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Aufruhr in Thailand: Was Urlauber beachten sollten

Tausende Regierungsgegner haben den Flughafen in Bangkok besetzt. Hunderte Flüge wurden abgesagt, etwa 4000 Reisende stecken fest. Die Fluglinien reagieren unterschiedlich auf die Zuspitzung der Lage. Kann man jetzt noch nach Bangkok fliegen? Was Urlauber jetzt beachten müssen.

Von Till Bartels

Wegen der Proteste auf dem Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok haben deutsche Veranstalter Reisen nach Thailand abgesagt. Von den Fluggesellschaften, die nonstop von Deutschland nach Thailand fliegen, hat Thai Airways die Verbindungen von und nach Frankfurt und München eingestellt. Die Lufthansa leitete einen Jumbo-Jet mit mehr als 300 Passagieren nach Malaysia um.

stern.de gibt einen detaillierten Überblick, welche Airline noch fliegt, wer die Ansprechpartner bei Umbuchungswünschen sind und was das Auswärtige Amt Thailand-Urlaubern rät. Noch ist keine allgemeine Reisewarnung für Thailand ausgesprochen.

Die politische Lage

In Thailand spielt sich ein Machtkampf ab: auf der einen Seite die demokratisch gewählte Regierung, auf der anderen eine außerparlamentarische Opposition. Der Ausgang ist völlig offen. Betroffen ist allerdings bislang - wie auch beim Militärputsch 2006 - nur die Hauptstadt Bangkok. In Touristenzentren wie Phuket gibt es keine Aufruhr.

Das oppositionelle Bündnis (PAD) besteht aus Mitläufern, ehemaligen Armeeangehörigen, Unternehmern und Intellektuellen und hält seit Ende August 2008 den Regierungssitz mit dem Büro des Ministerpräsidenten besetzt. Die PAD wurde als Protestbewegung zum 2006 gestützten Regierungschefs Thaksin geboren. Er gilt als Populist, der zwar die Armen begeistert, aber für die Reichen der Inbegriff von Korruption und Intrige ist.

Die Demonstranten sind vor allem die alten Eliten, die die Demokratie im Wesentlichen ablehnen. Thailand hat seit Abschaffung der absoluten Monarchie 1932 mehr als 15 Militärputsche erlebt - den bislang letzten im September 2006.

Was das Auswärtige Amt rät

Das Auswärtige Amt aktualisiert laufend seine Reisehinweise. Eine Reisewarnung für Thailand ist bisher nicht ausgesprochen worden.

Angesichts der Regierungskrise in Thailand hat das Amt Bundesbürgern empfohlen, den internationalen Flughafen der Hauptstadt Bangkok vorerst zu meiden. Der Flughafen wird seit der Nacht zum Mittwoch von Regierungsgegnern lahmgelegt. Ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin sagte, die künftige Entwicklung sei "unkontrollierbar".

Die Website infomiert mit folgender Einschätzung: "Zu Übergriffen und Gefährdungen von Touristen und Ausländern ist es bisher nicht gekommen. In den nächsten Wochen muss in Bangkok mit weiteren möglicherweise gewaltsamen Demonstrationen und Zusammenstößen gerechnet werden. Es wird daher dringend empfohlen, Demonstrationen und sonstige größere Menschenansammlungen zu meiden, auch um sich nicht dem Risiko eventueller Sprengstoffanschläge auszusetzen."

Sicherheitshinweise für Thailand: www.auswaertiges-amt.de

Thai Airways storniert Flüge

Aufgrund von Demonstrationen am internationalen Flughafen Bangkok Suvarnabhumi wurde der Flugverkehr für den 26. November 2008 eingestellt. Alle Thai Airways Flüge Frankfurt-Bangkok mit den Flugnummern TG921/TG923 sowie der Flug München-Bangkok mit der Flugnummer TG925 für den 26. November 2008 wurden storniert. Die Flüge Bangkok-Frankfurt TG922 sowie Bangkok-München TG924 für den 26. November wurden ebenfalls storniert.

Passagiere ab Deutschland, die bereits ein Ticket für die Thai Airways Flugnummern TG921, TG923 oder TG925 gebucht haben, können dieses auf Wunsch kostenlos zurückgeben. Dies gilt vorerst für Abflüge bis einschließlich 3. Dezember 2008. Es werden keine Stornogebühren erhoben.

Für Umbuchungen und Rückfragen sollen sich Passagiere an die Thai Airways Reservierungabteilung wenden: Telefon 069 - 92874 444 und 089 - 242070 10.

Lufthansa fliegt nach Bangkok

Anders die Situation bei Lufthansa: "Wir fliegen auf jeden Fall", sagt ein Lufthansa-Sprecher. Der Nonstop-Flug LH 782 von Frankfurt nach Bangkok startet wie geplant am 26. November um 22:50 Uhr. Unterwegs wird entschieden, wo die Maschine landen wird.

Sollte der Flughafen Bangkok weiterhin geschlossen sein, wird der Jumbojet in Kuala Lumpur landen, dem endgültigen Ziel von LH 782.

Da es keine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt für Thailand existiert, gebe es keinen Grund für Umbuchungen. Anders ist die Situation für Flugpassagiere, die auf den Codeshare-Flügen mit den Nummern LH 9714 und 9718 von Frankfurt nach Bangkok und LH 9716 ab Münnchen gebucht sind. Diese werden von Thai Airways durchgeführt und sind von den Streichungen am 26. November betroffen.

Weitere Infos unter Telefon 1805 - 838 426 und unter "Ankunft und Abflug" unter www.lufthansa.com

Wie Air Berlin verfährt

Die Air-Berlin-Tochter LTU sagte einen für den Nachmittag des 26. November geplanten Flug von Düsseldorf in die thailändische Hauptstadt ab und bot den Kunden eine kostenlose Stornierung an

Ob wie vorgesehen eine Maschine von München aus nach Phuket starten werde, entscheide sich im Laufe des Tages, sagte eine Sprecherin von Air Berlin.

Kunden können sich an das Callcenter von Air Berlin wenden: Tel. 01805 - 737 800, in Thailand unter Tel. 001 800 - 120 666 375 sowie in der Rubrik "Aktuelle Abflüge" auf der Homepage unter www.airberlin.com

Wie Reiseveranstalter reagieren

Wegen der Proteste auf dem Flughafen von Bangkok haben deutsche Veranstalter Reisen nach Thailand abgesagt. Meiers Weltreisen und Dertour teilten mit, alle für Mittwoch und Donnerstag geplanten Reisen mit Flügen nach oder über Bangkok seien storniert worden.

Bei Meiers Weltreisen und Dertour waren etwa 200 Kunden betroffen. Direktflüge in die Urlaubergebiete nach Phuket fänden wie geplant statt, erklärten die Unternehmen. Vond er TUI sind alle Anreisen nach Bangkok bis zunächst Donnerstag gestrichen worden. Betroffen sind nach Unternehmensangaben rund 40 Gäste. Auch der Reisekonzern Thomas Cook in Oberursel sagte 42 Urlaubern den Flug ab, die am Mittwoch oder Donnerstag nach Bangkok hätten starten sollen. Pauschalreisende, die sich bereits in Thailand aufhalten, werden von den Veranstaltern vor Ort betreut, so eine Sprecherin des Deutschen Reisebüroverbandes.

Kunden, die eine Reise nach Thailand gebucht haben, wenden sich am besten an ihren Veranstalter oder das zuständige Reisebüro, ob eventuell Umbuchungen möglich sind.

Darf ich jetzt umbuchen?

Solange es keine Reisewarnung gibt, sind Touristen auf die Kulanz ihrer Reiseveranstalter angewiesen, wenn sie den Flug nicht mehr antreten und ihr Geld zurück haben wollen. Thailand-Urlauber, die bereits in den Startlöchern stecken und nicht mehr fliegen wollen, sollten laut Empfehlung der Schlichtungsstelle Mobilität mit ihrem Reiseveranstalter über eine Umbuchung verhandeln.

Einzelreisende haben grundsätzlich kein Reiserücktrittsrecht - auch nicht, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung erlässt. "Sie haben schließlich nur die Beförderung gebucht", sagt Birgit Zandke-Schaffhäuser, juristische Leiterin der Schlichtungsstelle Mobilität. Reisende hätten nur die Wahl, den Flug anzutreten oder zu stornieren, wobei für Stornierungen leicht Gebühren von 150 Euro oder mehr anfallen könnten. Besonderes Pech haben Urlauber, deren Flüge in eine Krisenregion komplett wegfallen: "Dann kann sich die Airline auf höhere Gewalt berufen, und die Reisenden gucken in die Röhre."

Auch Individualtouristen, die nicht mehr nach Thailand fliegen möchten, empfiehlt die Expertin: "Fragen Sie doch einfach bei Ihrer Fluggesellschaft an, ob eine Umbuchung zu einem anderen Ziel möglich ist", so die Empfehlung von Zandke-Schaffhäuser.

Hotline des Bangkok Airport

Die Schließung des Flughafens in Bangkok wurde inzwischen bis zum 27. November 2008, 18 Uhr thailändische Zeit, ausgeweitet.

Die Flughafenleitung des Suvarnabhumi Airport hat unter Tel. +66 2-132-1882 und +66 2-132-1888 eine Hotline für Reisende eingerichtet.

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