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Neue Suchmaschine für Flüge: Google findet billige Flugtickets

Der Internetkonzern mischt mit einem neuen Preisvergleich-Tool den Markt für Flugreisen in Deutschland auf: Google Flight Search punktet durch Schnelligkeit. Doch nicht alle Airlines sind an Bord.

Von Till Bartels

Die Online-Flugbuchung gehört zu den stärksten Umsatzbringern im Internet. Flugtickets werden als E-Tickets zum Ausdrucken über die Homepages von Airlines, den Flugbuchungsportalen oder über Reisebüro-Webseiten verkauft. Doch in dem Tarifschungel verlieren viele User die Übersicht. Deshalb gewinnen Meta-Suchmaschinen wie Swoodoo, Momondo oder Skyscanner enorm an Bedeutung. Doch genau diese Portale bekommen durch den neuen Google-Service Gegenwind.

Mit Google Flight Search setzt der Suchmaschinenkonzern Maßstäbe. Unter der Internetadresse google.de/flights erscheint neben der klassischen Eingabemaske auch eine Europakarte. Durch eine automatische Übermittlung der IP-Adresse ist der Heimatflughafen voreingestellt und zeigt bei den wichtigsten Flughäfen auf der Karte auch gleich die Preise an. Mit einem Klick auf das Reiseziel lassen sich die Verbindungen abrufen. Vorteil dieser Navigation: Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Beispiel nach Spanien fliegen möchte, sieht auf einen Blick die Preisunterschiede zwischen nebeneinander liegenden Flughäfen.

Auch der klassische Weg mit der Eingabe der gewünschten Reisedaten bringt schnell eine Ergebnisseite auf den Bildschirm, die alle relevanten Informationen wie Preis, Airline, Flugzeiten und -dauer sowie Zwischenstopps anzeigt. Praktisch ist auch der Klick auf ein Balkensymbol: Dieses führt zur Preisanzeige in Form eines Balkendiagramms für jeden einzelnen Tag über einen Zeitraum von zwei Monaten. So lässt sich für zeitlich flexible Reisende schnell ein Schnäppchen finden. Im Vergleich zu anderen Meta-Suchmaschinen ist die Eingrenzung auf eine bestimmte Uhrzeit bei Google jedoch versteckt.

Buchung erfolgt bei Partnerseiten

Anders als bei der normalen Web-Suche landen die Nutzer der Google Flugsuche nach der Auswahl allerdings stets auf einer Werbeseite. Denn wer auf den Button "Buchen" klickt, wird zur Website einer Fluggesellschaft oder eines Online-Reiseportals weitergleitet. "Bei den Buchungslinks handelt es sich um Anzeigen", lautet der Hinweis.

Zum Start der Flugsuche in Deutschland hat Google "einen Pool von Partnern" ins Boot geholt, wie ein Pressesprecher auf Anfrage von stern.de sagt. Diese Partner zahlen, um gelistet zu werden. Mit dabei sind auch die beiden größten deutschen Fluglinien Lufthansa und Air Berlin.

Zwei Jahre Erfahrung in den USA

Bereits 2010 hatte Google in den Vereinigten Staaten die Firma ITA Software in Cambridge bei Boston gekauft. Das Softwareunternehmen ist auf die Suche von Flugpreisen spezialisiert. Aus Sicht der Reisebranche war es deshalb nur eine Frage Zeit, wann Google in das Geschäft mit Flügen direkt einsteigt.

Schon ein Jahr später startete Google die Anwendung Flight Search in Nordamerika. Dann folgten einzelne Länder in Europa. In Deutschland wurde die Google-Flugsuche erst vor wenigen Tagen freigeschaltet.

Billigflieger nur unvollständig

Das Geheimnis für ein schnelles Suchergebnis bei der Flugsuche ist ein reibungsloser Datentransfer. Ohne eine direkte Schnittstelle, mit deren Hilfe die hochdynamischen Tarifdaten bei jeder Anfrage ausgetauscht werden, läuft nichts. Wie viele Fluglinien und Reiseportale bei der Flugsuche eingebunden sind, darüber hüllt sich Google in Schweigen.

"Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht", so ein Google-Sprecher. Erste Tests ergaben, dass auch Flüge von Easyjet, Norwegian und Ferienfliegern wie Condor auf der Trefferliste landen. Verbindungen von Ryanair sucht man jedoch vergeblich. Das hilft einem Schnäppchenjäger kaum. Auch nach dem Start der Google Flugsuche in Deutschland muss er weiterhin der Homepage des Billigfliegers besuchen.

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