HOME

Aschewolke zieht ab: Die Flughäfen sind wieder offen

Der isländische Vulkan hat es erneut geschafft: Reisende blickten am Montag bang auf Anzeigentafeln und Wetterberichte. Die Aschewolke waberte erneut über Europa. Nun sind die Flughäfen wieder geöffnet. Bis zur nächsten Asche-Attacke.

Von Swantje Dake

Sie will sich einfach nicht verziehen. Die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull hat sich erneut in den europäischen Luftraum geschoben. Niemand vermag zu sagen, ob es bereits die dritte, vierte oder gar fünfte Aschewolke war oder ob sich die Partikel genüsslich über Europa im Kreis drehen und mal aus Nordeuropa kommend für Stillstand sorgen oder sich aus Südeuropa heranschleichen. Fakt ist: Sobald Asche in der Luft liegt, wird der Flugplan eines ganzen Kontinents durcheinandergewirbelt.

Jetzt rauscht die Asche pünktlich zur besten Kurzurlaubszeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten heran - und erhält garantierte Aufmerksamkeit von Hunderttausenden Urlaubern, die bereits in der Sonne sind und gern zu einem von ihnen bestimmten Termin wieder an den Arbeitsplatz zurück wollen und von denen, die in den kommenden Tagen erst noch in die Sonne fliegen wollen.

Verspätungen und Verzögerungen an vielen Flughäfen

Solch starke Beeinträchtigungen wie Ende April, als an sechs Tagen acht Millionen Reisende strandeten, gab es bislang nicht wieder. Doch eine Garantie, dass dieser Fall nicht erneut eintritt, will niemand geben. "Bis in die kommende Nacht 0.00 Uhr besteht für die deutschen Flughäfen keine Gefahr", sagte die Leiterin der Luftfahrtberatungszentrale des Deutschen Wetterdienstes, Sabine Bork am Montag.

Doch die Sperrungen in Großbritannien, Irland und den Niederlanden wirkten sich auch auf den Verkehr an deutschen Flughäfen aus. Flüge von Deutschland in die betroffenen Länder wurden gestrichen. Interkontinental-Flüge, die auf den Drehkreuzen in London-Heathrow oder Schiphol (Amsterdam) landen sollten, wurden umgeleitet, was zu zusätzlichen Ankünften in Frankfurt führte. Reisende müssen sich den gesamten Tag über auf Verspätungen und Verzögerungen einstellen. Passagiere sollten sich vor dem Abflug bei ihrer Fluggesellschaft informieren, ob ihr Flug wie geplant stattfindet oder ob es zu Behinderungen kommt.

Rund tausend Flüge fielen an diesem Montag aus. Das Gros der 29.000 Flüge findet statt, wie die europäische Organisation für Flugsicherheit Eurocontrol mitteilte. Von den Flughafensperrungen waren am Abend nur noch kleinere Flughäfen in Nordirland und auf den schottischen Inseln betroffen. Die Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick wurden am Morgen wieder geöffnet. Schiphol nahm am frühen Nachmittag den Betrieb wieder auf.

Fluggesellschaften protestieren gegen Flugverbote

Die Aschewolke ist nach Messungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) drei Kilometer dick. Der DLR-Flug fand Vulkanasche über dem Norden Großbritanniens im Luftraum zwischen 4000 und 7000 Metern. Die Daten wurden den Behörden in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland zur Verfügung gestellt. Das Messflugzeug der DLR, das am Sonntag über Europa in der Luft war, soll das einzige einsatzbereite Messflugzeug in Europa sein.

Die Fluggesellschaften wollen sich offensichtlich auf die Behördendaten nicht verlassen. Die Lufthansa schickte am Sonntag ein Flugzeug mit einem Forschungscontainer "Caribic" des Mainzer Max-Planck-Instituts an Bord auf Erkundungsflug. Über die Ergebnisse wurde nichts bekannt. Man will der Aschewolke offensichtlich die Stirn bieten - und sich nicht erneut die Bilanzen vermiesen lassen. "Die deutschen Fluggesellschaften führen ihren Flugbetrieb ganz normal weiter", erklärte der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften.

Der Präsident der Fluglinie Virgin Atlantic, Sir Richard Branson, kritisierte die Schließung des Flughafens in Manchester am Wochenende. "Alle Testflüge von Fluggesellschaften, Flugzeug- und Motorenherstellern haben bislang keine Beweise gebracht, dass die Fluglinien nicht in kompletter Sicherheit normal weiterfliegen können", sagte Branson am Sonntag. "Über tausend Flüge sind vergangene Woche in Frankreich unter ähnlichen Bedingungen gestartet." Ein Sprecher von British Airways (BA) forderte, die Fluggesellschaften sollten selbst entscheiden können, ob sie fliegen oder nicht. Die britische Luftfahrtbehörde CAA wehrte sich gegen die Vorwürfe: Die Sicherheit der Passagier habe absoluten Vorrang.

Erneut Diskussion um Sichtflüge

Zaghafte Zeitgenossen werden von den Fluggesellschaften jedoch nur ungern gehört. Der Lufthansa-Sicherheitspilot Jürgen Steinberg hatte die Sichtflüge während der Luftraumsperre im April unlängst kritisiert. Er scheidet nun zum 1. August aus seiner Funktion aus. Dies geschehe in beiderseitigem Einvernehmen, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Steinberg hatte sein Ja zu Sichtflügen bedauert und gesagt, dies dürfe sich nicht wiederholen. Er bleibt aber Pilot.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will die umstrittenen kontrollierten Sichtflüge künftig unterbinden. Eine entsprechende Gesetzeslücke soll geschlossen werden. "Die Frage des Instruments 'kontrollierter Sichtflug' stellt sich jetzt nicht mehr, weil wir jetzt wirklich andere Regelungen haben", sagte Ramsauer dem ARD-Magazin "report München". Lufthansa dagegen schließt Flüge nach kontrollierten Sichtflugregeln (CVFR) im Bedarfsfall trotzdem nicht aus: "Ein Fliegen nach CVFR kann Lufthansa für die Zukunft nicht grundsätzlich und für alle Zeiten ausschließen, da es sich um ein rechtlich einwandfreies und sicheres Verfahren handelt", sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty dem ARD-Magazin.

Der Wind entscheidet über Urlaubspläne

Dabei ist der isländische Vulkan derzeit recht ruhig. Poltert, hustet und spuckt ein wenig, aber nicht deutlich mehr als vor einer Woche oder vor zwei. Ein Sprecher des isländischen Zivilschutzes sagte, die Aktivität des Vulkans Eyjafjallajökull habe nicht merklich zugenommen. Die Situation für den Luftverkehr habe sich aber aufgrund der Wetterlage geändert. Es ist der Wind, der die Auswürfe des Vulkans mal in diese und mal in jene Richtung treibt.

In den nächsten Tagen werde sich das Problem außerdem wieder abschwächen, weil "wir über Island eine südwestliche Strömung bekommen. Das heißt, die Aschewolke ist nicht weg, aber eben nicht in Mitteleuropa, sondern wird irgendwo aufs Nordmeer hinausgetrieben", so Bork. Doch so bald der Wind dreht, kommen sie wieder, die Aschepartikel, und das Spiel beginnt erneut. Luftraum geschlossen, Luftraum auf, Flughafen geschlossen, Flughafen freigegeben und stets der bange Blick zur Anzeigentafel.

Mit DPA/AFP/APN

Wissenscommunity