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Kirchengeschichte: Deutsche Hirten der Herde Christi

Als erster deutscher Papst gilt Gregor V., der bereits als 24-Jähriger zum Pontifex ernannt wurde. Jetzt ist Joseph Ratzinger als erster Deutscher seit rund 500 Jahren zum Papst gewählt worden.

Ein "Mann aus dem Land Luthers" auf dem Petrusstuhl - das galt noch vor wenigen Monaten als undenkbar, als schrille Idee sensationshungriger Medien. Nach 480 Jahren ist jetzt erstmals wieder ein Deutscher an der Spitze der Kirche. Der letzte deutsche Papst war eigentlich ein Holländer: Hadrian VI. wurde 1459 als Adrian Florisz Boeyens in Utrecht geboren, das damals allerdings zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Der Sohn eines Zimmermanns war aber nicht nur der letzte Papst aus dem "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation", sondern für 455 Jahre auch der letzte nicht-italienische Papst überhaupt - bis im Jahr 1978 der Pole Karol Jozef Wojtyla zum katholischen Kirchenoberhaupt gewählt wurde.

Gregor V. erster deutscher Papst

Da sich Nationen und Staatsgrenzen seit dem ersten Papst Petrus (33 bis 67 nach Christus) immer wieder verändert haben, ist es ohnehin schwierig, genau zu bestimmen, wer oder was deutsch war. So schwankt auch die Zahl der deutschen Päpste in den Quellen zwischen fünf und sieben. Als erster deutscher Papst gilt Gregor V., ein Salier und Sohn des Kärntener Herzogs Otto. Im Alter von nur 24 Jahren wurde er am 3. Mai 996 von dem mit ihm verwandten Otto III. zum Papst ernannt. Damit war er einer der jüngsten Päpste überhaupt in der Geschichte. Der Adel war allerdings mit dem kaisertreuen Papst unzufrieden. Als der Kaiser 997 Rom verließ, kürten die Römer mit Hilfe von Byzanz Johannes XVI. zum Gegenpapst, gegen den sich Gregor nur mit Hilfe des Kaisers durchsetzen konnte. 998 kehrte Gregor zurück, rund ein Jahr später starb er am 18. Februar 999 an Malaria.

Unter Heinrich III. (1039-1056) begann eine kurze und wechselvolle Geschichte von Päpsten aus dem deutschen Kulturraum. In der Zeit von 1046 bis 1058 wurden insgesamt fünf deutsche Bischöfe zu Päpsten. Den Anfang machte Suitger von Bamberg-Morsleben und Horneburg, der von Heinrich III. im Jahr 1046 als Papst Clemens II. eingesetzt wurde und im Gegenzug dafür Heinrich III. zum Kaiser krönte. Clemens II. starb bereits ein Jahr später. Sein Grab befindet sich im Bamberger Dom und ist das einzige Papstgrab nördlich der Alpen. Es folgte Poppo von Brixen, der als Damasus II. nur 24 Tage im Amt war und auch an Malaria starb.

Als Reformpapst ging Leo IX. in die Geschichte ein. Geboren als Bruno von Egisheim-Dagsburg im Elsass schuf er das bis heute als höchstes Beratungsgremium des Papstes wirkende Kardinalskollegium, dem derzeit der deutsche Kardinal Josef Ratzinger vorsteht; die Kardinäle übernahmen damit neben den traditionellen liturgischen Funktionen auch Aufgaben in der Leitung der Gesamtkirche. Außerdem konzentrierte Leo IX. die kirchliche Macht auf die römische Zentrale, insbesondere durch Einschärfung des päpstlichen Primats, was Voraussetzung für die Aussage über die Unfehlbarkeit des römischen Pontifex war; er ging entschieden gegen das Unwesen der Simonie, also des Ämterkaufs von Bischöfen, vor; im Kampf gegen die grassierenden Priesterehen und -konkubinate verfügte er das Pflichtzölibat als feste Norm.

Bruch mit der Ostkirche unter Leo IX.

Die Achse "deutscher Papst - deutscher Kaiser" provozierte jedoch zunehmend das Misstrauen Ost-Roms - auch wegen der militärischen Bündnispolitik der beiden. Die Spannungen mündeten schließlich zum Ende des Pontifikats von Leo IX. im Großen Morgenländischen Schisma (1054), also der Spaltung in eine West- und eine orthodoxe Ostkirche.

Auf Leo IX. folgte Gebhard von Dollnstein-Hirschberg, Bischof von Eichstätt. Als Viktor II. war er Papst von 1055 bis 1057. Er setzte Leos Politik fort und sicherte nach dem Tode Kaiser Heinrichs III. die Nachfolge durch König Heinrich IV. und die Regentschaft von dessen Mutter Agnes. Er starb am 28. Juli 1057 in Arezzo und wurde in Ravenna beigesetzt. Der Benediktiner Friedrich von Lothringen war von 1057 bis 1058 als Stephan IX. Kirchenoberhaupt. In seinem kurzen Pontifikat setzte Stephan auch sich in der Tradition seines einstigen Förderers Leo IX. für innerkirchliche Reformen, insbesondere den Zölibat und das Verbot der Simonie, ein. Er starb 1058 in Florenz, während der Planung eines Feldzugs gegen die Normannen.

Auch die Amtszeit von Hadrian VI. ab 1522 war nur kurz. Die einsetzende Reformation in Deutschland, der Kampf mit den islamischen Türken, die Niederlage des Johanniterordens auf Rhodos und der Streit zwischen den Habsburgern und den Franzosen zermürbten das Kirchenoberhaupt. Nach nur etwas mehr als eineinhalb Jahren im Amt starb er am 14. September 1523.

Stephan Köhnlein/AP / AP
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