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Hinrichtung: Die Würgeschraube für Heinz Chez

Die Garotte ist eine Würgeschraube und kam als Hinrichtungsinstrument in Spanien 1974 unter dem Diktator Franco ein letztes Mal zum Einsatz. Das Opfer: der aus der DDR geflohene Georg M. W., der sich Heinz Chez nannte.

Die Diktatur in Spanien unter Francisco Franco neigte sich ihrem Ende entgegen, da wollte der greise Regimechef noch einmal Härte walten lassen. Am 2. März 1974 ließ der Diktator zwei Todesurteile vollstrecken, eines gegen den Anarchisten Salvador Puig Antich und ein zweites gegen den - angeblich - staatenlosen Landstreicher Heinz Chez.

Letzter Einsatz der Würgeschraube

Die beiden Männer gingen in die Geschichte ein als die letzten Verurteilten, die mit der Garrotte hingerichtet wurden. Die Garrotte (Würgschraube) ist ein Folter- und Hinrichtungsinstrument, bei dem ein Metallring um den Hals des Verurteilten gespannt wird. Eine Schraube zieht diesen Ring zusammen, so dass das Opfer langsam erdrosselt wird.

Einer der beiden Männer, die vor knapp 30 Jahren so qualvoll hingerichtet wurden, ist für die Spanier bis heute ein Mysterium geblieben. Von dem Anarchisten wusste man, dass er aus politischen Motiven Banken überfallen hatte. Aber wer war dieser Heinz Chez? Bisher war man davon ausgegangen, dass es sich um einen Staatenlosen aus Polen handelte, der ohne Familie war. Aber all dies stimmt nicht.

Heinz Chez kam aus der DDR

Filmemacher in Valencia haben herausgefunden, dass Chez in Wirklichkeit Georg M.W. hieß und ein Deutscher war. "Georg stammte aus der damaligen DDR", sagt der Drehbuchautor Carlos Palau der dpa. "Wir kennen seinen vollständigen Namen und seine Identität. Sie werden enthüllt, wenn unser Dokumentarfilm Anfang 2004 Kino-Premiere feiert." Für ihren Streifen mit dem Arbeitstitel "Das Rätsel des Heinz Chez" machten die Filmemacher in Deutschland nach eigenen Angaben die Mutter, die Geschwister, die frühere Lebensgefährtin und die Kinder von Georg ausfindig.

Nach ihren Recherchen war der junge Mann 1972 im Alter von 28 Jahren nach zwei gescheiterten Versuchen aus der DDR in den Westen geflüchtet. Über Umwege gelangte er nach Spanien. In Barcelona soll er im Dezember 1972 in einer Hafenkneipe einen Polizisten mit einer Schusswaffe verletzt haben. Wenige Tage später erschoss er in L’Hospitalet de L’Infant bei Tarragona einen Polizeibeamten. Nach seiner Festnahme gestand Georg die Tötung des Beamten, aber er bestritt die Tat in Barcelona.

Zum Tode verurteilt

Er gab sich als Heinz Chez und als staatenloser Vagabund aus. Die Ermittler glaubten ihm dies nur zu gern. Das Franco-Regime bemühte sich damals um eine Annäherung an die DDR und wollte politischen Ärger vermeiden. "Die Behörden haben gewusst, dass sie es mit einem Deutschen aus der DDR zu tun hatten", sagt Palau. Im Juli 1973 verurteilte ein Gericht den jungen Mann zum Tode.

Eigentlich wäre es normal gewesen, dass der Staatschef die Todesstrafe in eine Haftstrafe umgewandelt hätte. Aber Franco ließ den Mann hinrichten. Dafür scheint es nur eine Erklärung zu geben. Die Vollstreckung des Urteils sollte die anstehende Hinrichtung des Katalanen Puig Antich in ein anderes Licht rücken. Das Regime wollte verhindern, dass der Anarchist zu einem Symbol des Widerstands würde. Es wollte den Anschein erwecken, als würde mit ihm ein gewöhnlicher Krimineller hingerichtet. Zu diesem Zweck ließ es am selben Tag das Todesurteil gegen den ausländischen Polizistenmörder vollstrecken.

"Mensch, ärgere dich nicht" in der letzten Nacht

Seine letzte Nacht soll Georg alias Heinz Chez in seiner Todeszelle mit zwei Priestern "Mensch, ärgere dich nicht" gespielt haben. Die Hinrichtung selbst war, so berichteten Chronisten, von Pannen gekennzeichnet. Der Henker war unerfahren, die Garrotte funktionierte nicht richtig. Der Eisenkragen habe nicht zum Hals des Verurteilten gepasst, schrieb die Zeitung "El País". Er musste erst zurechtgebogen werden.

Hubert Kahl / DPA
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