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Saarland gegen Deutschland: Fußball als Politikum

Mit einem eigenen Olympia-Team war das Saarland bereits 1952 in Helsinki angetreten. Zwei Jahre später hätte das sportlich selbstständige Land sogar die Deutschen in der WM-Qualifikation aus dem Rennen werfen können.

Im aktuellen Kinohit "Das Wunder von Bern" um den ersten Weltmeistertitel der deutschen Fußballer 1954 kommt das Ereignis nur am Rande vor: Vor genau 50 Jahren hätte das damals noch französisch "beherrschte" und sportlich selbstständige kleine Saarland die Deutschen schon in der Qualifikation aus dem Rennen werfen können - ein Politikum sondergleichen. Auch sportlich lag am 28. März 1954 - dem Geburtstag von Bundestrainer Sepp Herberger - durchaus eine Sensation in der Luft, als die von Helmut Schön trainierten Saar-Fußballer im Saarbrücker Ludwigsparkstadion zum zweiten Mal gegen die Herberger-Elf antraten.

"Immerhin hatten die Saarländer in der Qualifikationsrunde gegen Norwegen 3:2 in Oslo gewonnen und Deutschland gegen die Norweger dort nur 1:1 Unentschieden gespielt", erinnert sich der gerade 80 Jahre alt gewordene Kaiserslauterer Ottmar Walter: "Sepp Herberger hatte uns aber eingehämmert, dass das Saarland-Spiel kein Spaziergang wird - und da sind wir mit voller Pulle reingegangen". Peter Lohmeyer, Hauptdarsteller im "Wunder"-Film, stellt gern fest: "Hätte das Saarland gegen Deutschland gewonnen, hätte es das spätere Wunder von Bern nie gegeben und der Film mit mir wäre nie gedreht worden."

"Wir wollten natürlich gewinnen"

Doch so rund der Ball laut einem Herberger-Zitat bei jedem Spiel auch ist, der klare Favorit gewann damals die Qualifikation: Nach einem 3:0 im Oktober 1953 in Stuttgart siegten die traditionell in weißen Trikots und schwarzen Hosen antretenden Deutschen auch im Rückspiel mit 3:1 gegen die blau-weiß-rot gedressten Saarländer. Deren damals in der französischen 2. Liga außer Konkurrenz agierender Torschützenkönig Herbert Binkert (80) vom 1. FC Saarbrücken sagt heute: "Wir wollten natürlich gewinnen, aber auf dem Spielfeld haben wir nicht darauf geachtet, ob wir Saarländer oder Deutsche waren."

"Das Saarland war nach dem Krieg noch vor Deutschland in allen Weltverbänden des Sports als Vollmitglied aufgenommen worden", erinnert sich der renommierte Sporthistoriker Wolfgang Harres von der Universität in Saarbrücken. Bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki trat das Saarland mit einer eigenen kleinen Olympia-Mannschaft an, blieb aber ohne Medaillen. 1954 waren die saarländischen Fußballspieler dann alle zum WM-Endspiel nach Bern eingeladen und feierten nach dem sensationellen 3:2 Sieg der Deutschen gegen Ungarn als erste Gratulanten kräftig mit Fritz Walter & Co. vor Ort. "Da wurde einiges getrunken", erinnert sich der Saarländer Binkert. Und der Kaiserslauterer WM-Sieger Horst Eckel (72) sagt schmunzelnd: "Bei einem Sieg gegen uns wären 1954 natürlich die Saarländer Weltmeister geworden."

Anschluss per Volksabstimmung

Am 23. Oktober 1955 entschieden sich dann zwei Drittel der Saarländer in einer Volksabstimmung gegen eine Europäisierung ihres Landes und somit indirekt für den Anschluss an die Bundesrepublik Deutschland. Seit 1957 gehört das Saarland politisch und seit 1959 auch wirtschaftlich zur Bundesrepublik. "Wir sind inzwischen das älteste neue oder auch das neueste alte Bundesland", sagt dazu so mancher Saarländer heute - auch wenn Binkert noch immer meint: "Der beste Außenminister des Saarlandes war einmal der 1. FC Saarbrücken."

Udo Lorenz / DPA