Ypsilanti-Farce Staatsanwalt sichert Beweise von Youtube


Bei Radio-Scherzen versteht die SPD offenbar keinen Spaß: In der Ypsilanti-Farce hat die Staatsanwaltschaft Hannover jetzt die Ermittlungen aufgenommen und erste Beweise von Youtube gesichert. Andrea Ypsilanti war im Radio einem Stimmenimitator auf den Leim gegangen. Ein Mitschnitt war auf die Internetplattform Youtube gelangt.

Nach einem Telefonstreich mit der SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti hat die Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen aufgenommen. Oberstaatsanwalt Thomas Klinge bestätigte am Freitag einen Bericht der "Neuen Presse". Die Justiz sicherte bei der Internet-Plattform Youtube erste Beweise und forderte von dem Tat-Rechner die IP-Adresse an, die virtuelle Anschrift des Computers.

Ypsilanti war dem Stimmenimitator Jochen Kraus vom Privatsender "radio ffn" auf den Leim gegangen, der sich als Franz Müntefering ausgegeben hatte. Obwohl die SPD eine Veröffentlichung des Gesprächs untersagte, gerieten Ausschnitte auf die Internet-Plattform Youtube.

Der Staatsanwalt hat jedoch wenig Hoffnung auf Erfolg. Selbst wenn die IP-Adresse gefunden würde, sei unklar, ob daraus genaue Rückschlüsse auf den Computer gezogen werden könnten, von dem aus der Telefonmitschnitt ins Internet gestellt wurde. In dem Telefonat hatte der falsche Müntefering seiner Parteigenossin unter anderem den Job von Generalsekretär Hubertus Heil anbieten wollen. Die SPD-Politikerin lehnte jedoch sofort ab.

Die SPD beruft sich bei ihrem Strafantrag auf den Paragraf 201 des Strafgesetzbuches. Dieser verbietet das unerlaubte Mitschneiden von Gesprächen und deren Verbreitung. Sollte die SPD Recht bekommen, könnte das Folgen für viele Radiomacher haben, befürchtet "ffn"-Programmdirektorin Ina Tenz. "Nur weil Frau Ypsilanti anscheinend keinen Spaß versteht, müssen ja nicht in ganz Deutschland die Spaßtelefone abgeschafft werden." Die Streiche am Telefon gehörten zu den beliebtesten Elementen einer Radiosendung. "Wir stehen für Comedy, und wir werden es weiter machen."

Der hannoversche Medienwissenschaftler Helmut Scherer schätzt die Lage anders ein. "Die SPD hat in der Sache recht. Das ist einfach juristisch klar", sagte der Experte für politische Kommunikation in Hannover. Es stelle sich jedoch die Frage, ob es klug von der SPD sei, das Ganze juristisch auf die Spitze zu treiben. So stehe sie lediglich als Spielverderber da. Scherer geht trotz des Strafantrages nicht davon aus, dass dieser Vorfall "die Beziehungen zwischen Medien und Politik dramatisch verändern wird." Dafür sei er zu unbedeutend.

DPA DPA

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