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"heute wichtig" Boris Johnson: Ein Mann ohne Prinzipien geht – fast

Boris Johnsons obere Kopfhälfte ist zu sehen
"Bei Boris Johnson besteht die Möglichkeit, dass er aus Eigennutz bis zum Herbst bleiben möchte und hofft, dass er die Parteibasis doch wieder von sich überzeugen kann", sagt stern-Korrespondentin Dagmar Seeland. 
© Dan Kitwood / Getty Images
Boris Johnson steht auf der Liste der kürzesten Amtszeiten britischer Premierminister ganz oben. Gerade einmal zwei Jahre und 350 Tage ist er Stand Freitag im Amt. Wie sehr sich der britische Premier an sein Amt klammert, erklärt die in London lebende Dagmar Seeland. 

"That really takes the biscuit!" Könnte man dazu wohl in Großbritannien sagen. Das ist wirklich der Gipfel der Unverschämtheit. Viele Briten sind nämlich richtig wütend auf Boris Johnson, den noch-, oder auch irgendwie ehemaligen Premierminister. Am Donnerstagnachmittag gab er seinen Rücktritt als Parteichef der Tories bekannt, der konservativen Regierungspartei. Außerdem tritt er als Regierungschef zurück, voraussichtlich sobald ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden ist. Zu viele private Fehltritte hatte er sich in seiner kurzen Amtszeit geleistet, oder wie Johnson in seiner Rücktrittsrede selbst sagte: "Ich bedaure, nicht noch erfolgreicher gewesen zu sein." Wie geht’s jetzt also weiter in Großbritannien? Das erläutert die Großbritannien-Korrespondentin des stern, Dagmar Seeland, in der 313. Folge von "heute wichtig". 

Am Amt festhalten: Der britische Premier will bis zum Herbst bleiben 

Boris Johnson will gehen – aber so richtig erst im Herbst: Bis ein Nachfolger gefunden wird und die Regierung aus dem Urlaub zurück ist, will er als Premierminister im Amt bleiben. Stern-Korrespondentin Dagmar Seeland sagt, das sei aus Sicht vieler sehr problematisch: "Bei Boris Johnson besteht die Möglichkeit, dass er aus Eigennutz bis zum Herbst bleiben möchte und hofft, dass er die Parteibasis doch wieder von sich überzeugen kann." 

Inzwischen weiß man, dass Boris Johnson kein "normaler Politiker" ist: "Boris Johnson ist bisher immer mit allem durchgekommen – und genauso hat er auch Politik betrieben." Selbst im letzten Moment, in dem eigentlich eine Entschuldigung angebracht wäre, feiere sich der Politiker selbst, sagt Seeland. 

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

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"Ein Mensch ohne Prinzipien": Boris Johnson ist eine Gefahr für eine stolze Demokratie 

"Boris Johnson ist ein Mensch ohne Prinzipien. Das ist seit dem Brexit-Referendum klar geworden." Für Deutschland wäre es deshalb gut, wenn ein gemäßigter Premier auf Johnson folgen würde, damit sich das Verhältnis Großbritanniens zur Europäischen Union wieder verbessert. Seine Regierungszeit könnte in jedem Fall folgen haben, sagt Dagmar Seeland. Denn einige seiner Gesetze hätten Menschenrechte gefährdet, das Wahlrecht, die Demokratie: "Viele Briten, die ihr Land immer für ein Aushängeschild von Demokratien der Welt gehalten haben, haben inzwischen Zweifel daran, ob dieses System so gut ist."  

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mkb / rw

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