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Lufthansa-Streik ab Montag: Deutschland droht das Verkehrschaos

Ab Montag 0.00 Uhr machen die Lufthansa und Germanwings-Piloten ernst: Vier Tage lang treten die Flugkapitäne in den Streik, zwei Drittel aller Flüge fallen aus - es ist der größte Ausstand dieser Art in der Geschichte Deutschlands.

Deutschland steht vor dem größten Pilotenstreik seiner Geschichte. Zwar versprach die Lufthansa neue Gespräche, wenn die Vereinigung Cockpit Forderungen "über die Ausweitung deutschen Tarifrechts ins Ausland" fallenlasse. Die Gewerkschaft lehnte diese Vorbedingungen aber ab. Damit sind die Weichen für einen viertägigen Streik von Montag bis Donnerstag bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings gestellt. Zehntausende Passagiere dürften betroffen sein, die Lufthansa rechnet mit Millionenschäden.

Die Flughäfen in Deutschland rüsteten sich für den Streik, der am Montag um 0.00 Uhr beginnen sollte. Flüge aus dem Ausland nach Deutschland wollen die Piloten zwar noch absolvieren, dann aber die Maschinen parken. Am Frankfurter Flughafen wurde ein detaillierter Abstellplan für die Maschinen erstellt. Die Deutsche Bahn rechnet mit deutlich mehr Reisenden auf der Schiene, wenn die innerdeutschen Flüge ausfallen. Einige ausländische Airlines wollen größere Flugzeuge einsetzen, um gestrandete Passagiere aufnehmen zu können.

Nach dem Notfallplan der Lufthansa sollen rund zwei Drittel der bestreikten Flüge ausfallen, ein Drittel soll unter anderem mit Hilfe von Piloten aus dem Management angeboten werden. Insgesamt würden damit bei Lufthansa rund 3200 Flüge ausfallen. Beim Billigflieger Germanwings sollen rund zwei Drittel der Flüge trotz des Streiks stattfinden - es wurden unter anderem Maschinen und Besatzungen von anderen Gesellschaften angemietet.

Cityline und Eurowings vom Streik ausgenommen

Nicht bestreikt werden die Lufthansa-Regionalpartner wie Cityline oder Eurowings, die auf weniger stark nachgefragten Routen unterwegs sind. An normalen Tagen befördern Lufthansa und ihre Regionalpartner im Schnitt rund 150.000 Passagiere.

In dem Tarifkonflikt geht es um Geld, Arbeitsplatzsicherheit und um den Einfluss der Piloten auf die Konzernpolitik. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer konkretisierte das Angebot der Lufthansa und sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Wir sind bereit, eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2012 zu geben." Im Gegenzug erwarte das Unternehmen aber "mehr als die bislang angebotenen zwölf Monate Nullrunde".

Ein Kernpunkt des Streits ist die Befürchtung der Gewerkschaft, die Lufthansa könnte Strecken an billigere Töchter verlagern. In den vergangenen acht Jahren sei die Zahl der Lufthansa-Maschinen im Konzern von 300 auf 850 gestiegen, aber nur zwei Maschinen seien im Geltungsbereich des Konzerntarifvertrages hinzugekommen, sagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. Man sei zu Gesprächen ohne Vorbedingungen bereit und erwarte dies auch von der Lufthansa.

Gewerkschaft soll auf Forderungen verzichten

Lufthansa will mit der Gewerkschaft erst wieder verhandeln, wenn bestimmte Forderungen vom Tisch sind. "Wir können sofort über das Thema Arbeitsplatzsicherheit für Lufthansa-Piloten verhandeln, wenn VC ihre unerfüllbaren und rechtlich unzulässigen Forderungen über die Ausweitung deutschen Tarifrechts ins Ausland fallen lässt", sagte Lufthansa-Vize Christoph Franz. Hintergrund ist ein Entwurfspapier der Gewerkschaft, wonach Beteiligungen an ausländischen Airlines bei Nutzung des Lufthansa-Schriftzugs oder -Logos in den Geltungsbereich des Konzerntarifs fallen sollen. Ein Telefongespräch zwischen Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber und Cockpit-Präsident Winfried Streicher brachte keine Annäherung.

Die Industrie befürchtet im Falle eines Pilotenstreiks Schäden für die Exportnation Deutschland. Für einen Streik würde Deutschland einen hohen Preis zahlen müssen, warnte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, in der "Bild am Sonntag". "Ein Streik wäre doppelt bitter in einer wirtschaftlich sensiblen Phase: Gerade jetzt sind die endlich wieder erstarkenden Unternehmen ganz besonders auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen." Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gefordert, den Streik in letzter Minute auf dem Verhandlungsweg zu verhindern.

Bei innerdeutschen Reisen auf Bahn ausweichen

Lufthansa und Germanwings bieten betroffenen Passagieren kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen an. Auf den innerdeutschen Strecken kann auf die Bahn ausgewichen werden. Zudem wollen die Airlines für die Betreuung der Fluggäste sorgen, die auf Flughäfen festsitzen.

DPA / DPA

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