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"National Prayer Breakfast": Kaffee- und Kuchen-Veranstaltung mit Donald Trump – die AfD ist auch eingeladen

Wenn namhafte Politiker über Gott und die Welt reden wollen, gehen sie zum "National Prayer Breakfast" in Washington. Nur auf Einladung darf man teilnehmen. Bei der überparteilichen und religiösen Kontaktbörse gibt es Kaffee, Kuchen – und jede Menge Kontakte zu knüpfen.

"National Prayer Breakfast": Auf Kaffee und Kuchen mit Donald Trump – und die AfD ist auch dabei

Frühstücken mit US-Präsident Donald Trump (r.) - das ist beim "National Prayer Breakfast" theoretisch möglich. Wie etwa für den TV-Produzenten Mark Burnett (l.) im vergangen Jahr.

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Es ist eine exklusive Veranstaltung, zu der es einer persönlichen Einladung bedarf, der US-Präsident Donald Trump ist dabei und vermutlich viele weitere hochrangige Politiker: Das "National Prayer Breakfast", das nationale Gebetsfrühstück, findet seit 1953 statt. Rund 3000 Teilnehmer aus über 100 Länder reisen jedes Jahr zu der religiösen Kontaktbörse in der US-Hauptstadt. Auch eine Delegation aus Bundestagsabgeordneten wird am 8. Februar an der Veranstaltung im "Hilton"-Hotel teilnehmen. Angeführt wird die Delegation vom ehemaligen SPD-Staatssekretär Thilo Braune. Die AfD hat ebenfalls vorab kommuniziert, wer teilnimmt. Volker Münz, Abgeordneter der AfD, darf in die USA reisen.

Auf ein Frühstücksei mit Donald Trump 

Donald Trump hat vergangenes Jahr zum ersten Mal auf der Veranstaltung gesprochen. Er reiht sich damit in eine lange Reihe von US-Präsidenten als Redner ein, die bis ins Jahr 1953 zurückgeht. Damals machte Dwight D. Eisenhower, der 34. Präsident der Vereinigten Staaten, das Gebetsfrühstück zu einer präsidialen Institution. Beim 65. "National Prayer Breakfast" im vergangen Jahr sprach Trump rund 20 Minuten zu seinen Gästen, bedankte sich gebetsmühlenartig bei seinen Mitstreitern im Kampf gegen Ungleichheit und Terror und beschwor die Religionsgemeinschaft. Betonte aber auch: "Wir haben das großzügigste Einwanderungssystem der Welt" – aber leider Gottes Menschen, die dieses ausnutzen würden. Das war im Februar 2017. Seine anschließenden Maßnahmen machten als "Muslim Ban" Schlagzeilen, mehrmals wollte der US-Präsident die Einreise aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern in die USA durch willkürliche Einreisestopps verhindern. Davon war bei seiner Rede noch nichts zu hören: "Wir sind alle vereint durch unseren Glauben", sagte Trump, "in Gottes Augen sind wir alle gleich."

Volker Münz von der AfD sagt, er freue sich auf das Frühstück und erhoffe sich "wertvolle Gespräche und Kontakte mit interessanten Persönlichkeiten aus den USA und aus den eingeladenen Delegationen." Trump würde er danken für die Einladung zum Gebetsfrühstück. "Außerdem würde ich ihm sagen, dass er – bei allem Verständnis dafür, dass ein Regierungschef zu allererst an das Wohl des eigenen Volkes im Blick haben muss – eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA und Deutschland nicht aus dem Blick verlieren sollte."

Diese Partnerschaft sucht offenbar auch der US-Kongress, der das "National Prayer Breakfast" gemeinsam mit der christlichen NGO "The Fellowship Foundation" veranstaltet. Denn nicht jeder Politiker oder Prominente darf an dem Treffen teilnehmen. Nur wer persönlich eingeladen wird, ist bei dem Gebetsfrühstück dabei. Das berichtet ein früherer Teilnehmer der Veranstaltung dem stern. Auch Münz hat eine Einladung vom Gebetsfrühstück-Kommittee des US-Kongresses erhalten. "Weil ich kirchenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bin", wie er sagt, und sich etwa im Kirchengemeinderat und der Bezirkssynode seiner evangelischen Kirche einsetze. Insgesamt werden acht Bundestagsabgeordnete zu dem "National Prayer Breakfast" anreisen. Auch die Union schickt offenbar einen Abgeordneten zu dem Gebetsfrühstück, einen Namen wollte man dem stern auf Nachfrage aber nicht nennen.

"Es entstehen menschliche und politische Freundschaften"

Das US-Gebetsfrühstück bietet neben Brötchen, Toast, Ei und Orangensaft vor allem eines: Privatsphäre. Das berichtet ein ehemaliger Teilnehmer dem stern. Zwar wird der offizielle Teil auch im US-Fernsehen übertragen, allerdings sei man abseits der Veranstaltung eher unter sich. "Es entstehen menschliche und politische Freundschaften, die sehr wichtig sind", heißt es. Dabei spiele die Parteilichkeit keine Rolle, im Mittelpunkt stehe für viele Anwesenden die christliche Prägung – aber auch Vertreter anderer Weltreligionen sind vor Ort. "Netzwerken ist mit dem Frühstück verbunden", berichtet der Vertraute dem stern, "aber auf der Grundlage, dass man mit Gott verbunden ist."

Wie politisch ist die Veranstaltung? Offiziell: kaum. Inoffiziell: durchaus. Es finden täglich Mittag- und Abendessen statt, man verabredet sich. Auch die Bundestagsdelegation hat bereits einige Termine festgezurrt. 

So habe die Stiftung für Grundwerte und Völkerverständigung, dessen Vorsitzender der Delegationsleiter Thilo Braune ist, und die Deutsche Botschaft ein Besuchsprogramm erstellt. 

  • Dienstag, 6.2.: Begrüßung durch David Beasley, Executive Director des World Food Programms und Ex-Gouverneur von South Carolina.
  • Mittwoch, 7.2.: Eine "Begegnung mit der ungarischen Delegation", eine Stadtrundfahrt durch Washington und eine Besichtigung des Weißen Hauses.
  • Donnerstag, 8.2.: Das Gebetsfrühstück am Vormittag, bei dem auch US-Präsident Donald Trump anwesend sein wird. Am Nachmittag sei eine Besichtigung des Kapitols geplant. 
  • Freitag, 9.2.: "Gespräche mit Vertretern politischer Stiftungen".

Ein ehemaliger Teilnehmer schwärmt, dass "Parteien zueinander finden" - auch, wenn diese eigentlich wenig miteinander zutun haben. Außer dem gemeinsamen Nenner: Gott und Glaube. Für viele der Anwesenden dürfte dieser Aspekt des Gebetsfrühstücks ein entscheidender sein, immerhin könne man so "bewusst Kontakte knüpfen". Und das unter weitestgehend inoffiziellem Deckmantel - im Mittelpunkt steht der Glauben.

Mit Donald Trump bei einem Frühstücksei über Gott und die Welt zu reden, ist aber unwahrscheinlich: Dem Vernehmen nach verlässt der US-Präsident die Veranstaltung nach seiner Rede wieder. Aber es sind auch andere hochrangige Politiker anwesend. Über das "National Prayer Breakfast" von 2010, als Barack Obama noch US-Präsident war, seien laut "NZZ" etwa Vizepräsident Joe Biden, Außenministerin Hillary Clinton (die seit 1993 noch keines der Gebetsfrühstücke verpasst habe) und der spanische Ministerpräsident José Luis Zapatero angereist. Mit anderen Worten: "Wenn man bestimmte Kontakte finden und knöpfen möchte, findet man diese schnell", sagt ein ehemaliger Teilnehmer dem stern.