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Autobahnraststätten: Morgenrot am Pausenhimmel

Versiffte Klos, schauerlicher Fraß, finstere Betonbunker - Autobahnraststätten haben von jeher einen üblen Ruf. Zu Unrecht. Viele von ihnen bekamen längst ein Facelifting. Manche haben sich sogar zu regelrechten Ausflugszielen gemausert. Ein Besuchsbericht.

Von Wolfgang Röhl

Fahrzeuge verursachen Wirbel", erklärt Erich Kaul, "und Wirbel machen schlechtes Chi. Damit es nicht ins Gebäude gelangt, haben wir den Eingangsbereich zur Straße hin schräg versetzt." Herr Kaul, 48, ein engagierter Mann in Cordhose und Strickjacke, ist nicht einfach Betreiber der Autobahnraststätte Gruibingen an der A 8 zwischen Stuttgart und Ulm. Er ist Spiritus Rector des "ersten Feng-Shui-Rasthofs Europas".

Feng-Shui ist die chinesische Lehre einer harmonischen Bau- und Raumgestaltung. Drei Millionen Euro sind in den Neubau der Raststätte geflossen, die zum Autobahnimperium Tank & Rast gehört. Eine davon hat Kaul selbst aufgebracht. Die Vermählung von Geld und Chi zeugte eine Perle der Autobahngastronomie. Einlegemuster im Boden des Empfangsbereichs symbolisieren offene Arme. An der Kaffeebar, die von oben wie ein Schmetterling wirkt, blicken Gäste, die mit dem Rücken zur Tür sitzen, in Spiegel. Dadurch werden "verstockte Energien" frei. Das opulente Büfett bietet Antipasti, magere Biobratwürste mit Kartoffelgratin oder "7 Köstlichkeiten" aus dem Wok, kann aber auch mit Schnitzel Wiener Art an Pommes rot-weiß dienen. "Der Klassiker", sagt Herr Kaul seufzend, "ohne den geht's nicht."

Im Obergeschoss locken neben badischen Weinen stattliche Buddha-Statuen (70 bis 900 Euro), Räucherstäbchenhalter (ab 25 Euro) und ein Feng-Shui-Brunnen aus Bergkristall (210 Euro). Der Laden brummt. "Viele fahren unsere Raststätte gezielt an", weiß Kaul. "Auch Leute aus der Umgebung, die nur zum Essen kommen." Zum Essen? In eine Raste? Vorsätzlich? Wer es sonst vermeidet, an der Autobahn einzukehren, traumatisiert durch frühere Erfahrungen, reibt sich die Augen. Deutsche Autobahnraststätten stehen im Ruf, gegen sie wirke Bates Motel aus "Psycho" heimelig. "Betonbunker mit Schwimmhallencharme", ätzten einst die Kritiker.

WC-Erlebnisse

Es gibt sie noch, aber es werden immer weniger: Grundbergsee auf der A 1 vor Bremen ist noch eine der alten Unart. Unübersichtlicher Gastraum, Brötchen und Beläge wirken müde, erschöpft, ein Kuchen welkt in der Vitrine, Currywurst und Pommes sind so lala.

Schlimme alte Raste! Durch ihre mit nikotinschweren Gardinen verhängten Fenster konnte man dann und wann beobachten, wie genervte Urlauber ihre Kläffer auf dem Weg nach Italien - Ciao, Bello! - an die letzten Bäume banden, die noch nicht im Abgasnebel eingegangen waren. Siffige Klos, deren bloßer Anblick einen mit Unaussprechlichem zu infizieren schien, waren Standard. Harald Schmidt: "Wenn ich auf einer Autobahnraststätte zur Toilette gehe, habe ich zur Sicherheit immer meine eigenen WC-Steine dabei. Und diese verkeimte Untertasse mit den Münzen! Man traut sich schon nicht mehr, das Geld wegzunehmen."

Auch das: verweht. Wer heute nach Einwurf von 50 Cent durch ein Drehkreuz den "Sanifair"-Bereich betritt, kann was erleben. Die Brille wird von Robot-Armen nach jedem Aufsitzen desinfiziert. Das Wasser am Waschbecken fließt, sobald die Finger dem Hahn nahe kommen. Auch der Handtuchspender funktioniert kontaktlos. Sobald das umweltfreundliche Urinal (wasserlos, preisgekrönt) benetzt wird, leuchtet eine Schrift am Becken auf. Dieses Örtchen, meldet sie, sei ein "Hingucker", ideal für Werbung. An der Wand vor dem Pissoir wirbt ein Pharmaunternehmen zielgruppengenau für das Mittel "Prostagutt." Aus verborgenen Lautsprechern perlen sphärische Tonfolgen, während man kontaktlos durch das Drehkreuz hinausschreitet. 350 Raststätten haben mittlerweile Sanifair-Klos. Sie erfreuen sich, sagen die Betreiber, höchster Kundenzufriedenheit. Das Eintrittsgeld wird rückerstattet, wenn in der Raststätte etwas gekauft oder verzehrt wird.

Wer auffällt, macht Umsatz

Den Kunden so lange wie möglich zu halten, auf dass er verschärft konsumiere, ist das oberste Ziel der neuen Pausentempel. Ein riesiges Angebot aus dem Reisebereich - Knabberzeug, Führer, Karten, Hörbücher - wird ergänzt durch Regale voll Nippes oder Nützlichem wie Wimpel, Bierseidel, Plüschtiere. Duftkerzen gefällig? Es gibt sie mit 108 verschiedenen Frauennamen ("Annegret ist eine edle Person mit helfender Hand"). Deutsche Autolenker aufzuhalten ist freilich nicht leicht. Ihre durchschnittliche Verweilzeit beträgt nach Messungen von Tank & Rast gerade mal 20,7 Minuten. Familien bleiben etwas länger. 15 Prozent der Besucher verbringen weniger als zehn Minuten in der Raststätte und ihren diversen Örtchen. Viele Anlagen haben sich einen Backshop zugelegt, aus dem sich die ganz Eiligen bedienen können.

Zwecks Gästebindung backen einige Pächter inzwischen richtig große Brötchen: Als der gestandene Autobahngastronom Dirk Rockrohr sich um die heruntergekommene Raststätte Illertal-Ost an der A 7 nahe Ulm bewarb, brachte er einen finanzstarken Investor mit. Sieben Millionen Euro kostete die Villa Kunterbunt, die 1997 nach den Entwürfen des österreichischen "Künstler-Architekten" Herbert Maierhofer entstand. Dessen Credo klang zwar etwas verstiegen ("Das multikulturelle Leben findet in der Raststätte seinen Ausdruck"), das Ergebnis aber geriet spektakulär: eine Zitadelle des Verspielten, gekrönt von Türmen in den Formen einer Eistüte, eines Maiskolbens und eines Sahnehäubchens, umrahmt von kunstgeschmiedeten Tierkreiszeichen. Farborgien aus Kacheln, bauchigen Säulen, geschwungene Dachflächen - halb griechischer Tempel, halb Chinalokal. Und mittenmang ein Prosit der deutschen Fachwerk-Gemütlichkeit. Die Küche bietet auch Regionales wie Maultaschen. Illertal-Ost liegt an einer Urlauberroute, was früher starke Umsatzschwankungen brachte. Seit sie sich zur "Kunstraststätte" aufgeschwungen hat, wird sie aber gezielt von Bussen und Stammkunden angefahren. Schon im Eröffnungsjahr übertraf der Umsatz die Erwartung um 70 Prozent.

Dammer Berge

Viele Raststätten sind hübsch gemacht worden. Helmstedt-Süd an der A 2 Richtung Berlin, die erste der neuen Generation (Dachname: "Serways"), punktet mit einem großen, lichten, von einer Kuppel gekrönten Restauranttrakt. Das kühn geschwungene Dach der Tankstelle könnte ein Architekturbuch schmücken. Medenbach- Ost an der A 3 bei Frankfurt, 2007 Sieger beim ADAC-Raststätten-Test, wirkt nicht nur fesch und sauber, sondern bietet auch tadellose Küche. Hüttener Berge-Ost ist bei Familien beliebt, die auf der A 7 nach Dänemark fahren. Das kinderfreundliche Lokal hat einen Streichelzoo eingerichtet, der problemlos auch die auf Rastplätzen ausgesetzten Tiere aufnehmen könnte. Hochfelln-Süd an der A 8 nach Salzburg veranstaltet regelmäßig Boogie- Feten und hat sich zum Biker-Treff gemausert. Außer den Chiemgauer Bergen sind allerlei Amiland-Devotionalien zu besichtigen, etwa ein Indian Scout 101-Motorrad, Baujahr 1929.

Die Inhaberfamilie führt auch die kleine, direkt am See gelegene Rasthof Chiemsee an der A 8 bei Bernau, vielleicht die schönste der Republik.

ProGanz in der Nähe stand einst eine nazitypisch wuchtige, von Hitler selbst initiierte Rastanlage. Auf ihr soll einst der britische Premierminister Chamberlain bei der Rückfahrt von einer Obersalzberg- Audienz pausiert haben. Ja, sogar unsere Autobahnraststätten haben eine braune Historie. Die allererste entstand schon 1936 an der A 9 beim thüringischen Rodaborn. Längst ist sie außer Betrieb.

Französisch-elegant mutet das Brückenrestaurant Dammer Berge über der A1 an. Wie geschaffen für Geiselaustausche oder konspirative Treffen: Das 108 Meter lange Lokal zwischen Bremen und Osnabrück kann man aus beiden Fahrtrichtungen erreichen. Ein Dutzend Lokale, Kaffeetheken, Shops und einen Kebabgrill gibt es dort, die wie alle Raststätten 365 Tage im Jahr rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb laufen. Über den Fahrspuren sitzend, genießen die Gäste einen herrlichen Blick auf Raser, Drängler und das Staugeschehen. Wen es nach innerer Einkehr dürstet, der kann in einer kleinen, grauen Kapelle neben der Raststätte beten. Gisela und Friedhelm haben ins Gästebuch geschrieben: "Lieber Gott, danke für die schönen Urlaubstage."

500 Millionen Reisende stoppen jedes Jahr bei Tank&Rast

Was ist passiert an den Autobahnen? "Wir haben die Kunden entdeckt", sagt Andreas Rehm, Unternehmenssprecher in der Bonner Zentrale der Tank & Rast Holding GmbH, die 90 Prozent aller Raststätten betreibt. "Wir fragen ständig: Was wollen die? Was sind die Trends?" Nach der jüngsten Umfrage wünschen sich Raststättenbesucher vor allem Sauberkeit (89 Prozent), Zuverlässigkeit (76 Prozent) und freundliches Personal (74 Prozent). Kulinarische Glanzleistungen verlangen die wenigsten. "In eine Raststätte kommt der Querschnitt der Bevölkerung", sagt Rehm, "das unterscheidet sie von allen anderen Lokalen." Um es jedem recht zu machen, haben die Bonner Marken wie McDonalds, Burger King, Nordsee, Barilla, Lavazza und Segafredo an Bord geholt. Manche Raststätten offerieren inzwischen frisch zubereitete Regionalkost, dazu Salatbars und Büfetts mit Convenience- Food unter dem grünen Label "Iss fit". Am oberen Ende der Autobahngastronomie stehen die Marché-Raststätten, exklusiv von Möwenpick betrieben. Sie schneiden in Tests meist gut ab.

500 Millionen Reisende stoppen jedes Jahr an den 340 Tankstellen, 370 Raststätten und 50 Hotels der Tank & Rast-Holding. Über dieser Lizenz zur Geldvermehrung kreisten schnell die Geier des Kapitalmarktes. Die 1951 entstandene staatliche "Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen" kauften 1998 Lufthansa, Allianz und der Investor Apax für geschätzte 600 Millionen Euro. 2004 ging das Netz für gut eine Milliarde Euro an den britischen Finanzinvestor Terra Firma. Der wiederum stieß nur drei Jahre später 50 Prozent seiner Anteile für wohl mehr als 1,2 Milliarden Euro an die Deutsche Bank ab. Auch halsten die Briten der Tank & Rast hohe Schulden auf, um Sonderausschüttungen für ihre Geldgeber zu finanzieren - die klassische Heuschreckennummer. Dennoch steckte Tank & Rast eine halbe Milliarde Euro in Restaurierung oder Neubau von Anlagen.

Pächter klagten prompt über steigende Pachtzinsen - üblich sind 15 Prozent vom Umsatz. Manche gaben auf. Andere wurden von Tank & Rast gefeuert, manchmal zum Nutzen der Gäste. Im vormaligen Staatsbetrieb hatte sich eine gewisse Beamtenmentalität eingenistet.

365 Tage im Jahr, 24 Stunden geöffnet

Engagierte Pächter wie Ronald Graetz sind das Herz jeder Anlage. Er führt unter anderem die hochprofitable Eifel-Station Brohltal-Ost an der A 61. 30 lange Autobahnjahre haben aus ihm einen Apostel des Raststättenwesens gemacht. "Wir lieben den Stau!", erklärt Graetz und schaut hoffnungsvoll auf die Autobahn, wo der Verkehr zäh fließt. "Blasengetrieben muss dann sogar der hartnäckige Verweigerer bei uns halten. Oder der Stammgast einer anderen Raststätte. Bei Stau müsst ihr euch besonders viel Mühe geben, schärfe ich meinen Leuten immer ein, da kann man neue Kunden gewinnen."

Keine Kritik, die Graetz gelten ließe. Zu hohe Spritpreise? "Das Schild ,Letzte Tankstelle vor der Autobahn‘ suggeriert ja, man werde ausgeraubt. Quatsch! Es galt schon immer die Bestimmung, dass das Benzin an der Autobahn maximal drei Pfennig oder anderthalb Cent teurer sein darf als an der ersten Tankstelle nach der nächsten Abfahrt. Allerdings wurde die Selbstbedienung an der Autobahn relativ spät eingeführt. Die Bedienung schlug da noch mal fünf Pfennig auf jeden Liter auf." Und das Preisniveau in den Shops, unisono beklagt von Reisenden? "Wir sind 365 Tage rund um die Uhr offen. Im Winter wird gestreut, wir haben Frauenparkplätze, Behindertenklos - dafür kann man ja wohl einen kleinen Aufschlag zahlen." Geht ja auch nicht anders, wenn man erst mal auf dem Parkplatz steht? Graetz schnauft: "Hier kommen 75.000 Fahrer in 24 Stunden vorbei. 2000 kehren bei uns ein. Ich behaupte, 1895 von denen wissen genau, was sie erwartet." Ein Jägerschnitzel für 10,50 Euro, ist das fair? "Raststätten müssen Tag und Nacht auf die unterschiedlichste Klientel eingestellt sein, sogar auf einen voll besetzten Bus mitten in der Nacht. Das braucht Logistik, und die kostet."

Der Raststättenpächter unterscheidet bei seinen häufigsten Gästen zwei Kategorien. "Wir haben Business blau und grau", sagt Graetz. "Blau steht für Trucker. Die steuern meist schnurstracks auf den Burger King zu. Was zunimmt, ist Business grau, Geschäftsleute. Für die haben wir die ‚FAZ‘ und Hotspots für drahtlosen Internetzugang." Er weist auf einen Anzugträger, der verbissen seinen Laptop traktiert. "Die Kundschaft ändert sich. Früher liefen an der Autobahn auch Edellokale wie das berühmte Spessart-Rasthaus. Jetzt sind die Bedien-Restaurants leer. Keiner hat Zeit."

"Jetzt ist das Ganze Mc'donaldisiert"

Vom Rummel auf den Raststätten profitiert auch der ADAC. Sein jährlich vor der Reisewelle veröffentlichter Raststättencheck wird viel beachtet: "Wenn der rauskommt, stürzen sich alle Lokalzeitungen auf die Ausreißer", sagt Robert Sauter, zuständig für Verbraucherthemen beim ADAC. "Wer bei uns durchfällt, hat Umsatzeinbrüche und kriegt Probleme mit Tank & Rast." Es gibt aber auch Kritik an den Testkriterien des Automobilclubs. "Familienfreundlichkeit" ist ihm besonders wichtig. Für die vielen Berufsfahrer, Stammkunden an Deutschlands Rasten, ist es allerdings unwichtig, ob Wickelraum oder Spielplatz vorhanden sind.

207 deutsche Anlagen hat der ADAC seit 1999 heimgesucht. "Raststätten hatten früher enorme Qualitätsunterschiede. Da gab's Spitzenlokale, und anderswo verkochte das Essen unter der Soßenhaut. Jetzt ist das Ganze Mc'donaldisiert. Überall dieselben Ketten", so Sauter. Im europäischen Vergleich ist Deutschland gut aufgestellt, besonders bei Service und Hygiene. Die schlimmsten Raststätten ortet der ADAC regelmäßig in Italien. In diesem Jahr gewann übrigens der Autohof Burghaslach an der A 3 zwischen Würzburg und Nürnberg.

Autohöfe, die etwas abseits der Autobahn liegenden Konkurrenten der Raststätten, hat der ADAC ebenfalls getestet. Eine Zeit lang galten sie mit ihren etwas günstigeren Spritpreisen als Geheimtipp. Ursprünglich für Lastwagenfahrer konzipiert, haben sich viele längst auf das breite Autovolk eingestellt. Einige bieten behindertengerechte Toiletten und sogar Wickeltische. Bestimmte Plätze genießen wegen ihrer gewaltigen Futterrationen Kultstatus. Etwa der MHB-Autohof Braunschweig, wo für schlappe 7,95 Euro ein Gericht namens "Misthaufen" auf den schartigen Holztisch kommt: Frikadellen, Nürnbergerle und Speck auf Kartoffeln, Püree und Sauerkraut. Salud.

Raststätten haben die Autohöfe eingeholt

Vor sechs Jahren bewertete der ADAC viele Autohöfe noch freundlich, als lohnende Alternative zu den Raststätten. Seit 2005 aber sei "die Aufholjagd gestoppt", urteilt man beim Club. Nicht weil die Höfe sich dramatisch verschlechtert hätten. Sondern weil die Raststätten mit ihren runderneuerten Anlagen, dem sanitären Komfort und der breit gefächerten - wenn auch immergleichen - Speisenpalette kaum zu schlagen sind. "Qualitätskommunismus" nennt der Verkehrssoziologe Bastian Roet vom Automobilclub von Deutschland (AvD) die neue normierte Speisewelt. Er glaubt aber nicht an den nachhaltigen Erfolg der Gleichmacherei. "So viele Leute, wie auf Rastplätzen zusammenkommen, können nicht auf Dauer alle dasselbe wollen."

Kein Wunder, dass der Rastplatz, der ihn am meisten fasziniert hat, so gänzlich aus der blank gewienerten Serways-Welt fällt. Das ehrwürdige Gasthaus Meine an der A 39, direkt an der Ausfahrt Westerlinde, darf dem Weltkulturerbe zugerechnet werden: kunstholzgetäfelte Decken, gewachste Linoleumböden, Holzstühle mit Sprungfedern, rotweiße Tischdecken mit Kerzen darauf und einem Bastkörbchen, worin bemalte Salz- und Pfefferstreuer stehen. An den Wänden Zierteller, Bilder von rauschenden Bächen, ausgestopfte Tiere - alles wie aus den 60er und 70er Jahren gefallen. Lkw-Fahrer verschlingen Riesenportionen Hausmannskost - kaum ein Gericht kostet mehr als 8,50 Euro. Und das Männerklo glänzt mit einer echten, weiß gekachelten Pinkelrinne, an der sich schon Generationen von Reisenden erleichterten. Eines ist klar: Wenn Sanifair hier Einzug hielte, wäre es mit der Raststättenwelt, wie wir sie kannten, hassten und auch schätzten, endgültig vorbei.

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