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Piëch und Porsche: "Wir sind uns einig"

Zum ersten Mal haben VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und sein Cousin Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender von Porsche, ein gemeinsames Interview gegeben.

Im Gespräch mit dem Hamburger Magazin stern stellten sie sich hinter Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, stärkten VW-Vorstandschef Martin Winterkorn den Rücken und wiesen die Kritik von VW-Konzernbetriebratschef Bernd Osterloh zurück. Die Enkel des VW-Gründers Ferdinand Porsche gaben den VW-Arbeitern eine Art Beschäftigungsgarantie, schlossen einen Verkauf der Tochter Audi aus und kündigten an, Toyota als größten Autohersteller der Welt abzulösen. Piëch sagte wörtlich: "Wirklich als Wettbewerber empfinden wir nur Toyota. Und den gilt es einzuholen."

Zurzeit hält Porsche etwas über 30 Prozent an VW. Der Aufsichtsrat hat aber die Aufstockung auf mehr als 50 Prozent genehmigt. Über den Zeitpunkt des Zukaufs wollten sich die beiden Familiensprecher nicht äußern. Piëch sagte: "Das macht der Porsche-Vorstand genial wie bisher. Da mischen wir uns nicht ein."

Die beiden beschworen die Geschlossenheit der zwei Familienstämme Porsche und Piëch. Schließlich, so Wolfgang Porsche wörtlich, "wir drehen ein großes Rad". Spekulationen über Rivalitäten oder Meinungsunterschiede wiesen die Großaktionäre zurück. Piëch sagte: "Wir diskutieren hinter verschlossenem Vorhang vieles, aber letztlich sind wir uns einig, wenn es um wichtige Dinge geht." Wolfgang Porsche ergänzte: "Nur wenn man an einem Strang zieht, und zwar am gleichen Ende, ist man stark." Piëch wies Interpretationen zurück, dass sein Familienstamm aufgrund einer geringeren Beteiligung weniger zu sagen habe: "Für eine Entscheidung sind bei uns mindestens 66,6 Prozent nötig, und die meisten Dinge müssen mit 75 Prozent der Stimmen beschlossen werden. In Wirklichkeit heißt das: entweder einstimmig oder gar nicht." Nach offiziellen Angaben hält die Familie Porsche 52 Prozent und die Familie Piëch 48 Prozent an der Stuttgarter Porsche-Holding.

Die Familie steht hinter Wiedeking

Wolfgang Porsche wies in dem stern-Gespräch die Kritik von VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh zurück, der von einer feindlichen Übernahme durch Porsche gesprochen hatte: "Das ist unverständlich, und es entspricht auch nicht der Realität." Osterloh stehe unter dem Druck seiner eigenen Leute. Wolfgang Porsche sprach sich für einen gemäßigteren Umgang zwischen Managern und Arbeitnehmervertretern aus: "Wir müssen miteinander reden können. Keiner soll das Gefühl haben, er würde vorgeführt." Im Streit um die Besetzung des künftigen Aufsichtsrates der Porsche-Holding, zeigte sich Wolfgang Porsche allerdings kompromisslos: "Das ist so, und das bleibt so." Danach würden die VW-Beschäftigten nur drei Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat erhalten - genauso viele wie ihre Porsche-Kollegen. Wolfgang Porsche sagte mit Blick auf die zur Hauptversammlung angekündigten Proteste der IG Metall: "Der Herr Osterloh sitzt ganz oben auf einem Baum, und irgendwann muss er runterkommen." Er hoffe, dass das gelinge, "weil wir ihn nicht beschädigen wollen. Aber wir lassen es auch nicht zu, dass Herr Dr. Wiedeking beschädigt wird. Da sind wir uns einig. Die Familie steht hinter dem Management."

Zur Rolle von VW im künftigen Unternehmensgefüge sagte Wolfgang Porsche: "Volkswagen wird ein Teilkonzern der Porsche Automobil Holding SE. Und den Teilkonzern Volkswagen verantwortet Herr Dr. Winterkorn. So einfach ist das. Heute und morgen. Porsche bleibt Porsche, und Volkswagen bleibt Volkswagen." Piëch ergänzte: "Ist doch klar, da herrscht 100 Prozent Einigkeit zwischen uns." Ein Eintritt von Winterkorn in den Holding-Vorstand schloss Piëch nicht aus, aber vorgesehen dies sei "zurzeit nicht".

Beschäftigungsgarantie für VW-Belegschaft

Für die VW-Arbeitnehmer gab Piëch eine Art Beschäftigungsgarantie: Solange es wirtschaftlich halbwegs gehe, "brauchen die Beschäftigten keine Angst zu haben. Unsere Familie entlässt nicht. Genauer: Sie entlässt nicht unnötig." Wolfgang Porsche ergänzte: "Die Hedgefonds, die bei Volkswagen hätten einsteigen können, sind weniger verlässlich als eine Familie, die sich seit vielen Jahren stabil um die Geschäfte kümmert." Nach den Worten von Piëch hätten Hedgefonds VW aufgeteilt: "Das geht ja einfach: Konzern kaufen, Audi verkaufen, schon haben sie das Geld wieder drin. Das wird unsere Familie nicht tun."

Piëch bekräftigte die Ablehnung eines neuen VW-Gesetzes, das zurzeit Bundesjustizministern Brigitte Zypries vorbereitet. Der VW-Aufsichtsratschef sagte ironisch: "Ich fände es gut, wenn man gleichzeitig auch ein Siemens- und Deutsche-Bank-Gesetz machen würde." Aber daran denke keiner. Im Übrigen sei er sich sicher, dass europäisches Recht über "nationales Gefühl" obsiegen würde.

Piëch enthüllte, dass zu seiner Zeit als VW-Vorstandschef ein großer amerikanischer Konzern das Unternehmen kaufen wollte. Piëch widersprach nicht, dass es sich um Ford gehandelt habe: "Auf jeden Fall musste ich zwei Jahre vor Ende meiner Amtszeit über eine Abwehrstrategie nachdenken. Der damalige Interessent hat schließlich erfahren, dass ich ein so unverträglicher Mensch bin, dass er sich da eine blutige Nase holt." Diese Erfahrungen hätten ihn in de Einsicht bestärkt: "Weder Ford noch General Motors oder Daimler sollten VW bekommen. Ich war und bin überzeugt, dass das Familienunternehmen Porsche damit langfristig umgehen kann."

Formel-1-Einstieg kein Thema

Mit Blick auf die Debatte um den Kohlendioxid-Ausstoß von Kraftfahrzeugen kündigte Piëch an "sparsamere Autos für die ganze Welt" zu bauen. Er sagte: "Noch in diesem Jahrzehnt oder vielleicht 2011 wird es ein neues Ein-Liter Auto zu kaufen geben. Ich gehe davon aus, dass es spätestens nächstes Jahr neue Drei-Liter-Autos gibt."

Einen Einstieg von Porsche und VW in die Formel 1 lehnten beide ab. Piëch sagte: "300 Millionen Euro. Das ist die reinste Geldverbrennung." Wolfgang Porsche ergänzte: "Und nach der Affäre um Max Mosley und die Frauen wäre es auch nicht appetitlich jetzt einzusteigen."

In dem ersten gemeinsamen Interview, das in Wolfgang Porsches Villa in München stattfand, überraschte Ferdinand Piëch seinen Cousin mit der Idee, die Palette des Autokonzerns weiter zu vergrößern, die schon vom Kleinwagen bis zum 44-Tonner reicht: "Ich hätte gern noch einen kleinen, wertvollen Motorradhersteller drin." Er trauere noch immer dem Jahr 1985 nach, als Ducati in Not war "und man hätte ihn für einen Apfel und ein Ei gekriegt". Piëch, der am Donnerstag seinen 71-jährigen Geburtstag feiert, gestand: "Ich fahre selbst eine Ducati. 180 PS - und mehr Leistung pro Kilogramm Gewicht, als eine 1001-PS-Bugatti."

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