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Wendepunkt der Wirtschaft: Das Coronavirus wird die Luftfahrtbranche härter treffen als 9/11

Die Luftfahrtbranche konnte sich über immer höhere Passagierzahlen freuen. Umso härter wird sie nun vom Coronavirus getroffen. Die Verluste dürften in die Milliarden gehen, erwarten Experten.

Lufthansa reagiert auf Ausbreitung von Coronavirus

Das Coronavirus schien lange Zeit auf China beschränkt und damit weit weg von uns zu sein. Das hat sich in dieser Woche geändert: In Europa schnellen die Zahlen der Infizierten in die Höhe, in den USA gab es am Samstag den ersten Todesfall durch Covid-19. Die Angst, dass die neue Lungenseuche unkontrollierbar wird, ist groß – und infiziert die Börsen. Seit Tagen rauschen die Aktienkurse in den Keller, die globalisierte Wirtschaft erlebt nach Jahren des Aufschwungs einen tiefroten Dämpfer.

Lufthansa kündigt Streichung an

Besonders betroffen ist die Luftfahrbranche. Die Lufthansa-Gruppe - dazu zählen die Kernmarke Lufthansa, aber auch die Schweizer Swiss, Austrian Airlines und Eurowings - steht vor den größten, nicht-streikbedingten Flugstreichungen ihrer der jüngeren Geschichte. Wie die Airline am Mittwoch mitteilte, könnte in den kommenden Wochen jeder vierte Kurz- und Mittelstreckenflug gestrichen werden. Auch bei den Langstreckenverbindungen steht eine Kürzung im Raum. Die Streichung ist insofern bemerkenswert, weil die Zahl der Passagiere erst im vergangenen Jahr erneut um zwei Prozent auf insgesamt 145 Millionen zulegen konnte.

Stornierte Flüge, leere Sitzreihen, freie Schalter – dieses Bild zieht sich durch Flughäfen auf der ganzen Welt. Dem "Wall Street Journal" zufolge ist China, wo das Virus seinen Ursprung hat, besonders betroffen. An den wichtigsten Flughäfen des Landes ist der Flugverkehr um 80 Prozent eingebrochen.

Coronavirus-Krise wird zum Wendepunkt der Luftfahrt

Schon jetzt werden die Folgen des Coronavirus für die Luftfahrt-Industrie als weitreichender eingeschätzt als der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 oder die Sars-Epidemie 2003.

Ian Petchenik, Sprecher beim Flugportal "Flightradar24" sagt dem "Wall Street Journal": "Damals war der Anteil von China auf die globale Wirtschaft viel geringer. Heute ist China für 19 Prozent der globalen Wirtschaft verantwortlich." China ist mittlerweile einer der wichtigsten Märkte für internationale Airlines überhaupt.

Luftfahrtexperte Phil Seymour erwartet ebenfalls enorme wirtschaftliche Belastungen für die Airlines: "Wenn wir in zehn Jahren auf heute zurückblicken, werden wir Corona als Game Changer sehen."

Prof. Dr. med. Johannes Knobloch

Experten schätzen, dass die gesamten Passagiereinnahmen in diesem Jahr um 29,3 Milliarden Dollar oder 27,1 Milliarden Euro kleiner ausfallen werden. Zum Vergleich: Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010 belastete die Branche mit Kosten in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar. Damals wurden die Folgen als katastrophal eingeschätzt, verglichen mit den Prognosen für dieses Jahr waren es Peanuts.

Kosten bis zu 100 Milliarden Dollar

Einige Experten zeichnen noch düsterere Szenarien: Insgesamt könnte die Luftfahrt-Industrie mit bis zu 100 Milliarden US-Dollar belastet werden, denn die Passagiereinnahmen sind nur ein Teil der Kosten. "Wenn ein Flugzeug steht, kostet das 10.000 Dollar pro Tag", erklärt Luftfahrtexperte Phil Seymour weiter. "Hinzu kommen die Kosten für die Crew, die am Boden bleibt, und das Flugzeug muss auch gewartet werden, wenn es nicht fliegt. Alles zusammen kann bis zu 50.000 US-Dollar am Tag kosten."

Nach dem Anschlag vom 11. September 2011 dauerte es knapp neun Monate, bis sich die Luftfahrtindustrie  von den Folgen des Terroranschlags und der damit einhergehenden Verunsicherung der Menschen erholt hatte.

Jedoch kann niemand seriös einschätzen, wie lange Corona-Epidemie dauern wird. Viele Unternehmen rechnen daher mit dem Schlimmsten und prüfen bereits die Einführung von Kurzarbeit – darunter die Lufthansa.

Quelle: "Wall Street Journal"

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