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Geburt im Flugzeug Im Flieger geboren: Welche Staatsangehörigkeit erhalten Air-Babys?


Wenn der Ort der Niederkunft nicht der Kreissaal, sondern die Flugzeugkabine über den Wolken ist, stellt sich die Frage nach der Staatsangehörigkeit des Kindes. Und wie lautet eigentlich der Geburtsort?

Erst vor wenigen Tagen erblickte an Bord eines Fluges von Turkish Airlines ein Mädchen das Kabinenlicht der Welt. Die Mutter, eine Französin afrikanischer Herkunft, hatte in Conakry im westafrikanischen Guinea ihren Flug angetreten, als vor der geplanten Zwischenlandung der Maschine in Burkina Faso bei ihr heftige Wehen einsetzten. Es folgte eine Sturzgeburt. Mit Hilfe von Crew und Passagieren gebar sie ein Mädchen mit dem Namen "Kadiju".

Erst im August vergangenen Jahres musste ein Airbus von Cebu Air auf dem Weg von Dubai nach Manila in Indien außerplanmäßig landen, nachdem eine Passagierin während des Nachtfluges ein Frühchen geboren hatte. "Wir hörten einen halblauten Schrei, und einige Sekunden später vernahmen wir ein zartes, niedliches Kreischen. Das war der Moment, als wir wussten: Das Baby ist geboren", berichtete eine Mitreisende auf Facebookseite.

Beide Mütter wurden mit ihren Nachwuchs anschließend am Boden in Kliniken medizinisch betreut. Erst später kam die Frage auf, welche Staatsangehörigkeit ein Kind erhält, das über den Wolken geboren wurde. Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

Abstammungs- und Territorialprinzip

Nach deutschem Recht hängt die Staatsangehörigkeit des Kindes von der Staatsangehörigkeit der Eltern beziehungsweise von deren Aufenthaltsstatus der Eltern ab, unabhängig vom Ort, wo sie geboren sind. Im Paragraph 4 des Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) heißt es: "Durch die Geburt erwirbt ein Kind die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt."

Aber es gilt nicht nur das Abstammungsprinzip, sondern noch das Territorialprinzip, und dann wird es schnell kompliziert. Jede Geburt muss individuell betrachtet werden, gerade bei einer "Luftgeburt".

Wenn sich das Flugzeug auf exterritorialem Gebiet befindet - also nicht über einem Staatsgebiet, sondern über dem offenen Meer - wird laut der Vereinten Nationen das Land zum pass-entscheidenden Kriterium, in dem das Flugzeug registriert ist.

Anders dagegen verhält es sich bei Flügen über dem Festland. Nach dem Chicagoer Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt aus dem Jahre 1943 hat jeder Staat die ausschließliche Lufthoheit über seinem Hoheitsgebiet. Dann gilt im Flugzeug das Recht des Staates, das es gerade überfliegt.

Das heißt konkret für die weltweit meistbeflogenen Strecken in Nordamerika: Wenn sich die Geburt zum Beispiel im Himmel über den USA oder Kanada ereignet, erhalten die Air-Babys durch das sogenannte Bodenrecht die US- beziehungsweise kanadische Staatsangehörigkeit.

Längen- und Breitengrad-Koordinaten im Pass?

Nicht ganz so kompliziert ist die Antwort auf die Frage nach dem Geburtsort. Im Pass wird meist jener Ort angeben, in der Mutter und Kind nach der Landung zum ersten Mal von Bord gegangen sind. Ähnlich verhält es sich mit Babys, die an Bord von Kreuzfahrtschiffen auf hoher See geboren werden.

Das Gerücht, dass Airlines den Neugeborenen großzügige Geschenke machen, trifft durchaus zu. Bei der Frühchengeburt an Bord von Cebu Air zeigte sich die Billigfluglinie generös: Das Baby erhielt eine Million Bonuspunkte des Vielfliegerprogramms. Das dürfte angeblich ein Leben lang für Gratisflüge reichen.


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