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Ausstellung: Die DDR im Spiegel der Pudelmütze

Ulbrichts weiße Pudelmütze, Trabant Kübelwagen und Wunschkindpille - die neue Ausstellung des Deutschen Historischen Museums über den Alltag in der DDR zeigt viele staunenswerte Dinge. Und erklärt fast nichts.

Von Anja Lösel

Am schönsten sind die Mützen. Lenins Kappe aus schwarzem Persianerfell: ziemlich schick. Ernst Thälmanns dunkelblaue Schirmmütze: fast hanseatisch gediegen. Erich Honeckers rohseidener Doktorhut aus Tokio: edel. Aber dann Walter Ulbrichts Kopfbedeckung: eine wollene Pudelmütze in Weiß! Unvorstellbar für Westdeutsche, dass der DDR- Staatsratsvorsitzenden die tatsächlich mal getragen hat. Hat er aber. Jeder, der in der DDR aufgewachsen ist, weiß: Ulbricht liebte Schnee und machte gern Winterurlaub im Fichtelgebirge. Mit Pudelmütze.

Zu sehen ist das kuriose Ding in der Ausstellung "Parteidiktatur und Alltag in der DDR", die seit Freitag im Deutschen Historischen Museum Berlin läuft (bis 29. Juli). 18 Jahre nach dem Untergang der DDR ist es in Berlin die erste umfassende Ausstellung zum Thema. Leider versteht sie sich trotzdem nur als "Annäherung an eine historische Bewertung", halbherzig und vorsichtig.

Damenschuhe, Marke "fesch"

Um das wahre Leben im Falschen geht es, um "Arbeit" und "Wohnen", um die Spannung zwischen innen und außen, Bürger und Staat. Eigentlich ein aufregendes Thema. Aber die meiste Zeit stolpert man hilflos herum zwischen Themeninseln wie "Planwirtschaft", "Unsere werktätigen Frauen" und "Feierabendheim", sieht da ein paar Dokumente, hier ein bisschen Kunst und dort hübsche alte Fernsehaufnahmen. Die DDR begreift man deshalb noch lange nicht.

Klar, es gibt viele schöne, witzige, seltsame Dinge zu sehen: von den Damenschuhen Marke "fesch" mit Plateausohle über die "Wunschkindpille" bis hin zum Brigade-Tagebuch zur deutsch-sowjetischen Freundschaft oder der Gardine mit eingewebtem SED-Emblem. Auch eine DDR-Wohnzimmer-Schrankwand und ein paar besonders schauerliche Geschenke aus Bruderländern kann man bestaunen: Honecker in Elfenbein etwa oder in Emaille. Aber vieles wirkt wie Folklore, sogar die Abteilung Mauer mit dem erstaunlichen Trabant Kübelwagen der Grenztruppen.

Witze - eine Art Widerstand

Man muss schon ein bisschen mehr wissen über die DDR, muss zwischen den Zeilen lesen und die vielen Dokumente und Fotos deuten können, um den Alltag im Sozialismus nachempfinden und begreifen zu können. Die Ausstellung hilft einem da nur wenig weiter. Die Einkaufsnetze, die jeder ständig mit sich trug, waren eben nicht nur lustig bunt, sondern auch ein Zeichen der Mangelwirtschaft. Dass Rentnerinnen den Westen besuchen durften, war nicht großzügig, sondern man hoffte, dass sie im Westen blieben und die DDR sich so die Renten sparen könnte. Und Witze hat man sich nicht nur zum Spaß erzählt, sondern weil sie eine Art von innerem Widerstand möglich machten.

Einige sind in der Ausstellung dokumentiert. Der zum Beispiel: "Warum heißen die Länder der sozialistischen Gemeinschaft Bruderländer und nicht Freundesländer? Weil man sich Freunde aussuchen kann." Oder der: "Warum steht der Mensch im Sozialismus im Mittelpunkt? Damit man ihn von allen Seiten treten kann." Schal und farblos? Heute sicher, aber nicht in der DDR.