Rhein-Main-Airbase Das "Tor nach Europa"

Für Generationen von GI's, die in Europa stationiert wurden, war die Rhein-Main-Airbase am Frankfurter Flughafen der erste Kontakt mit dem Kontinent. Ende des Jahres soll nun Schluss sein auf dem US-Militärflughafen.

Pausenlose Starts von "Rosinenbombern" während der Berlin-Blockade 1948/49, Abflug für Zehntausende US- Soldaten in Kampfmontur auf ihrem Weg in Krisengebiete, Ankunft von amerikanischen Geiseln und verwundeten Soldaten: Das waren Bilder von der amerikanischen Rhein-Main-Airbase am Frankfurter Flughafen aus einer 60-jährigen bewegten Geschichte.

Der Standort, ein Symbol der Befreiung vom Nazi-Terror am Ende des Zweiten Weltkriegs und amerikanischer Kriegsführung in den vergangenen Jahrzehnten, wird zum 31. Dezember dieses Jahres geschlossen. Am 10. Oktober fand die symbolische offizielle Schließungsfeier statt. Bei der Feierstunde sprach der Befehlshaber der US-Luftstreitkräfte in Europa, General Robert Foglesong, von einer "großen alten Basis mit viel Geschichte". Der 85-jährige pensionierte Oberst Gail Halversen, der Ende der 40er Jahre an der berühmten "Luftbrücke nach Berlin" beteiligt war, sagte: "Es ist wie eine Beerdigung. Aber wir sind nicht zum Weinen hier, sondern um all den Menschen zu Lande und in der Luft Ehre zu erweisen, die die Versorgung einer Stadt mit über zwei Millionen Menschen ermöglichten."

Abschied auf Raten

Es ist ein Abschied auf Raten. Seit 1995 werden Einheiten nach und nach an die US-Flughäfen im pfälzischen Ramstein und nach Bitburg in der Eifel verlegt. Flugzeuge sind auf der Airbase schon seit Jahren nicht mehr fest stationiert. Die riesigen, lärmenden C-130 Hercules Transportmaschinen sind nach Ramstein verlagert, die F-16 Kampfjets ins italienische Aviano. "Die Flugzeuge, die man in den letzten Jahren an der Frankfurter Airbase gesehen hat, waren praktisch auf der Durchreise", sagt der Sprecher der amerikanischen Streitkräfte, Wolfgang Hofmann.

Als die Wehrmacht im März 1945 den Flugplatz Frankfurt räumte, war er ein Trümmerfeld. Die Deutschen hatten die Anlagen gesprengt, Angriffe alliierter Flugzeuge hatten über 2.000 Bombenkrater hinterlassen. In den Folgejahren begannen die Amerikaner mit der Instandsetzung der Start-und-Landebahn und bauten das frühere Passagierterminal wieder auf. Dort wurden alle militärischen und zivilen Flüge abgefertigt.

Ihren Einsatzwert musste die Luftwaffenbasis zuletzt vor zwei Jahren im Irak-Krieg unter Beweis stellen, als täglich Dutzende schwerer Transportflieger und Passagiermaschinen Soldaten und Material an den Golf brachten. In den vier Abflughallen des Terminals, das als das größte militärische der Welt gilt, drängten sich wartende GI's. Und die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet musste wieder und wieder den Krach der Galaxy-Transportmaschinen ertragen.

Vietnam-Krieg, Golf-Krieg und Jugoslawien-Krieg

Zu weiteren großen Einsätzen der US-Armee, die über Rhein-Main führten, gehörten der Vietnam-Krieg, der Golf-Krieg, die Konflikte in Afghanistan und Ex-Jugoslawien. Verwundete Soldaten kamen über Frankfurt zurück und wurden in die Militärhospitäler dort und in Wiesbaden gebracht. Diese sind längst geschlossen. Mittlerweile nutzt die US-Armee zentral ihr Krankenhaus in Landstuhl in der Pfalz.

Für Generationen von GI's, die in Europa stationiert wurden, war die Airbase der erste Kontakt mit dem Kontinent. "Gateway to Europe" lasen sie in Riesenlettern auf einem Flughafengebäude bei den ersten Schritten aus den Fliegern. Von Frankfurt aus wurden sie auf ihre Einsatzorte verteilt. So kam auch Rocklegende Elvis Presley im Oktober 1958 auf Rhein-Main an und machte sich auf den Weg nach Friedberg in der Wetterau, wo er bis April 1960 seinen Wehrdienst ableistete.

Seine erste große Bewährungsprobe hatte der Militärflughafen kurz nach dem Krieg, als die Sowjets 1948 die Blockade über das geteilte Berlin verhängten. Die West-Alliierten starteten umgehend eine Luftbrücke. Unablässig flogen von Frankfurt aus täglich rund 100 Transportmaschinen und warfen alles über Berlin ab, was die Menschen im abgeriegelten Westen der Stadt brauchten. Die im Volksmund "Rosinenbomber" genannten Maschinen brachten nicht nur Lebensmittel, sondern auch Seife und sogar Kohlen. Die Frankfurter Airbase war der wichtigste Pfeiler der Versorgung: Rund zwei Drittel der 2,3 Millionen Tonnen Hilfsgüter wurden von hier eingeflogen.

Leben wie daheim in den USA

Zeitweise waren auf der Airbase 7000 amerikanische Militärangehörige und rund 1800 deutsche Angestellte stationiert. Für die Soldatenfamilien waren in der Umgebung zwei Wohnsiedlungen mit 855 Gebäuden errichtet worden. Hier konnten sie leben wie daheim in den USA, es gab eine Schule, zwei Theater, eine preisgekrönte Bibliothek und eine Eisbahn - weltweit die einzige auf einer Luftwaffenbasis.

Ende des Jahres soll nun Schluss sein auf der Airbase. Vielleicht gingen die letzten Soldaten und Mitarbeiter schon vor Weihnachten, sagt Militärsprecher Hofmann. Dann übernimmt der Flughafenbetreiber Fraport das Gelände. Für rund 1,1 Milliarden Euro ist dort ein - allerdings umstrittenes - drittes Terminal für den größten kontinentalen Flughafen Europas geplant. 2015 soll es fertig sein, aber schon 2011 könnte nach Auskunft eines Fraport-Sprechers eine Teilnutzung möglich sein.

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) sieht den Weggang der Amerikaner zwiespältig: "Wehmütig, weil die Airbase 60 Jahre zu Frankfurt gehört hat. Das zeigt die Verbundenheit der USA mit der Stadt." Andererseits bedeute die Aufgabe des Stützpunktes eine "immense Möglichkeit" für die Entwicklung des Flughafens. "Die US-Airforce kam als Befreier, und sie geht als Freund." Die Funktion eines amerikanischen "Tors nach Europa" übernimmt jetzt der US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in der Pfalz, der mit deutscher Finanzhilfe ausgebaut wird.

Anne-Katrin Einfeldt/DPA DPA

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