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Fragen und Antworten

Ferien: In Corona-Zeiten in den Sommerurlaub? Das wird nichts werden

Einfach mal zwei, drei Wochen raus aus allem, Abstand gewinnen. Ein schöner Sommerurlaub wäre gerade in Coronazeiten genau das Richtige. Doch daraus wird wohl nichts. Das Virus vermiest auch die Ferien.

Gemeinsames Sonnenbad am Strand? Das wird wegen des Coronavirus in diesem Sommer wohl nichts werden.

Gemeinsames Sonnenbad am Strand? Das wird wegen des Coronavirus in diesem Sommer wohl nichts werden.

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Schon Mitte April und der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hält es für "zu früh, um über den Sommerurlaub zu debattieren". Sein bayerischer Kollege Markus Söder (CSU) empfiehlt schon, die Ferien in Deutschland zu verbringen. Es gebe hierzulande "wundervolle Ziele". Im Moment darf man wegen des Corona-Virus allerdings nicht einmal an die deutschen Küsten oder auf die Nord- und Ostseeinseln fahren. Von der für praktisch alle Länder der Welt geltenden Reisewarnung des Auswärtigen Amts ganz zu schweigen. Und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) will die Sommerferien sowieso verkürzen. Es sieht also nicht danach aus, dass das mit dem Sommerurlaub in diesem Jahr noch was wird. 

Viele Deutsche haben dementsprechend schon resigniert und die schönsten Wochen des Jahres bereits abgeschrieben. Ein Drittel hat laut einer aktuellen Umfrage den geplanten Sommerurlaub storniert oder zumindest verschoben. Wie aus dem "Deutschlandtrend" im ARD-"Morgenmagazin" (Freitag) hervorgeht, trifft dies auf 35 Prozent der Befragten zu. Konkret haben demnach 14 Prozent der Wahlberechtigten ihren Urlaub storniert, 21 Prozent haben geplante Buchungen verschoben. 31 Prozent gaben sogar an, dass sie ohnehin nicht verreisen wollten oder dies grundsätzlich nicht täten, hieß es. Nur 28 Prozent der Deutschen haben demnach noch nicht aufgegeben und halten an ihren Reiseplänen fest. Noch.

Gemeinsames Sonnenbad am Strand? Das wird wegen des Coronavirus in diesem Sommer wohl nichts werden.

Gemeinsames Sonnenbad am Strand? Das wird wegen des Coronavirus in diesem Sommer wohl nichts werden.

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Doch damit ist das Thema längst nicht erledigt. Im Gegenteil. Reisewilligen stellen sich eine Vielzahl an Fragen:

Werden in diesem Jahr Reisen noch möglich werden?

Diese Frage kann aktuell niemand beantworten. Derzeit besteht eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die bis zum 30. April geht. Danach soll die Lage neu bewertet werden. Es bestehen aber ohnehin in vielen Ländern Einreisestopps für Ausländer. Hotels und Unterkünfte sind geschlossen. Ebenso wie in Deutschland. Laut dem Beschluss von Bund und Ländern vom vergangenen Mittwoch sollen Übernachtungsangebote im Inland bis auf Weiteres nicht für touristische Zwecke zur Verfügung stehen. Trotzdem dürften Reisen innerhalb von Deutschland eher wieder möglich werden als Auslandsreisen.

Wird Geld für gebuchte Reisen erstattet?

Rein rechtlich hat jeder Pauschalurlauber Anspruch auf die Erstattung des Reisepreises, wenn der Veranstalter die Reise abgesagt hat. Das Geld sollte dann innerhalb von 14 Tagen zurückgezahlt werden. Allerdings trifft die Coronakrise ja die Reiseveranstalter sehr hart. Um Insolvenzen in großer Zahl zu verhindern, wollen sie stattdessen Gutscheine ausgeben, um liquide zu bleiben. Die Bundesregierung ist auch dafür und hat die Lösung im Kabinett bereits verabschiedet. Letztlich liegt die Entscheidung aber bei der EU - und da kommt die Sache offenbar nicht voran. Der Reiseverband DRV mahnt daher mehr Tempo an. "Der Prozess in Brüssel ist zu langsam. Die Bundesregierung muss mehr Tempo machen und vorhandene Spielräume für eine nationale Lösung nutzen", so Norbert Fiebig, Präsident des DRV, noch am Freitag. Einige Veranstalter, darunter die Tui, werben auch mit Rabatten für Verschiebungen geplatzter Urlaubsreisen.

Für die von der Bundesregierung favorisierte Gutschein-Lösung gilt: Werden Reiseveranstalter durch massenhafte Rückzahlungen in die Insolvenz getrieben, schauen auch die Kunden in die Röhre und müssen ihr Geld womöglich vollends abschreiben. Verbraucherschützer plädieren allerdings dafür, dass die Kunden die Wahl haben sollten. Denn auch ein Gutschein sei keine Garantie dafür, dass die Reise zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden kann oder das gebuchte Hotel die Corona-Krise überstehen wird. Letztlich hängt alles daran, ob Reisen in absehbarer Zeit überhaupt stattfinden können.

Gibt es für geplatzte Flüge Geld zurück?

Auch hier steht den Kunden die Erstattung des Preises für gecancelte Flüge zu. Allerdings will die Bundesregierung bei der EU erreichen, dass auch die Fluggesellschaften Gutscheine ausstellen dürfen. Die EU-Kommission lehnt solche Gutscheine nicht ab, bleibt aber - anders als Berlin - dabei, dass die Entscheidung, ob sie Gutscheine akzeptieren, letztlich bei den Kunden liegen soll. Aktuell zeichnet sich ab, dass Erstattungen wegen der Corona-Krise sehr langsam vollzogen werden, die Lufthansa bat bereits um Verständnis. Geduld ist also so oder so gefragt. Viele Airlines versuchen, Kunden mit außergewöhnlich kulanten Umbuchungsmöglichkeiten zu locken. Doch auch in diesem Fall gilt: Wann wieder geflogen werden kann, lässt sich nicht absehen.

Reise später im Jahr gebucht: Lieber stornieren?

Verbraucherschützer raten davon ab, jetzt schon zu stornieren. Denn dann könnten Reisewillige auf den Stornogebühren sitzen bleiben, sollte die Reise doch noch möglich werden. Nur wer sich sicher ist, wegen der Corona-Krise den geplanten Urlaub nun nicht mehr antreten zu wollen, sollte sich zum Stornieren entschließen, um nicht Gefahr zu laufen, hohe Stornogelder zahlen zu müssen, wenn eine Reise doch noch möglich wird. Wer reisewillig bleibt, sollte noch nicht stornieren, aber damit rechnen, dass aus den geplanten Ferien kurzfristig nichts wird. Dann ließen sich aber entsprechende Ansprüche noch geltend machen, heißt es.

Kann man denn neuen Urlaub buchen?

Das ist möglich und einige Reiseveranstalter bieten auch schon Reisen für das kommende Jahr an. Doch auch hier: Nichts Genaues weiß man nicht. Wann wieder gereist werden kann, ist derzeit völlig offen. Daher können Verbraucherschützer nicht zu Buchungen raten - es sei denn man bucht nur Unterkünfte, die man noch wenige Tage vor der Ankunft wieder problemlos stornieren kann. Letzteres berge kein Risiko. Bucht man ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung geht man einen Beherbergungsvertrag ein, der nicht so einfach gekündigt werden kann. Wenn wie zur Zeit Tourismus durch die Behörden gänzlich untersagt wird, kann die Buchung laut Deutschem Ferienhausverband kostenfrei storniert werden. Aber Vorsicht: Wer für einen Zeitraum stornieren will, für den noch keine Einschränkungen gelten, der muss die üblichen Stornogebühren zahlen.

Schützt mich eine Reiserücktrittsversicherung?

In Krisenfällen oder einem Lockdown wie jetzt wegen des Corona-Ausbruchs gelten solche Versicherungen in aller Regel nicht. Sie greifen vielmehr, wenn der Reisende selbst krank wird, durch Arbeitlosigkeit, Kurzarbeit oder den Tod eines engen Verwandten die Reise nicht antreten kann oder sie sichern den Urlauber gegen Stornogebühren ab. Im Einzelfall kommt man um den Blick in die genauen Bedingungen des Versicherungsvertrages nicht herum.

Letztlich fasst der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), die Situation zusammen wie sie ist: Was im Juli und August sein wird, könne seriös im Moment niemand sagen. Und: "Sollte die Sommerreisezeit in Gefahr sein, so bedeutet das für die Tourismuswirtschaft, die Hotels und Restaurants, eine kaum vorstellbare Katastrophe." Diese Katastrophe abzuwenden bleibt allerdings kaum noch Zeit. In Mecklenburg-Vorpommern beginnen die Sommerferien am 22. Juni.

Quellen: Nachrichtenagenturen DPA, AFP, Reuters

dho

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