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Wahlkampf-Satire auf Youtube: Böhmermanns Revanche

Die Grünen engagierten für ihren Wahlspot William Cohn, den Ansager der Talkshow von Jan Böhmermann. Der Moderator revanchiert sich mit Anti-Grünen-Clips und witzelt, die Partei habe Cohn missbraucht.

Von Timo Brücken

Die Grünen wollten in diesem Wahlkampf mal besonders lustig sein und engagierten für einen ihrer Wahlspots den Schauspieler William Cohn, bekannt als leicht verrückter Ansager aus der Talkshow "Roche & Böhmermann". Dass sie dabei auch gleich die Ästhetik seiner Sendung kopierten, fand Moderator Jan Böhmermann möglicherweise gar nicht lustig. Jetzt revanchierte er sich jedenfalls und stellte ein paar satirische Anti-Grünen-Spots ins Netz - wieder mit Cohn als Hauptdarsteller.

Im ersten Clip, der wohl an Helmut Schmidts Fernsehansprache zur Schleyer-Entführung erinnern soll, beklagt Böhmermann "die geschmacklose Vereinnahmung unseres geliebten Sprechers durch die Partei die Grünen". Cohn sitzt zitternd und weinend im Hintergrund. "Als Vergeltung", so Böhmermann weiter, "schenken wir hiermit allen anderen im Bundestag vertretenen Parteien sowie der Piratenpartei jeweils einen eigenen Wahlwerbespot mit William Cohn." Dann werden die Links zu den fünf Spots eingeblendet.

Die Schnecke wird zur Sackratte

Wobei es sich eigentlich immer um das gleiche Filmchen handelt, bis auf die letzte Szene mit dem Parteilogo. Böhmermanns Clip persifliert den der Grünen bis aufs Letzte: Aus der schwarz-gelben Schnecke wird eine grüne Filzlaus. Aus dem "äußerst gemächlichen Kriechtier" eine "notorisch besserwisserische Sackratte". Und statt Politiker von CDU, CSU und FDP werden Grüne Abgeordnete eingeblendet.

Ein Plagiat? Nö. Böhmermann dreht den Spieß einfach um: "Sie haben als schändliche Trittbrettfahrer versucht, das mühsam erarbeitete Pseudo-Mitte-Hipster-Image anderer für sich zu nutzen", hält er den Grünen genauso böse wie selbstironisch vor. Und Cohn? Der gibt zumindest indirekt zu, dass es ihm herzlich egal ist, für wen er auftritt, wenn die Kohle stimmt. "Man hat mich mit Geld gezwungen, Dinge gegen meinen Willen zu tun", jammert er im Video.

Die Grünen selbst geben sich cool, können sich aber eine kleine Stichelei auch nicht verkneifen: "Bemerkenswert ist, dass Jan Böhmermann, der sonst für jeden Spaß zu haben ist, keinen Spaß versteht, wenn man seine Sendung persifliert", sagte Wahlkampfmanager Robert Heinrich zu stern.de. "Aber wir können uns wirklich nicht beklagen. Das wird dem Original-Spot nur noch mehr Aufmerksamkeit bringen."