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Siegfried Buback: Der Beginn des blutigen Terrorjahrs

Der 7. April 1977 markiert den Beginn der Anschlagserie der RAF auf führende Vertreter des Staates. An jenem Tag ermordet das Kommando "Ulrike Meinhof" Generalbundesanwalt Buback. Die Angst geht um.

Der Anschlag war minutiös vorbereitet. Als Wolfgang Göbel den Dienstwagen von Generalbundesanwalt Siegfried Buback gegen 9.15 Uhr an einer Ampel stoppte, hielt nebenan ein Motorrad. Der Sozius schoss mit einer Maschinenpistole in den Wagen, Buback und Göbel starben noch am Tatort, ein weiterer Beamter, Georg Wurster, erlag wenige Tage später seinen Verletzungen. Ins kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik hat sich jener 7. April, der Gründonnerstag des Jahres 1977, als Beginn des blutigsten Terrorjahrs in ihrer Geschichte eingeschrieben.

Die RAF hält die Republik in Atem

Zwar hatte es schon in den Jahren zuvor Terroranschläge gegeben. 1974 war der Berliner Kammergerichtspräsident Günter von Drenkmann ermordet worden, wenig später forderte die Geiselnahme in der deutschen Botschaft in Stockholm vier Menschenleben. Doch in den Monaten nach dem Buback-Attentat hielt die "Rote Armee Fraktion" (RAF) die Bundesrepublik mit einer beispiellosen Serie von Anschlägen in Atem: Am 30. Juli wurde Jürgen Ponto, Chef der Dresdner Bank, erschossen. Am 5. September entführte die RAF den Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer und tötete vier seiner Begleiter.

Kurz darauf kaperten vier palästinensische Terroristen die mit 82 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern besetzte Boeing 737 "Landshut" auf ihrem Weg von Mallorca nach Frankfurt/Main und töteten deren Kapitän Jürgen Schumann, um den Forderungen nach Freilassung von elf inhaftierten RAF-Terroristen Nachdruck zu verleihen. Der Plan scheiterte. Die Passagiere wurden in Mogadischu (Somalia) von der deutschen Anti-Terroreinheit GSG 9 befreit, die Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe begingen im Gefängnis Stuttgart-Stammheim Selbstmord. Am 19. Oktober schließlich setzten die RAF-Terroristen einen makabren Schlusspunkt im Terrorjahr: Sie töteten die nutzlos gewordene Geisel - Schleyers Leiche wurde im Elsass in einem Kofferraum gefunden.

Welche Atmosphäre damals in der linken Sympathisantenszene der RAF herrschte, verdeutlichte der kurz nach Bubacks Tod in einer Göttinger Studentenzeitung veröffentlichte "Mescalero"-Nachruf: "Meine unmittelbare Reaktion, meine Betroffenheit nach dem Abschuss von Buback ist schnell geschildert: Ich konnte und wollte (und will) meine klammheimliche Freude nicht verhehlen", schrieb der anonyme Autor. Erst im vergangenen Jahr gab sich der einstige Göttinger Student zu erkennen und entschuldigte sich bei Bubacks Sohn Michael.

Hoffnungsträger im Kampf gegen den Terrorismus

Siegfried Buback galt in den 70er Jahren als Hoffnungsträger im Kampf gegen den Terrorismus. Der 1920 in Sachsen geborene Beamtensohn galt schon vor seiner Zeit an der Spitze der Karlsruher Ermittlungsbehörde als der Mann für die schwierigen Fälle. Als Oberstaatsanwalt leitete er unter anderem heikle Spionageverfahren - ein Thema, das ihn auch kurz nach seiner Berufung zum Generalbundesanwalt am 1. Mai 1974 beschäftigen sollte: Damals ermittelte die Bundesanwaltschaft im Spionagefall Guillaume, der zum Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) geführt hatte. Buback warnte immer wieder vor der Bedrohung, die der Terrorismus für Deutschland bedeutete - und nahm gleichzeitig sein persönliches Risiko in Kauf: Auf den Schutz durch ständige Begleiter hatte er verzichtet.

Von den Beteiligten am Buback-Attentat sitzen Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar bis heute hinter Gittern - Klar kann nicht vor 2009 mit einer Entlassung rechnen. Die beiden anderen Mittäter sind inzwischen auf freiem Fuß: Günter Sonnenberg wurde 1992 nach 15 Jahren und Knut Folkerts 1995 nach 18 Jahren Haft entlassen. Auch daran zeigt sich, dass der RAF-Terror Geschichte ist: Von den 26 deutschen Linksterroristen, die seit Mitte der 70er Jahre zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt wurden, sitzen nur noch fünf im Gefängnis.

Wolfgang Janisch / DPA