Dokumentation Die Revolution im Film


Oliver Stone porträtiert in seinem Dokumentarfilm "Comandante" Kubas Staatschef Fidel Castro und sein Verhältnis zu Kampfgefährten Che Guevara.

Der Maximo Lider ist noch immer beliebt. Egal wo Fidel Castro auf Kuba plötzlich aus seinem gepanzerten Mercedes steigt, wird er spontan von einer freudigen Menschenmenge umringt. Mit Bildern wie diesen hat Hollywood Regisseur Oliver Stone versucht, ein anderes als das offizielle US-Bild des kubanischen Staatschefs zu zeichnen. In Stones Dokumentarfilm "Comandante", der im Jahr 2003 auch während der Berlinale gezeigt wurde, wird der geächtete Revolutionär zum Sympathieträger.

Das Privatleben eines Revolutionärs

Insgesamt drei Tage lang durfte der Oscar-Preisträger Stone ("Platoon", "Evita") Castro im Februar 2002 mit seinem Team begleiten - ohne Drehbuch. Herausgekommen ist ein intensiver, interessanter und manchmal auch lustiger Film über einen der letzten lebenden sozialistischen Herrscher der Welt. Über 90 Minuten lang gibt Castro nicht nur einen Einblick das Privatleben eines Revolutionärs, sondern lässt auch Geschichte wieder ein Stück lebendig werden.

Bereitwillig und ausführlich erzählt der "Comandante" unter anderem über sein Verhältnis zu seinem alten Kampfgefährten Che Guevara, spricht über die Kuba-Krise 1962 oder sein Verhältnis zu dem damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy und dem früheren Chef der KPdSU, Nikita Chruschtschow. Beim Essen philosophiert Castro zudem über Religion, in der blank geputzten Marmorhalle des Handelszentrums plaudert er über die Revolution und in dem Ledersessel in seinem Büro sinniert er über Moral.

Stone überwindet Distanz

Stone ist in seinem Film das Kunststück gelungen, die Distanz zu Castro zu überwinden. Nicht nur die die teils extremen Nahaufnahmen des Staatschefs vermitteln eine unmittelbare Nähe. Auch Castro selbst scheint trotz der vielen Kameramänner, Toningenieure oder Übersetzer vergessen zu haben, dass er gefilmt wird. So antwortet er ohne Umschweife auf alle Fragen, die Stone ihm stellt: zum Verhältnis seiner Ehefrauen, zu seinen Kindern oder zu seiner Sicht über das Wahlsystem auf Kuba.

Leichte Kost ist der Film jedoch nicht, denn Stone verlangt seinen Zuschauern einiges ab. Wer sich in der jüngeren Geschichte nicht auskennt, wird den Dialogen nur schwerlich folgen können. Teilweise verliert Stone sich zudem dabei in Detailfragen, die man nur verstehen kann, wenn man sich, wie er, intensiv auf ein solches Projekt vorbereitet hat. Und dennoch: "Comandante" ist eine lebendige, unterhaltsame und spannende Geschichtsstunde aus erster Hand.


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