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Rosenmontagsumzüge: Derbe Politikerschelte

Im Karneval ist es Tradition, den Politikern die Leviten zu lesen. Dieses Jahr haben die Jecken es besonders auf Angela Merkel abgesehen.

Mit dem Start der Rosenmontagszüge haben die Karnevalshochburgen Mainz und Köln am Montagvormittag den Höhepunkt der diesjährigen Narrensaison erreicht. Auch in zahlreichen anderen Städten wie Koblenz, Saarbrücken, Trier, im Ruhrgebiet und in Westfalen sowie im thüringischen Sondershausen standen die Narren zu ihren Rosenmontagszügen bereit. In Düsseldorf soll sich der bunte Zug erst zum Nachmittag in Bewegung setzen.

Traditionell sind vor allem die Motivwagen der Fastnachter in Mainz und der rheinischen Karnevalshochburgen Hauptblickfang am Rosenmontag, da sie insbesondere die Bundespolitik satirisch aufspießen. Die kölschen Jecken setzten neben der Berliner Politik den "schiefen Turm von Köln" in Anspielung auf einen in Schieflage geratenen Kirchturm in Szene. Die Landeshauptstadt Düsseldorf feiert unter dem Motto "bunt wie die Welt".

"Willkommen in der EU"

Der Mainzer Carneval-Verein schickte 15 Motivwagen auf die 7,2 Kilometer lange Zugstrecke. Neben Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Finanzminister Hans Eichel bekommt CDU-Chefin Angela Merkel gleich doppelt ihr Fett weg: Zum Thema "Willkommen in der EU" baut sie im Blaumann eine Mauer hinter einer Tür, die Bundeskanzler Gerhard Schröder einem Vertreter der Türkei weit aufhält. Im umstrittensten Wagen der Kampagne eilt sie im Laufschritt auf eine Leiter zu, die an das entblößte Hinterteil von US-Präsident George W. Bush gelehnt ist. An dem Wagen hatten zahlreiche Mainzer nicht zuletzt wegen des Besuches des US-Präsidenten am 23. Februar Anstoß genommen.Bejubelt von mehr als 5000 fröhlichen Schaulustigen haben die thüringischen Narren am Rosenmontag die Straßen von Sondershausen erobert. Rund 50 Wagen waren nach Angaben der Polizei am Vormittag in dem Karnevalszug durch die Innenstadt unterwegs.

Schwäbisch-alemannische Fasnet

In Baden-Württemberg ging das närrische treiben bereits vor Sonnenaufgang los. Bei teilweise eisigen Temperaturen waren die Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fasnet zwischen Bodensee und Schwarzwald am Montag wieder fest in der Hand von Hexen, Hansele und Federhannes. In Rottweil zog der historische Narrensprung wieder die Massen an. Punkt acht Uhr stürzten mehr als 3000 Masken- und Hästräger aus dem Schwarzen Tor zum wilden Treiben in die Gassen der Stadt.Zu den bekanntesten Figuren gehören das Gschell mit seinen schweren Glocken und der Federhannes mit seiner Sprungstange. Bis zu 100 Jahre alt sind die Narrenkleidle der Rottweiler Narren, deren Fasnet bereits im 15. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Ursprünglich stellt das Spektakel den symbolischen Kampf mit den Winterdämonen dar.Auch in zahllosen anderen Orten im Südwesten zog die Straßenfasnet Zehntausende in ihren Bann. Schon ab fünf Uhr waren die Maskierten in vielen Orten zum lautstarken Wecken unterwegs. In Villingen machten die Butzesel die Stadt unsicher. Mit Blechtrommeln und schräger Katzenmusik sorgten sie für ein lautes Spektakel. Ein feuchtes und fröhliches Vergnügen wurde im Schwarzwaldort Schramberg geboten. Mutige Zeitgenossen wagten sich in kleinen bunt geschmückten Holzzubern die Schiltach hinab.

AP/DPA / AP / DPA

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