Air Berlin, LH, Condor Fluglinien steht Streikwinter bevor


Mitten im Abschwung steuert die deutsche Airlinebranche in zahlreiche Tarifkonflikte. Die Gewerkschaften des fliegenden Personals reagieren auf die unsicheren Beschäftigungsperspektiven mit Streiks - oder drohen damit.
Von Leo Klimm

Während Air Berlin bereits von Arbeitskämpfen getroffen ist, müssen die Lufthansa und der Ferienflieger Condor im Winter mit Konflikten rechnen - eine Übersicht.

Air Berlin: Standorte geschlossen

Wegen eines Warnstreiks der Piloten fielen Dienstagmorgen bei LTU - der Tochter von Air Berlin - vier Flüge aus, zehn verspäteten sich. Hintergrund ist, dass Air Berlin die LTU-Stationen in Hamburg, Stuttgart, Berlin, Frankfurt und Wien schließt. Kündigungen sind bisher nicht vorgesehen.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit (VC) und Verdi fordern jedoch einen Sozialplan, um die Nachteile auszugleichen, die die Beschäftigten durch den erzwungenen Wegzug von den geschlossenen Standorten erleiden. Air Berlin weigert sich, die Verhandlungen darüber mit VC zu führen - weshalb die Gewerkschaft zu Ausständen aufruft.

DBA: Schlechteren Konditionen

Bei DBA, einer anderen Air-Berlin-Tochter, reagierte das Unternehmen am vergangenen Freitag auf einen Warnstreik des Kabinenpersonals schlicht mit der sofortigen Einstellung des Flugbetriebs.

Verdi akzeptiert nicht, dass die gut 200 Betroffenen nach der ursprünglich für den 30. November vorgesehenen DBA-Schließung zu schlechteren Bedingungen bei Air Berlin arbeiten sollen. Obwohl die Fluglinie das Kräfteverhältnis in dem Konflikt schon klargemacht hat, kündigt Verdi weitere Proteste an. "Wir werden die Kunden auf die Methoden des Unternehmens hinweisen", heißt es.

Lufthansa: Kürzungen bei Cityline

Deutschlands größte Airline hat angekündigt, 20 Prozent der Stellen bei ihrem Regionalflieger Cityline zu streichen. Der Konzern hat die Nachricht mitten in einen erbitterten Streit innerhalb der VC platziert.

Der Streit dreht sich um die Kompromissbereitschaft gegenüber der Lufthansa. "Die Stellenstreichungen machen eine Lösung nicht leichter", sagte VC-Präsident Tim Würfel. Wegen des komplizierten Tarifkonflikts bei Cityline kam es im Juli bereits zu Streiks. Es geht um Vergütung, neue Flugzeuge und letztlich um die Existenz der Linie.

Nahm sich Würfel mit neuen Streikdrohungen bei Cityline zurück, hält er Arbeitskämpfe der Piloten beim Lufthansa-Mutterkonzern und bei Lufthansa Cargo ab Januar für "realistisch". Nach Kündigung des Manteltarifvertrags will er eine "Reduzierung der Arbeitsbelastung", zum Beispiel durch längere Ruhezeiten.

"Im Aufschwung haben wir immer mehr gearbeitet, jetzt wollen wir einen Ausgleich", sagte Würfel. Auch die Gewerkschaft der Flugbegleiter, Ufo, stellt harsche Forderungen: Ungeachtet eines Buchungseinbruchs will Ufo in den Vergütungsverhandlungen, die in diesen Tagen beginnen, 15 Prozent mehr Geld erstreiten.

Condor: Ruf nach Garantien

Nachdem der Reisekonzern Thomas Cook mehrmals vergeblich versucht hat, den Ferienflieger abzustoßen, fordert Ufo von Condor Beschäftigungsgarantien. Es gab erste Protestaktionen.

Die Condor-Führung zeigt sich zu Gesprächen bereit. Unklar sind die Einigungschancen bei den Piloten: Auch hier will VC ab Januar bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen.

FTD

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