Der Völkermord an den Juden Gräuel mit deutscher Gründlichkeit


Der Holocaust gilt als einzigartiger Bruch der Zivilisation. Dass er mit langer Hand und Akribie vorbereitet wurde, ist nur Teil des beispiellosen Grauens.

Der Völkermord an bis zu sechs Millionen Juden in Europa zwischen 1933 und 1945 gehörte von Anfang an zu den Zielen der Nationalsozialisten. Begriffe wie die Vernichtung des "Weltjudentums", der Sieg der "hochwertigen" Rasse der "Arier" über "minderwertige" Rassen, die "Reinheit des deutschen Blutes" gehörte zu ihrer Ideologie, die Adolf Hitler schon vor seiner Machtergreifung 1933 in seiner Schrift "Mein Kampf" und in seinen Reden propagierte.

Neben den Juden sind auch Sinti und Roma und andere Minderheiten den Verfolgungen der Nationalsozialisten ausgesetzt. Zwischen 1933 und 1942 wird eine Fülle von Gesetzen erlassen, mit denen gezielt Juden nach und nach aus dem bürgerlichen Leben ausgegrenzt und systematisch erniedrigt wurden. Zum Boykott ihrer Geschäfte wird 1933 aufgerufen. Jüdische Beamte werden zwangspensioniert. Es gibt es Begrenzungen und Einschränkungen für jüdische Schüler, Studenten und Wissenschaftler.

Aberkennung der staatsbürgerlichen Rechte

1935 werden Juden vom Wehrdienst ausgeschlossen. In den auf dem Nürnberger NSDAP-Parteitag verkündeten Gesetzen werden Juden im September 1935 alle staatsbürgerlichen Rechte genommen. Eheschließungen und sexuelle Kontakte zwischen Juden und so genannten "Deutschblütigen" werden zum Verbrechen erklärt. Im November 1935 werden Juden mit dem Reichsbürgergesetz aus dem Staatsdienst und allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Juden werden aus immer mehr Berufsgruppen verdrängt oder in ihren Möglichkeiten eingeschränkt.

Seit 1935 kommt es zu öffentlichen Gewaltakten gegen Juden. Anfang November 1938 wird von höchster Stelle die so genannte "Reichskristallnacht" landesweit inszeniert: Es kommt zu Terrorakten gegen Juden, zur gewaltsamen Plünderung ihres Besitzes, zur Schändung und Zerstörung von Synagogen. Ende 1938 werden polnische Juden aus dem Reichsgebiet ausgewiesen. Die zwangsweise "Arisierung" jüdischer Betriebe beginnt, ihre Besitzer müssen weit unter Wert verkaufen. Übriges Vermögen wird beschlagnahmt. So genannte Kennkarten werden ausgegeben, die Pässe von Juden werden mit einem "J" versehen.

Die Auswanderung wird verboten

Den deutschen Juden wird die Auswanderung im Herbst 1941 verboten und sie werden zum Tragen des gelben Sterns gezwungen. 1942 werden Juden im Reichsgebiet weitgehend von der Lebensmittelversorgung ausgeschlossen, ihr öffentliches Leben wird immer weiter eingeschränkt.

Die ersten Konzentrationslager Dachau und Oranienburg werden schon im März 1933 gebaut. In mehreren Geheimerlassen wird in den folgenden Jahren die Verschleppung bestimmter Gruppen in die Konzentrationslager verfügt.

Mit Beginn des Krieges im September 1939 läuft in den eroberten Gebieten die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung an. In Polen und später in der Sowjetunion werden Juden systematisch umgebracht und verschleppt.

Beschluss der "Endlösung"

Auf der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 beschließt eine Runde hoher Beamter unter Leitung des Chefs der Sicherheitspolizei, Reinhard Heydrich, die Ausrottung der Juden in Europa. Adolf Eichmann wird mit der "Endlösung" beauftragt. Vernichtungslager, unter anderem Auschwitz-Birkenau, Belzec, Majdanek werden gebaut und in Betrieb genommen.

Ende 1941 beginnen die Massendeportationen aus dem Reichsgebiet, seit 1942 werden Juden auch aus Frankreich und den Niederlande nach Auschwitz deportiert. Die Menschen aus den jüdischen Gettos in Polen werden deportiert. Im Frühjahr 1943 kommt es zum Aufstand im Warschauer Getto.

Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt

1942 bis 1945 wurden schätzungsweise zwischen 5,3 und sechs Millionen Juden aus ganz Europa getötet. Die Mehrheit wurde vergast, viele wurden in Massenerschießungen hingerichtet oder erhängt. Menschen starben an Hunger, Krankheit und Auszehrung, den Folgen medizinischer Versuche. Genaue Zahlen gibt es nicht. Fest steht aber, dass die meisten Juden aus Polen kamen, etwa 2,7 Millionen. In Deutschland fielen rund 165.000 der Todesmaschinerie zum Opfer.

Der Holocaust, der Völkermord an den europäischen Juden, gilt nicht nur wegen der hohen Zahlen als einzigartig. Singulär war er auch wegen seiner systematischen Planung und Durchführung in eigens errichteten Lagern. Schließlich war er Bestandteil einer politischen Ideologie, die von Hitler und seinen Gefolgsleuten im Laufe der Zeit immer hemmungsloser propagiert wurde.

Doris Berve-Schucht/AP AP

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