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Widerstand gegen Castor-Transport Buntes Katz- und Mausspiel mit Bauernschläue


Die Proteste im Wendland gegen den Castortransport nach Gorleben sind traditionell bunt und alles andere als dröge. Trotz des ernsten Themas wird die Sitzblockade oft zu einem großen Happening.

Wenn am "Tag X" der Castor-Transport aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins Atommülllager Gorleben rollt, gehen die üblichen Bilder um die Welt: Unzählige Polizisten, die im nebelgrauen Dämmerlicht die Transportstrecke abschirmen, während wütende Demonstranten übernächtigt und frierend hinter den Absperrungen ausharren.

Doch die Aktionen der Castor-Gegner sind längst nicht nur todernster Protest. Schon immer war der Castor-Protest bunt, fantasievoll und bauernschlau. Am Verladebahnhof in Dannenberg etwa wurde statt einer simplen Demo schon mal eine "Stuhlprobe" angemeldet, zu der die Aktivisten mit Strohballen und Sitzgelegenheiten aus Holz anmarschiert kamen.

Es sind auch keine Mitvierziger in Öko-Kluft, die mit verbissener Miene auf den Schienen sitzen, sondern Menschen jeden Alters und aus allen Gesellschaftsschichten, die trotz aller Widrigkeiten und trotz des ernsten Themas meist ziemlich gut gelaunt sind. Die Sitzblockaden gleichen oft einem großen Happening: Da wird gesungen und gelacht, mit Bällen jongliert und mit Seifenblasen gespielt - bis die Polizei kommt und dem lustigen Treiben auf der Transportstrecke ein Ende macht.

Unter Atomkraftgegnern legendär sind die Aktionen der Landwirte aus dem Wendland. Sie versperrten die Transportstrecke und andere wichtige Straßen schon mehrfach mit ihren Treckern, die sie natürlich so parkten, dass sie sich gegenseitig blockierten. Die Bauern warfen dann gleich noch die Schlüssel fort und überließen es den verärgerten Polizisten, Dutzende landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge irgendwie von der Straße zu bekommen.

Oft gleicht der Protest gegen den Castor-Transport einem Katz- und Mausspiel mit der Polizei. Gruppen von Demonstranten starten ganz gezielt Ablenkungsmanöver, um die Beamten auf die falsche Fährte zu locken. So auch im November 2005: Während die Beamten noch damit beschäftigt waren, Sitzblockaden in Gorleben aufzulösen, gelangten ganz in der Nähe in Grippel unbemerkt zwei Traktoren auf die Straßentransportstrecke von Dannenberg zum Atommülllager - und zwar mit Betonblöcken im Schlepptau. An die Räder ketteten sich Atomkraftgegner an, so dass die Trecker nicht einfach von der Straße gerollt werden konnten.

Als die Polizei zu der Blockade anrückte, fuhren ganz in der Nähe andere Demonstranten zwei Leichenwagen auf die Strecke und ketteten sich an einem Stahlgerüst im Inneren fest, das ebenfalls in einen Betonblock eingelassen war. Es dauerte Stunden, bis die Polizei die Strecke geräumt hatte.

Solche Blockadeaktionen sind typisch für den Protest im Wendland, ebenso typisch wie die Sitzblockaden von dutzenden Demonstranten, die - mit Strohballen, Schlafsäcken und Kälteschutzfolie bewaffnet - immer wieder durch die Polizeisperren schlüpfen und zur Transportstrecke vordringen.

Die Beamten lassen sie nicht selten gewähren und greifen erst dann entschlossen durch, wenn die Castoren in der Nähe sind. Dann wird aus dem Spiel jedoch schnell Ernst: Wer den Atommülltransport blockiert, muss damit rechnen, in Polizeigewahrsam genommen zu werden und mächtigen Ärger mit der Justiz zu bekommen. Und: Verhindern ließ sich der Transport bisher durch keine Aktion, war sie auch noch so gewagt.

APN APN

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