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Airlines: Luftfahrtbranche in Turbulenzen

Die Luftfahrt hängt am Öl wie keine andere Branche. Trotz Kerosinzuschlags: Wenn der Preis weiter steigt, geht es den Airlines an die Substanz – es drohen neue Pleiten.

Von Matthias Lambrecht

Am Mittwoch legte die Deutsche Lufthansa noch einmal nach: Für Flüge innerhalb Deutschlands und Europas wird der Treibstoffzuschlag ab Mitte Juni um 3 Euro auf 24 Euro erhöht. Der Aufpreis für die Langstrecke wird gar um 10 Euro auf 92 Euro angehoben.

Die nach oben schießenden Ölpreise setzen auch die solide aufgestellte deutsche Airline unter wachsenden Druck. Die letzte Anhebung des Zuschlags liegt gerade vier Wochen zurück. Anfang des Monats korrigierte die Lufthansa die Summe der erwarteten Treibstoffkosten für das laufende Jahr von knapp 5,3 Milliarden Euro auf 5,7 Milliarden Euro. Immerhin rechnet Konzernchef Wolfgang Mayrhuber dank vorausschauender Preisabsicherung durch Hedging bislang damit, dass er das Gewinnniveau halten kann.

Doch damit steht er inzwischen ziemlich allein: Rund um den Globus sehen die Fluggesellschaften ihre Erträge dahinschmelzen, immer mehr Airlines fliegen in die Verlustzone. Der Branchenverband IATA fürchtet, dass sich die Verluste seiner Mitglieder 2008 auf 6,1 Milliarden Dollar addieren werden, wenn der Ölpreis bei 135 Dollar pro Barrel verharrt.

Billigflieger sind besonders betroffen

"Die Billigflieger kommen zuerst unter Druck", sagt Luftfahrtexperte Jürgen Ringbeck von der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Die Ausgaben für Treibstoff machten hier rund 30 Prozent der Kosten aus, außerdem reagiere die Kundschaft besonders sensibel auf Preiserhöhungen. "Angesichts der dünnen Margen in der Luftfahrtbranche ist der Gewinn da schnell aufgezehrt."

Doch die Krise hat längst die großen, etablierten Airlines erreicht – zuerst in den USA, inzwischen auch in Europa. In Deutschland musste Air Berlin die Wachstumspläne korrigieren. Besonders die neuen Verbindungen nach China machen Sorgen: "Wir stellen die komplette Langstrecken-Operation auf den Prüfstand", so Unternehmenschef Joachim Hunold. Am Mittwoch versuchte er aber zunächst noch einmal, die Erlöse nach oben zu bringen: Nach der Lufthansa kündigte auch Air Berlin eine Erhöhung der Zuschläge an.

Wenn sich höhere Aufschläge am Markt nicht mehr durchsetzen lassen, bleibt nur wenig Spielraum, um auf den binnen sechs Monaten um mehr als 40 Prozent gestiegenen Ölpreis zu reagieren. "Die Kosten sind in den vergangenen zehn Jahren bereits deutlich optimiert worden, weitere Kostensenkungen gehen schnell an die Substanz", sagt Ringbeck. "Bei weiter steigenden Treibstoffpreisen kommen alle Gesellschaften in Schwierigkeiten."

Seit 2001 sind die Aufwendungen jenseits der Ausgaben für Kerosin um 21 Prozent gesenkt worden, rechnet die IATA vor. Die Verluste lassen sich für viele Gesellschaften nur noch begrenzen, indem unrentable Verbindungen eingestellt, Flugzeuge stillgelegt und Personal entlassen wird. In den USA, wo zur Öl-Hausse eine Nachfrageschwäche kommt, ist dieser Prozess längst im vollen Gange. Steigt der Preis weiter, droht eine Pleitewelle – und es bieten sich Gelegenheiten für die starken Spieler: Die Lufthansa werde bei der Konsolidierung "eine sehr aktive Rolle" spielen, hat Konzernchef Mayrhuber bereits angekündigt.

FTD

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