende Wirkung scheint der Jugendarrest jedenfalls nicht ausreichend zu entfalten.

Um eine wirkliche Verhaltensänderung zu erzielen, muss der Jugendliche sich mit seinen Taten auseinandersetzen - und zwar unter Anleitung. Dafür gibt es verschiedene Anlaufstellen: das soziale Training, der Täter-Opfer-Ausgleich oder die Bewährungshilfe. Das hat nichts mit Wattebauschpädagogik zu tun, sondern ist harte Arbeit für den jungen Straftäter. Die Umgangsformen im Knast kennt er: Gewalt und Ablehnung. Sich mit sich selbst zu beschäftigen, seine Taten zu hinterfragen und andauernd einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, ist eine neue Erfahrung und kostet viel Kraft.

Konservative bedienen

Eine Garantie dafür, dass ein Jugendlicher nicht mehr straffällig wird, liefert die Therapie nicht. Aber Jugendliche sinnlos in den Knast zu stecken, damit die Koalition ihre konservativen Wählergruppen binden kann, ist auch keine Lösung. Das ist verantwortungslose Politik.


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