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Lencke Steiner über Bremen-Wahl: Jung und blond gibt's überall

Hat die FDP mehr als hübsche Kandidatinnen zu bieten? Lencke Steiner über den Erfolg ihrer Partei in Bremen, die katastrophale Wahlbeiligung und das Ding mit der Attraktivität. Ein Interview.

6,5 Prozent: Lencke Steiner hat für die FDP in Bremen einen wichtigen Sieg errungen

6,5 Prozent: Lencke Steiner hat für die FDP in Bremen einen wichtigen Sieg errungen

Sie haben die FDP zurück in die Bürgerschaft gebracht und sind noch am Wahlabend in die Partei eingetreten. Marschieren Sie jetzt direkt durch bis ins FDP-Präsidium?
Es ging mir um Bremen und deshalb werde ich jetzt Fraktionsvorsitzende. Darauf fokussiere ich mich erst einmal.

Zu wie viel Prozent war es Ihr Erfolg - und wie weit war es ein Comeback der FDP?
Es ist ein Team-Erfolg, den man alleine jedenfalls nicht schaffen kann. Wir haben vor allem mit Inhalten in einem intensiven Wahlkampf gepunktet. Allerdings glaube ich schon, dass ich als Quereinsteigerin, ohne auf Ämter zu schielen, sondern aktiv etwas bewegen zu wollen, viele Menschen überzeugen konnte.

Kann man von einer Wahl in Bremen überhaupt auf den Rest der Republik schließen? In der Hansestadt ist die SPD seit 70 Jahren am Ruder, eine Art Mehltau hat sich über die Stadt gelegt. Das treibt sicher viele in die Opposition.
Wir waren ja schon in Hamburg erfolgreich - und nun in Bremen, wo wir quasi aus dem Nichts kamen und das beste Ergebnis seit 1991 erzielt haben. Das wird bundesweit wahrgenommen.

Eröffnet der Rücktritt von SPD-Bürgermeister Jens Böhrnsen eine Chance auf eine Regierungsbeteiligung der FDP?
Er ist konsequent. Aber wir konzentrieren uns jetzt erst einmal auf uns und dann schauen wir weiter.

Was ist nun Ihre wichtigste Aufgabe in Bremen?
Bildung und Wirtschaft. Wir wollen mit der Bildung im Kindergartenalter anfangen und die Gründerszene beleben. Dazu wollen wir möglichst schnell Lösungsvorschläge einbringen. Wenn wir eine starke Opposition bilden, können wir auch medial so präsent sein, dass die Regierung sich mit unseren Themen auseinandersetzen muss.

Die Wahlbeteiligung hat in Bremen einen Tiefstand erreicht. Da vor allem sozial Schwache nicht wählen gehen, hat die FDP davon profitiert.
Die geringe Wahlbeteiligung ist katastrophal und vor allem dem inhaltsleeren Wahlkampf der SPD zuzuschreiben. Wir haben von SPD, CDU und Grünen Stimmen gezogen. Für Liberale ist Sozial- und Wirtschaftspolitik kein Gegensatz, wir haben Wachstum statt Armut plakatiert. Wir werden gut daran tun, den Bürgern in den nächsten vier Jahren sehr genau zuzuhören.

Immer wieder wird Ihnen unterstellt, statt eines Konzepts nur weiblich, jung, blond zu bieten. Wie gehen Sie damit um?
Der überwiegende Teil der FDP-Wähler hat sich nachweislich an Inhalten orientiert. Hübsche Frauen haben die anderen Parteien auch alle. Und jung und blond übrigens auch.

Interview: Silke Müller
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