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Internationale Gartenschau in Hamburg: Die Hansestadt blüht auf

Noch wenige Tage: Dann startet in Hamburg die Internationale Gartenschau. Dort gibt es nicht nur exotische Blumen zu entdecken, sondern auch Kontinente, Kulturen und einen rundum erneuerten Stadtteil.

Von Till Bartels

Der Kniefall gehört zur Arbeitshaltung der Gärtner. Dutzende von ihnen hocken auf dem riesigen Gelände der Internationalen Gartenschau (IGS) ganz nah am Erdboden und pflanzen im Akkord Primeln, Ranunkel und Stiefmütterchen. Viel Handarbeit ist noch bis zur Eröffnung am kommenden Wochenende nötig, um die Beete in ein blühendes Blumenmeer zu verwandeln.

"Wir werden pünktlich fertig", sagt Jochen Sander, Chef der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft in Anspielung auf die Hamburger Elbphilharmonie. Keine Selbstverständlichkeit für ein Projekt dieser Größenordnung mit einer Gesamtfläche von 100 Hektar. Bereits 1997 entstand die Idee für eine Gartenschau im vernachlässigten Hamburger Süden, auf der Elbinsel Wilhelmsburg. Jetzt sind es nur noch wenige Tage bis zur Eröffnung, dann hat sich hoher Besuch angesagt: Am 26. April kommt Bundespräsident Joachim Gauck.

Aus tristem Braun wird eine bunte Farbenpracht

Noch beherrschen Bagger, Bauarbeiter und Gärtner das Areal. Zwischen sieben Uhr in der Früh bis zum Einbruch der Dunkelheit sind über 200 Leute im Einsatz: Parkbänke werden zusammengeschraubt, Fußwege erhalten ihren letzten Schliff, und es gilt 200.000 "Frühjahrsblüher", wie es im Fachjargon heißt, exakt in den von Landschaftsarchitekten vorgegebenen Mustern zu setzen. Schon im vergangenen Herbst waren eine halbe Million Tulpen-, Narzissen- und Hyazinthenzwiebeln eingepflanzt worden.

"In 80 Gärten um die Welt", so lautet das Motto der Gartenschau, eine Anspielung auf den Titel des Buches von Jules Vernes "In 80 Tagen um die Welt". Sieben Themenwelten laden dazu ein, Kontinente und Kulturen zu entdecken. Internationale Landschaftsarchitekten haben Blumen und Bauten in ungewohnter Weise arrangiert: Das versunkene Inselreich Atlantis wird zum blühenden Spielplatz. Im orientalischen Zelten duftet es nach Weihrauch. Schüler haben in Hochbeeten Nutzpflanzen ihrer Heimat kultiviert: Kräuter aus Russland, Gemüse aus Anatolien - alles auf Augenhöhe zum Sehen, Lernen und Riechen. Und nebenbei werden auch Umweltthemen spielerisch vermittelt.

Die Veranstalter rechnen in den nächsten sechs Monaten mit 2,5 Millionen Besuchern. Auch ein umfangreiches Bildungsprogramm, was sich insbesondere an Schulklassen richtet, und eine viele Veranstaltungen sind geplant - mit Auftritten von Truck Stop, Inga Rumpf, dem Circus Mignon und der Hamburger Camerata.

Tageskarte für 21 Euro

Mit Eröffnung der Gartenschau rückt der als Problemgebiet geltende Stadtteil Wilhelmsburg plötzlich in den Mittelpunkt des Interesses. Auf dieser Flussinsel zwischen Norder- und Süderlebe leben 50.000 Menschen, über die Hälfte davon mit Migrationshintergrund. In keinem anderen Bezirk der Hansestadt sind Menschen aus so vielen Ländern zu Hause, mehr als 100 Nationen sollen es nach Angaben der IGS-Veranstalter sein. Die Gartenschau werde "insbesondere für den Stadtteil Wilhelmsburg eine positive Entwicklung einleiten", ist Heiner Baumgarten, Geschäftsführer der IGS überzeugt.

Für die Planer war es eine Herausforderung, die Ideen und Bedürfnisse der Bewohner bei der Konzeption mit einzubeziehen und dem multikulturellem Viertel nach Abschluss der 171-tägigen Gartenschau einen öffentlichen Park zu übergeben. Beim stolzen Preis einer Tageskarte von 21 Euro können sich wohl nur die wenigsten Wilhelmsburger einen Besuch der Gartenschau leisten. Für die meisten Anwohner dürfte daher das IGS-Gelände erst ab 2014 zu einem Volkspark werden.

Qualitätsschub für ein Hamburger Randgebiet

Aber Hamburg hat in Wilhelmsburg langfristig gedacht und vor Jahren mit dem Motto ein "Sprung über die Elbe" in den Entwicklungsplan für einen neuen Stadt- und Landschaftsraum investiert. Denn zeitgleich zur IGS läuft auf der Elbinsel die Internationale Bauausstellung (IBA). Beide Konzepte sind miteinander verzahnt, was die Gartenschau zu einer besonderen macht. Noch nie wurden im Rahmen einer IGS die Themen Städte- und Landschaftsbau so eng miteinander verknüpft. Beim Rundgang auf dem Gelände wird das Ineinandergreifen von Parklandschaft, ökologischem Bauen und dem Wohnen in Neubauten direkt am Wasser sofort sichtbar.

Gerade die Kombination zweier Ausstellungen macht Wilhelmsburg für Besucher attraktiv. Nur acht S-Bahn-Minuten südlich des Hauptbahnhofs hat Wilhelmsburg ein grünes Zentrum erhalten. Noch stilvoller geht es per Barkasse von den Landungsbrücken zur IGS, entweder bis zum Bürgerhaus in Wilhelmsburg oder bis zum Anleger am Reiherstieg. Bei der Anreise zeigt sich, dass Hamburg nicht nur eine Stadt am Wasser ist, sondern auch eine besonders grüne Metropole.

Pflanzen, was das Zeug hält

Doch noch ist auf dem IGS-Gelände ein Braunton vorherrschend. Durch den langen Winter gibt es bei den Bodenarbeiten noch viel aufzuholen. Noch haben die Gärtner alle Hände voll zu tun, damit das Gelände erblüht. Fast fertig ist die Monorail, die über der Anlage bereits auf mehreren Metern hohen Stelzen ihre Runden dreht und wie eine riesige Raupe auf einem Ast aussieht.

In einer anderen Ecke Hamburgs steht die Gartenschau schon in voller Blüte. Auf nur drei Quadratmetern zeigt das Miniatur Wunderland in der Speicherstadt den "kleinsten (größten) Garten der Welt" - einen Nachbau der Internationalen Gartenschau mit 150.000 Blumen und 140 "gepflanzten" Bäumen - allerding im Maßstab 1:87.

Rundgang über das Gelände der IGS: Realität und Entwürfe im Vergleich als Fotostrecke.

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