Jean Parisot de la Valette "Der Schutzschild Europas"


Als der mächtige osmanische Sultan Süleiman der Prächtige im Mai des Jahres 1565 eine gewaltige Flotte von 159 Schiffen mit einer Armee von 30 000 seiner gefürchteten Soldaten, den Janitscharen, gen Malta sandte, war sein Gegner kein Kaiser oder König, sondern ein damals 70-jähriger Mönch, der eine Rechnung offen hatte mit dem türkischen Herrscher.

Jean Parisot de la Valette, geboren 1494 in Frankreich, war Großmeister des Johanniterordens, dessen Mitglieder, allesamt Sprösslinge des europäischen Hochadels, zwei Berufungen hatten – die Heilung der Kranken und die Verteidigung des Christentums mit Waffengewalt. Im Alter von 20 Jahren war Jean Parisot dem Orden beigetreten. Die Gelübde waren für ihn eherne Prinzipien.

200 Jahre lang hatten die medizinisch und militärisch versierten Gottesmänner über die Insel Rhodos geherrscht, bis Süleiman der Prächtige sie von dort vertrieben hatte.

Malta für zwei Falken pro Jahr

Anschließend übergab Kaiser Karl V. den Rittern das karge Malta. Er verlangte dafür die Lieferung von zwei Falken pro Jahr – und die Verteidigung seines Reiches gegen die Osmanen. Nun drohte dem Orden eine erneute Schmach. Nur 700 Ritter und 8000 Maltesen standen unter dem Befehl de la Valettes; der Fall von Malta und damit die Eroberung Südeuropas durch die Türken schien gewiss.

Vier Monate lang tobte ein Gemetzel ohne Gnade: Die Türken nagelten tote Ritter an Kreuze und warfen sie ins Meer, die Christen benutzten die Köpfe der Gefallenen als Kanonenkugeln. Nach dem Verlust von 20 000 Mann zog die Übermacht ab. De la Valette ließ daraufhin Malta befestigen und eine neue Stadt anlegen; zu seinen Ehren nannte man sie später Valletta. Der soldatische Mönch starb mit 73 Jahren. Auf seinem Grab in der St. John's Co-Cathedral steht geschrieben: "Er war der Schutzschild Europas."

Stefanie Rosenkranz print

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