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Republik Vietnam: Alles im Fluss

Die Sozialistische Republik Vietnam boomt. Lebensader ist der Mekong. Er bestimmt den Rhythmus auf dem Wasser wie an Land. Trotz geschäftiger Aufbruchstimmung bleiben die Menschen gelassen und freundlich.

Am schönsten ist Saigon im Morgengrauen, wenn die Sonne über dem Fluss aufsteigt. Für einige Minuten taucht sie die Stadt in rötlich schimmerndes Licht. Die Luft ist mild und feucht, der warme Wind streichelt die Haut. Vor manchen Häusern hocken Familien und schlürfen Nudelsuppe. Auf der Uferpromenade machen Männer und Frauen Tai-Chi, Jogger drehen ihre Runden, junge Paare spielen Badminton.

Auf einer Bank sitzt ein Mann mit weißen Haaren und einem Kinnbart, der ihn wie Ho Chi Minh aussehen lässt. Er trägt Kopfhörer, verbunden mit einem CD-Spieler, und blickt auf die Wasser des Saigon-Flusses. Plötzlich wendet er sich dem Fremden zu, spricht ihn auf Französisch an. Als er hört, dass der Besucher aus Hamburg stammt, wechselt der Alte ins Deutsche und sagt, dass er in den 60er Jahren dort Musik studiert habe.Van Duc, 68, beginnt zu erzählen: von Beethoven und was ihm die Musik bedeutet hat in den dunkelsten Stunden seines Lebens, als klassische Musik lediglich Beweis bürgerlicher Dekadenz war. "Ich weiß gar nicht, ob ich ohne Mozart und Brahms noch am Leben wäre." Er hält inne und streicht sich durch den Bart. "Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Jetzt sitze ich hier und höre wieder in aller Öffentlichkeit Beethoven", sagt er und schüttelt leicht den Kopf, als könne er selbst nicht glauben, wie schnell sich seine Stadt verändert hat.Keine 15 Jahre ist es her, da regierten in Saigon noch die sozialistische Planwirtschaft und linientreue Parteikader. Ausländische Besucher wurden als potenzielle Spione betrachtet und auch so behandelt. Es gab kaum private Läden, stattdessen staatseigene Geschäfte mit leeren Regalen und lustlosen Verkäuferinnen. Wer die Stadt damals besucht hat und heute die Dong Khoi entlangschlendert, traut seinen Augen kaum. Der verkommene Prachtboulevard ist zu neuem Leben erwacht. Ein Sheraton-Hotel hat vor kurzem eröffnet, gleich daneben glänzen Boutiquen von Prada und Bulgari. Kunstgalerien, Restaurants, Bars und moderne Einrichtungsläden säumen die Straße. Manche von ihnen sind so gestylt, als stünden sie in Paris, London oder Berlin-Mitte.Fast 30 Jahre nach Ende des Vietnamkriegs erobert Saigon, das offiziell noch immer Ho-Chi-Minh-Stadt heißt, seinen Platz als eine der Metropolen Südostasiens zurück. Die vor 15 Jahren zaghaft begonnenen Reformen haben das Land aus seiner Agonie erweckt. Die Wirtschaft wächst, der Tourismus boomt. Reisende aus Europa, Amerika und Japan entdecken, was Vietnam zu bieten hat. Wunderschöne Strände und einsame Buchten an seiner fast 3500 Kilometer langen Küste. Den gebirgigen Nordwesten, wo die Gipfel bis über 3000 Meter reichen und wo mehr als 50 Minderheiten leben. Die Hauptstadt Hanoi mit ihren prächtigen Alleen und Gebäuden aus der Kolonialzeit.Das Zentrum des Wandels und heimliche Hauptstadt ist jedoch Saigon. Wer ein Gefühl für das Tempo, den irrwitzigen Rhythmus hier bekommen will, unternehme eine Fahrt mit dem Moped! Noch vor wenigen Jahren entsprach die Rikscha dem Takt der Stadt, mit dem gemächlichen Tritt des Fahrers. Jetzt ist das Dreirad ein Verkehrshindernis im Gewühl der knatternden, hupenden Mopeds. Zu langsam. Zu unbeweglich. Passé.Mopedfahrer warten vor jedem Hotel, an jeder Straßenecke auf Kunden. Wagemutige können sich für ein paar Euro auch ein Moped leihen und selbst losbrettern. Nervenschwache allerdings, die an westliche Verkehrsregeln gewöhnt sind, steigen spätestens an der zweiten Kreuzung ab. Verkehrsregeln sind unverbindliche Verhaltensempfehlungen. Wer blinkt, sorgt nur für Irritation. Wer in einer Einbahnstraße nicht mit Gegenverkehr rechnet, ist selbst schuld. Wer an einer roten Ampel hält, behindert den Verkehr. Was zählt, ist Flexibilität. Erlaubt ist alles, was dem eigenen Fortkommen dient und nicht zu einem Unfall führt. Wer weiterfährt, verspürt schon nach wenigen hundert Metern eine kindliche Freude am Chaos, das ihn umgibt. Anhalten ist nur im Notfall erlaubt. In der Unruhe liegt die Kraft.Entspannung nach einer aufregenden Mopedtour findet der Besucher auf der Dachterrasse eines der großen Hotels bei einem fantastischen Blick über die Stadt und die Flusslandschaft. Oder er lässt sich nieder in einem der vielen neuen Cafés, Teehäuser und Restaurants, die Oasen ähneln. Oft liegen sie versteckt hinter hohen Mauern, etwa im tropischen Garten einer Kolonialvilla - die letzten architektonischen Zeugen der französischen Herrschaft. Wer in ihren Gärten etwas Zeit verbringt, benötigt nicht viel Fantasie, um zu erahnen, in welch schamlosem Luxus die Kolonialherren gelebt haben. Und in welcher Dekadenz. Jahrzehntelang waren ihre Villen als Symbole der Unterdrückung dem Verfall preisgegeben. Seit einiger Zeit entdecken die Vietnamesen den ästhetischen und vor allem touristischen Wert dieser Bauten.

Das Pflichtprogramm für Touristen ist überschaubar in Saigon. Es gibt wenig Kirchen, Tempel oder historische Bauten, die man gesehen haben muss. Kunstsammlungen? Okay, gibt's auch. Weit interessanter ist das normale Leben in dem Schmelztiegel. Etwa der Ben-Thanh-Markt mit den Super-Sonderangeboten an gefälschten Markenjeans und Uhren. Man isst in einer der vielen Garküchen die beste Nudelsuppe seines Lebens oder verbringt einen halben Tag in Cholon, dem alten chinesischen Viertel Saigons. Die Gegend ist ein einziger Markt, auf dem es nach Heilkräutern, nach frischem Fisch und Fleisch, nach Zitronengras, Ingwer und Koriander riecht.Ein häufig besuchtes Touristenziel ist das Kriegsmuseum. In Hof stehen rostende Panzer und Jagdflugzeuge, dazwischen liegen Bomben- und Granathülsen. Die Sammlung im Haus besteht hauptsächlich aus Hunderten von Fotos, die den Horror des Krieges dokumentieren. Sterbende GIs im Schlamm. Tote Frauen und Kinder in Reisfeldern. Das My-Lai-Massaker. In einer Glasvitrine Gefäße mit missgebildeten Embryonen. Noch heute ist die Zahl von verkrüppelten Neugeborenen überdurchschnittlich hoch, eine Spätfolge des von den USA versprühten Entlaubungsmittels Agent Orange.Wer durchs Land reist, wird nicht an den Krieg erinnert. Es gibt keine zerschossenen Häuser oder zerbombte Kirchenruinen, die als Mahnmale dienen. Die große Mehrheit der Bevölkerung wurde nach Ende des Krieges geboren. Für die Jugend ist Amerika kein Feind, sondern das Ziel ihrer Träume.Boom-boom-boom. Die dumpfen Bässe im "Rain Forest" dringen bis auf die Straße. In der Disco zucken Körper im Geflacker der Laserlichts, winden sich junge, spärlich bekleidete Mädchen lasziv im Rhythmus der Musik. Auf den Tischen stehen XO-Cognac-Flaschen, die mehr kosten, als ein vietnamesischer Arbeiter im Monat verdient. Die Kinder der Reichen und Mächtigen mischen den Weinbrand mit Cola und Eiswürfeln.Die Feier findet unter Polizeischutz statt. Überall stehen Sicherheitskräfte und achten darauf, dass niemand über die Stränge schlägt. In einer Ecke lümmelt eine Gruppe junger Männer mit hochroten Promille-Gesichtern und glasigen Augen. Einer von ihnen legt seine Füße auf den Tisch. Sogleich ist ein uniformierter Aufpasser zur Stelle und befiehlt ihm, die Füße runterzunehmen. Der Mann gehorcht sofort.Um Mitternacht verstummt die Musik. Das Licht geht an. Sperrstunde. Polizisten helfen torkelnden Prominenten in ihre Autos oder auf ihre Mopeds. Alkohol am Steuer? Scheint niemanden zu interessieren. Die Nacht ist heiß und feucht. Ein paar Krüppel warten auf Almosen. Der harte Kern der Feiernden fährt weiter ins "Villa", einen neuen Nachtklub, der sich an die Sperrstunde nicht halten muss. Für eine sozialistische Republik, das merkt der Reisende schnell, geht es in diesem Land erstaunlich ungleich zu.Gut eine Autostunde von Saigon entfernt beginnt einer der schönsten Landstriche Südostasiens, das Mekong-Delta. Es ist mit 60 000 Quadratkilometern dreimal so groß wie Hessen und eine einzigartige Kulturlandschaft. Der Fluss ist Lebensader für rund 17 Millionen Menschen, Tausende von Wasseradern durchziehen die Region, das Leben findet auf oder am Fluss statt. Bewohner und Besucher des Deltas werden von der Natur verwöhnt. Dürren gibt es hier ebensowenig wie Taifune oder Erdbeben. Die Felder sind die fruchtbarsten im Land. 90 Prozent des Reises wird hier angebaut, es wächst fast jede Obstsorte.Wer mit einem Boot durch einige der kleineren Kanäle fährt, wird staunen. Am Ufer wachsen Mangroven und Wasserpalmen. Dahinter liegen Reisfelder und Obstplantagen. In einem winzigen Boot kommen uns fünf Kinder auf dem Weg zur Schule entgegen. Am Rand stehen Frauen und waschen Wäsche, ein paar Meter weiter tauchen Jugendliche im trüben Wasser nach Muscheln.Das Zentrum des Deltas ist Can Tho, eine Handelsstadt mit mehr als 300 000 Einwohnern. Viele Häuser stehen auf Stelzen mitten im Wasser, die am Ufer sind zum Wasser hin offen. Wer per Boot vorbeifährt, schaut den Menschen beim Fernsehen, Kochen, Streiten, Spielen oder Schlafen zu. Einige Kilometer entfernt vom Hafen liegt der größte schwimmende Markt des Mekong-Deltas. Dort dümpeln Hunderte von Schiffen jeder Größe. Dazwischen kreuzen Boote, die oft aus nicht mehr als ein paar Brettern und dem umgebauten Motor einer Wasserpumpe bestehen und bis zum Rand mit Obst und Gemüse beladen sind. Imbissbötchen pendeln hin und her und verkaufen belegte Baguettes, Suppen, Kaffee und Tee.Mittendrin das Schiff der Familie Le. Es ist ein knapp acht Meter langes Holzboot, ihr schwimmendes Zuhause. Die Eltern schlafen auf den Planken, die beiden Kinder, zwei und vier Jahre alt, in Hängematten. Im Heck steht ein Gaskocher, darauf liegen vier Plastikteller und Becher. Hinter einem Spiegel stecken vier abgenutzte Zahnbürsten. Alle Habseligkeiten der Familie hängen in zwei Plastiktüten an der Wand. Der Laderaum ist halb voll mit Ananas. Die Familie sitzt an Deck und verkauft ihre Ware an Händler, die sie auf den Markt in der Stadt bringen."Ein guter Tag heute", sagt Ng Thi Tua und nickt zufrieden. Die 28-Jährige ist die Tochter eines Reisbauern. Mit zehn Jahren musste sie die Schule verlassen und ihren Eltern auf den Feldern helfen. Vor einem Jahr borgten sie und ihr Mann sich 1000 US-Dollar für das Boot. Seitdem pendeln sie zwischen ihrem Dorf an der Grenze zu Kambodscha, wo sie Ware kaufen, und dem Markt flussabwärts. An guten Tagen verdienen sie bis zu 20 US-Dollar, an schlechten keine fünf."Aber es reicht zum Leben. Und die Arbeit ist viel weniger anstrengend als auf dem Feld", sagt Ng Thi Tua. Reich wolle sie sowieso nicht werden. Das einzige Ziel sei es, genug Geld zu verdienen, damit die Kinder eine gute Schule besuchen können. "Sie müssen viel lernen, dann können sie in die Stadt ziehen und eine gute Arbeit finden. Ihnen wird es einmal besser gehen", sagt sie strahlend.Ein Lächeln voller Freude, Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft. Ein Lächeln, das der Reisende als Geschenk mit nach Hause nimmt.

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Ich bin Freiberufler und werde diskreditiert!
Ich habe als Freiberufler für eine Firma gearbeitet wo bis zur letzten Minute alles super in Ordnung war. Der nächste Auftrag stand für einen Sonntag und der wurde mir ohne Begründung entzogen ohne Angaben von Gründe und das zwölf Stunden vor Antritt. Nun gut Gespräch mit der Leitung hat ergeben das eine leitende Person ein Statement abgeben hat über die Verkaufs Menge bzw Umsatz. Damit muss ich leben an diesem Tag war nicht los. Habe mich dann bei einer anderen Promotion Agentur beworben und heute ein Gespräch gehabt mit Vorführung meiner Kenntnisse. Bei dieser Präsentation wurde die mir zur Seite gestellte BC während dem Gespräch informiert von Mitarbeitern der anderen Agentur das ich nicht zu gebrauchen wäre und sogar sehr unfreundlich meinen Job verrichten. Aus diesem Grund bin ich dann nicht genommen worden. Als ich Zuhause war habe ich die alte Agentur zur Rede gestellt was das für eine Vorgehensweise wäre dort wurde ich von der Leitung mehr oder weniger kalt gestellt mit den Worten das wäre in der Branche normal man könnte nicht dulden mich dort im Store arbeiten zu lassen das wäre nicht gut für die eigene Mannschaft. Also folgender Problem ergibt sich nun. Da ich in Düsseldorf zuhause bin und dort auch meine Tätigkeit ausübe werde ich in allen Stores nun keine Aufträge mehr erhalten wenn es dieser Agentur gestattet ist ohne ein klärendes Gespräch meinen Ruf zu beschädigen. Bitte um Hilfe da meine LebensGrundlage mir gerade dadurch entzogen wird. Ich glaube es hat etwas damit zutun das ich homosexuelle bin und einer Dame das nicht passt.