HOME

Erster A380 für die Lufthansa: Der Riesen-Kranich ist flügge

Nun hat auch die größte deutsche Fluglinie einen Supervogel. Die Lufthansa holte heute ihren ersten A380 im Airbuswerk in Hamburg ab. 526 Passagiere können in dem zweistöckigen Flugzeug Platz nehmen. Nur einer wird den ersten Flug verpassen.

Von Swantje Dake

Hätte er hier gesessen. Reihe 64, Sitzplatz K? Wohl kaum. Allein der Beinfreiheit wegen hätte sich Michael Ballack wohl die 15 Stufen in die Business Class des A380 gemüht. Doch der Edelflug nach Johannesburg fällt für den Fußballer nach seiner Knöchelverletzung und dem WM-Aus wohl flach. Alle anderen Kicker erleben noch vor dem Anpfiff in Südafrika einen ersten Höhepunkt der WM-Reise: Sie sind auf einem der ersten Lufthansa-Flüge des Riesenfliegers A380 dabei.

Die funkelnagelneue Maschine wurde heute im Hamburger Airbuswerk an die Lufthansa übergeben und nach dem Überführungsflug in Frankfurt auf den Namen "Frankfurt am Main" getauft. Es ist der erste Riesenvogel für die größte deutsche Fluglinie. Die Ausmaße sind gigantisch. Knapp 80 Meter Spannweite, 72 Meter lang und 24 Meter hoch ist das zweistöckige Flugzeug. Ein Rolls-Royce-Triebwerk sorgt für den nötigen Anschub. 21 Stewardessen, Stewards und Purser kümmern sich um die maximal 526 Passagiere. Nur Air France fliegt mit mehr Gästen (538). Die anderen Fluggesellschaften, die bereits mit dem Riesenvogel unterwegs sind, lassen ihren Passagieren deutlich mehr Platz. Qantas fliegt mit 450 Sitzen, Singapore Airlines hat 471 Stühle eingebaut und Emirates 489. In der Economy Class ist der Sitzabstand so groß wie in anderen Langstreckenflugzeugen der Lufthansa, exakt 79 Zentimeter misst der Sitzabstand. Gefühlt ist der Platz etwas geräumiger, da die Sitzlehnen schmaler sind als in anderen Flugzeugen.

Im Pyjama nach Japan

Wer Platz und Ruhe möchte, muss einen der acht First-Class-Sessel buchen. Dort gibt es keine Gepäckfächer, an denen man sich den Kopf stoßen könnte, sondern Garderobenschränke mit Kleidersäcken. "Wenn nötig erweitern wir die Schuhschränke noch", gab sich Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bei der Übergabefeier großzügig. Auf eine Bar - wie bei Singapore - oder eine Dusche - wie bei Emirates - hat die Lufthansa allerdings verzichtet. Dafür warten in der Küche schon die Kaviardosen auf die ersten Gäste. Ein Knopfdruck und Trennwände sorgen zwischen den Sitzen für ein Mindestmaß an Privatsphäre. Dann kann man sich ungestört in den Pyjama werfen, die Socken überstreifen, die Schlafmaske runterziehen und sich in das 80 mal 207 Meter große Bett kuscheln. Pyjama und Co. werden von der Lufthansa zur Verfügung gestellt. Zum Einschlummern wählt man zwischen 200 Musik-CDs und 100 TV- und Videoprogrammen. Fast wie zu Hause! Umziehen muss man sich nicht auf engen Flugzeugtoiletten, sondern in recht komfortablen Badezimmern, die so mancher Nasszelle am Boden Konkurrenz machen.

Die Annehmlichkeiten haben ihren Preis. 12.000 Euro wird ein Flug Frankfurt - Tokio (und zurück) in der First Class kosten. Das gleiche Ziel erreicht man in der Economy Class für 800 Euro - und das ist nicht teurer als in einem anderen Langstreckenflugzeug. Während andere Fluglinien die teuren Klassen stark reduzieren oder gar ganz abschaffen, will die Lufthansa ihre Stammkunden - Geschäftsreisende - auf diese Weise binden. Der Premieren-A380 fliegt ab dem 11. Juni regelmäßig nach Japan. Vier weitere Riesenvögel sollen in diesem Jahr für Lufthansa noch flügge werden. 15 hat das Unternehmen insgesamt bestellt. Ab August soll Peking angeflogen werden, ab Oktober Johannesburg.

Drei Jahre Verspätung,aber rechtzeitig zur WM

Der erste A380 wird stets, so die airbusinterne Abmachung, in Hamburg an die jeweilige Fluggesellschaft übergeben. Wenn die Airlines ihre Superflieger in Empfang nehmen, wird groß aufgefahren und werden Superlative bemüht. Die Rede ist von Stolz, Leidenschaft und Faszination, Prominente und Politiker gratulieren zum neuen Meilenstein der Luftfahrt. Für Airbus-Chef Thomas Enders sind die Übergabezeremonien die Zeit für große Geschenke. Lufthansa-Boss Mayrhuber erhielt zu dem 350 Millionen Euro teuren Flugzeug einen mit Diamanten besetzen Montblanc-Füllfederhalter. "Das Flugzeug hat uns so viel gekostet, da fällt der nicht ins Gewicht", scherzte Enders. Der Airbus-Chef spielt auf die Probleme an, die das Unternehmen mit dem Riesenvogel hatte.

Der A380 war lange das Sorgenkind für Airbus: Erhebliche Produktionsprobleme führten zu einer fast zweijährigen Verzögerung des Erstflugs, keine Bestellung wurde bislang pünktlich abgeliefert, noch immer läuft die Produktion schleppend. In diesem Jahr sollen zwei Maschinen pro Monat hergestellt werden. Nun will der Flugzeugbauer aber sogar neue Jobs schaffen - und das nicht zu knapp. "Insgesamt wollen wir in diesem Jahr 1700 neue Mitarbeiter einstellen, davon rund 800 in Deutschland. Die meisten davon dürften in Hamburg gebraucht werden", sagte Enders dem "Hamburger Abendblatt".

Die Lufthansa erhielt ihren Erstling mit knapp drei Jahren Verspätung. Gerade noch pünktlich, damit Chef-Pilot Jürgen Raps die deutsche Nationalmannschaft am 6. Juni nach Südafrika fliegen kann. "Wir werden extra langsam fliegen, damit Jogi Löw in der unteren Ebene noch Kurzpässe üben lassen kann", so Mayrhuber.

Wissenscommunity