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Klimaprotestbewegung Erst die Elphi, dann der Airport: Wie die "Letzte Generation" auf ihre Aktionen kommt

Klimaaktivisten der "Letzten Generation" blockieren eine Straße
Straßenblockaden sind eine beliebte Aktion von Klimaaktivisten der "Letzten Generation"
© Lennart Preiss / DPA
Die Kritik an der Klimaprotestbewegung "Letzte Generation" wird zunehmend lauter – vor allem aus der Politik. Die Aktionen wirken mitunter willkürlich. Dabei steckt eine klare Strategie dahinter, wie Aktivistin Carla Hinrichs nun in einem Podcast verrät.

Erst Kunst, dann der Flugverkehr – was kommt wohl als nächstes? Die Klimaprotestbewegung "Letzte Generation" sorgt seit Wochen mit ihren Aktionen für Aufsehen. Allein in dieser Woche haben sich am Mittwoch erst zwei Klimaaktivisten während eines Konzertes in der Hamburger Elbhilharmonie an das Dirigentenpult geklebt, einen Tag später hat eine Gruppe von Aktivisten den Flugverkehr am Berliner Hauptstadtflughafen BER für gut zwei Stunden lahmgelegt.

Mit ihren Aktionen bewegen sich die Aktivisten oft auf dem schalen Grat zwischen Protest und Straftat. Vor allem in der Politik wird das Handeln der Protestbewegung zunehmend kritisiert. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) sagte im Gespräch mit der "Bild am Sonntag" im Hinblick auf den Protest am Berliner Airport: "Wer gewaltsam einen Zaun zerschneidet, auf ein Flugfeld eindringt und dort den Flugverkehr behindert, macht sich in mehrfacher Hinsicht strafbar."

Was die "Letzte Generation" wirklich will

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich im Rahmen des SPD-Landesparteitages in Brandenburg am Wochenende zu den jüngsten Aktionen der "Letzten Generation": "Sie sind nicht nur nicht verständlich, sondern auch hochgefährlich, wie man das zum Beispiel bei den Aktivitäten am BER hat genau sehen können." Die Aktivisten sollten sich stattdessen lieber Aktionen überlegen, die von mehr Menschen in Deutschland akzeptiert würden.

Den Mitgliedern der "Letzten Generation" geht es aber nicht darum, Sympathiepunkte zu sammeln, wie die Klimaaktivistin Clara Hinrichs im Podcast "Piratensender Powerplay" im Gespräch mit Friedemann Karig und Samira El Ouassil sagt: "Ich gehe nicht auf die Straße, um gemocht zu werden. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Menschen nicht anschließen, weil sie uns mögen, sondern weil sie verstehen, dass wir auf der richtigen Seite des Rechts stehen."

Zwischen Wissen und Ausprobieren

CDU-Chef Friedrich Merz ist da anderer Meinung. Er sagte auf einem Parteitag der Berliner CDU kürzlich: "Das sind keine Klima-Aktivisten, das sind kriminelle Straftäter." Und auch Buschmann hat eine genaue Überprüfung der Protestaktionen im rechtlichen Rahmen angekündigt. Ob die Aktionen der "Letzten Generation" überhaupt strafrechtlich relevant oder strafbar sind, ist fraglich. Erst am Freitag sind 19 Klimaaktivisten in München aus dem Polizeigewahrsam freigekommen, weil die Polizei keine Grundlage mehr für die Inhaftierung gesehen hat.

Ob strafbar oder nicht, die Aktionen der Klimaprotestbewegung sorgen in jedem Fall für Aufmerksamkeit. Und genau das ist es, worum es den Mitgliedern geht, wie Hinrichs erzählt: "Es geht einfach darum, immer wieder kreativ aber störend einzugreifen." Und auch, wenn die Aktionen mitunter willkürlich wirken, stecke dahinter mehr Planung, als man denke.

"Wir sind keine Gruppe von Menschen, die einfach auf die Straße gerannt sind und gesagt haben, wir leisten jetzt hier Widerstand", sagt sie. Es gebe zum zivilen Widerstand sehr viel Forschung, die zeige, wie frühere Bewegungen funktioniert haben. Ziviler Widerstand in Demokratien sei allerdings noch nicht so gut erforscht. "Da bewegen wir uns in einem relativ neuen Feld und müssen noch viel ausprobieren. Aber wir wenden schon viel wissenschaftliches Wissen an", erklärt die Jura-Studentin.

Klimaaktivistin Carla Hinrichs: Kein "Weiter so"

Zu der jüngsten Aktion am Berliner Hauptstadtflughafen habe Hinrichs gemischte Gefühle. Es habe sie traurig gemacht, dass so was nötig sei. "Aber gleichzeitig macht es mich auch irgendwie stolz, Teil davon sein zu dürfen und sich gemeinsam mit anderen gegen das System aufzulehnen." Insgesamt mache es ihr aber keinen Spaß, die Menschen mit den Aktionen zu stören.

Die Klimaaktivistin sagt: "Ich wünschte, wir könnten alle unserem geregelten Tag nachgehen. Gleichzeitig können wir uns aber nicht mehr leisten, einfach so weiterzumachen." Es brauche die Unterbrechungen, damit mehr Menschen hinsehen. Aber glaubt Hinrichs wirklich, dass der Plan der "Letzten Generation" etwas ändern kann? "Ich weiß nicht, ob es funktioniert, was wir tun. Aber ich weiß, dass es die beste Chance ist, die wir haben. Und davon bin ich überzeugt."

Quelle: Podcast "Piratensender Powerplay"

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